Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de
Gesundheitspartner
von FITBOOK

Gruselig und schmerzhaft

Was steckt hinter „Leichenfingern“ bei Kälte?

Raynaud-Syndrom
Beim Raynaud-Syndrom werden die Finger gelblich-weiß. Erst wenn die Durchblutung sich durch Wärme normalisiert hat, färben sie sich langsam wieder zurück.Foto: FITBOOK

Bei manchen Menschen verfärben sich die Finger bei Kälte weiß bis gelblich. Dazu kommt ein Taubheitsgefühl und mitunter dauert es – selbst im Warmen – eine Weile, bis die Finger wieder normal aussehen und sich bewegen lassen. Dahinter steckt das sogenannte Raynaud-Syndrom. FITBOOK erläutert, was Betroffene tun können.

Man könnte einen Schrecken kriegen, wenn man bei Kälte auf seine Hände schaut und die Finger plötzlich gelblich-weiß sind. Dahinter steckt das Raynaud-Syndrom (auch Morbus Raynaud):  Eine Form der Durchblutungsstörung, die Finger und Zehen betreffen kann und im Volksmund „Weißfingerkrankheit“ oder „Leichenfinger“ genannt wird. Benannt wurde das Syndrom nach seinem Entdecker, dem französischen Arzt Maurice Raynaud.

Was ist das Raynaud-Syndrom?

Das Raynaud-Syndrom führt, ausgelöst durch einen Kältereiz, zu krampfartigen Verengungen der Blutgefäße in Fingern und auch Fußzehen. Die verfärbten Finger sehen nicht nur gruselig aus, sie bereiten auch starke Beschwerden. Betroffene haben das Gefühl, Eiswürfel in den Gliedern ihrer Finger und Zehen zu haben. Außerdem leiden sie unter Schmerzen. Nachdem Betroffene Kälte ausgesetzt waren, kann es eine Stunde dauern, bis die Stellen wieder normal durchblutet werden.

Wichtig: Dieser Prozess sollte nicht forciert werden, indem man die Eisfinger und -zehen in heißes Wasser legt. Durch den Schock würden sich die starr zusammengezogenen Blutgefäße ruckartig ausdehnen – und das würde richtig wehtun.

Auch interessant: Kribbelnde Hände – Übungen, die beim Karpaltunnelsyndrom helfen

Primäres und sekundäres Raynaud-Syndrom

Fachärzte sprechen vom primären Raynaud-Syndrom, wenn ihm keine auslösende Grunderkrankung zugrunde liegt. Ob es dafür eine genetische Veranlagung gibt, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Das sekundäre Raynaud-Syndrom tritt begleitend zu anderen, womöglich schwereren Erkrankungen auf, wie Rheuma oder anderen Autoimmunkrankheiten. Hiervon sind typischerweise eher Frauen betroffen – und in der Folge auch vom (sekundären) Raynaud-Syndrom.

Was sollte ich tun, wenn ich weiße Finger oder Zehen habe?

Medikamente werden nur in sehr schweren Fällen (der sekundären Form der Erkrankung) eingesetzt. Etwa wenn es zu Erfrierungen und Wunden kommt, die nicht verheilen. Es gibt Arzneimittel zum Einnehmen oder die man lokal auf die Haut aufträgt. Beim primären Raynaud-Syndrom genügt es für gewöhnlich, folgende Maßnahmen zu ergreifen:

Fäustlinge statt Fingerhandschuhe

Betroffene sollte unbedingt darauf achten, an den Händen nicht unnötig zu frieren und bereits ab Temperaturen von etwa zehn Grad Handschuhe zu tragen. Und bitte nicht irgendwelche, sondern solche aus einem winddichten, wasserfesten Material, die idealerweise weich gefüttert sind. Die „Deutsche Gesellschaft für Angiologie“ (DGA) schreibt in einem Ratgeber für Raynaud-Patienten, dass sich Fäustlinge besser eignen als Fingerhandschuhe, „da sich die Finger gegenseitig wärmen können“.

Den Füßen Bewegungsfreiheit geben

Bei denen, die auch an den Füßen betroffen sind, gilt der Hinweis auf robustes, wasserdichtes Material natürlich auch für das Schuhwerk. Wichtig: Die Schuhe sollten nicht zu kurz oder eng sein, weil das die Durchblutung weiterhin beeinträchtigen würde. Bei den Socken bitte darauf achten, dass sie nicht zu dick sind. Sie würden den Schuh unnötig vollstopfen und somit auch dazu führen, dass den Fußzehen die Bewegungsfreiheit fehlt. Zumal dick nicht immer warm heißt – etwa dann, wenn die Strümpfe aus Baumwolle oder Kunstfasern bestehen. Viel besser sind dünnere Texturen aus Wolle, Cashmere oder einem Mix aus beiden Stoffen.

Auch interessant: Die wichtigsten Tipps für gesunde Füße

Blutfluss mit Greifbewegungen anstoßen

Einfache Greifbewegungen mit Fingern und Zehen helfen dabei, den Blutfluss durch die Gelenke anzustoßen. Die „Trainingseinheiten“ sollten Sie zwischendurch immer mal wieder durchführen und spätestens dann, wenn Sie merken, dass Sie an den Fingern und/oder Zehen anfangen zu frieren. Generell helfen Sport und Bewegung, die Durchblutung dauerhaft zu verbessern.

Wechselduschen und Fußbäder

Wechselnde Temperaturreize trainieren die Gefäßmuskulatur. Die können Sie einfach in der Dusche setzen, indem Sie den Strahl abwechselnd kühl und lauwarm stellen. Bitte weder zu heiß noch zu kalt! Sonst wäre, wie oben erklärt, der Schock zu groß. (Fuß-)Bäder mit aktivierenden Zusätzen, wie Rosmarin, Ingwer, Zitrone oder vergleichbaren Heilkräutern, sind wohltuend und regen die Durchblutung an.

Auch interessant: Warum Sie auf Wechselduschen setzen sollten

Rauchen verschlimmert die Symptome

Rauchen ist natürlich für niemanden gut. Zu seinen vielen gesundheitsschädlichen Wirkungen zählt auch, dass es bei Raynaud-Patienten zu einer Verschlimmerung der Symptome führt, da es die Gefäße weiter verengt.

Omega-3-Fettsäuren

Wer am Raynaud-Syndrom leidet, muss sich bei der Ernährung nicht einschränken. Bestimmte Speisen sind aber besonders gut: So sollen Lebensmittel, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind, die Beschwerden lindern können. Und was wohl jeder kennt: Gewürze wie Chili, Pfeffer und Meerrettich in Essen oder Trinken heizen ordentlich ein. Würzen Sie also ruhig großzügig.

Auch interessant: Der Unterschied zwischen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren

FITBOOK sprach mit Prof. Dr. med. Thomas Dörner, Leiter Klinische Hämostaseologie an der Berliner Charité.