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„Blue Zone“-Erkenntnisse

9 Regeln für ein langes Leben

Älteres Paar hat hüpfend Spaß im Bett
Die „Blue-Zone-Expedition“ hat das Rad nicht neu erfunden, sondern erinnert uns einmal mehr daran, was ein gutes Leben ausmacht
Foto: iStock/vgajic

„Blue Zones“ sind Gegenden auf der Welt, deren Bewohner auf scheinbar wundersame Weise besonders alt werden und dabei gesund und glücklich bleiben. Zwei Amerikaner haben diese Orte bereist und erstaunliche Gemeinsamkeiten entdeckt. FITBOOK erklärt die neun Regeln aus den „Blauen Zonen“.

Die japanische Insel Okinawa, die Region Ogliastra auf der italienischen Insel Sardinien, die griechische Insel Ikaria, die kalifornische Kleinstadt Loma Linda und die Nicoya-Halbinsel auf Costa Rica liegen zwar geografisch weit auseinander und in unterschiedlichen Klimazonen – dennoch scheinen ihre jeweiligen Bewohner ihr Leben in gewisser Weise ähnlich zu gestalten. Denn sie werden nicht nur überdurchschnittlich alt, auch Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen treten deutlich seltener auf. Die beiden Brüder Nick und Dan Buettner, Gründer der „Blue Zone“-Initiative, wollten dem Geheimnis auf die Spur kommen. Monate des Reisens, Beobachtens sowie unzählige Gesprächen später kehrten sie mit neun Regeln und Erkenntnissen zurück. FITBOOK stellt sie Ihnen vor.

1: Sich jeden Tag reichlich bewegen

Die Lebensräume der fünf Orte sind so gestaltet, dass die Menschen sich in ihrem Alltag automatisch bewegen. Sei es über zahlreiche Treppen, auf Radwegen oder durch historische Ortskerne, die für viel Autoverkehr einfach nicht gemacht sind. So ist es für die Bewohner selbstverständlich, ihre Einkäufe zu Fuß zu erledigen oder mittlere Strecken mit dem Fahrrad zu bewältigen. Auch kleine Handwerksarbeiten oder Dinge wie Rasenmähen erledigen die Bewohner meist noch mit traditionellen Werkzeugen und Geräten. Kurz: Das Leben ist darauf ausgerichtet, dass die Menschen ihre Hände und Beine benutzen und dabei viel an der frischen Luft sind.

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2: Sich selbst als sinnvollen Teil der Gemeinschaft betrachten

Für „Blue Zone“-Menschen ist es ganz selbstverständlich, ihren Teil dazu beizutragen, dass das Zusammenleben funktioniert. Ob durch Ehrenamt, eine besondere Begabung, Berufung oder Familien-Traditionen – jeder Mensch hat einen festen, für ihn sinnstiftenden Platz in der Gemeinschaft, niemand wird als überflüssig oder gar lästig betrachtet.

Sich einfach mal um den Garten der kranken Nachbarin kümmern – für Blue Zoners eine Selbstverständlichkeit 
Foto: Getty Images

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3: Die Familie in den Lebensmittelpunkt stellen

Typisch für das Leben in den „Blue Zones“ sind sehr enge familiäre Bindungen. Das heißt nicht nur, zu heiraten oder sich liebevoll um seine Kinder zu kümmern, sondern auch seine Eltern und Großeltern engmaschig in seinen Alltag zu integrieren. Bewohner in den untersuchten Regionen pflegen ihre Familienangehörige besonders oft in den eigenen vier Wänden, statt sie in die Obhut Fremder zu geben.

4: Sich hauptsächlich pflanzlich ernähren

Fleisch wird als Delikatesse betrachtet und auch als solche wertgeschätzt. Die Basis für ihre Ernährung bieten hingegen Obst-, Gemüse- und Getreidesorten, die in der unmittelbaren Umgebung auch wachsen. Orientiert wird sich an dem, was die aktuelle Saison gerade bietet. Und nicht zuletzt: Stark verarbeitete, künstliche oder von weit her importierte Lebensmittel haben in der täglichen Ernährung so gut wie keine Bedeutung.

5: Ingesamt wenig, aber regelmäßig essen

6: Wenn Alkohol, dann Rotwein

Allem Anschein nach trägt das „Gläschen in Ehren“ zu fröhlichen Abenden und damit ebenfalls zum langen Leben bei. Zumindest richtet es keinen Schaden an. Was dem forschenden Brüderpaar in Sachen Alkoholkonsum in der „Blue Zone“ sofort ins Auge sprang: Statt Schnaps und Bier wird in der Regel der gute alte Rotwein vorgezogen, selbstredend in moderaten Mengen. Die Wissenschaft selbst streitet sich bis heute darüber, ob und wie Rotwein durch seine enthaltenen Antioxidantien und Polyphenole nicht vielleicht doch einen Mini-Beitrag zur Gesundheit leistet.

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7: Stress gezielt abbauen können

Nimmt der Stress einmal überhand, ziehen die Menschen in den „blauen Zonen“ sofort die Reißleine. Sie wissen, wann es Zeit ist, sich zurückzuziehen, zur Ruhe zu kommen, und hören bewusst auf ihre Körpersignale. Vor allem aber wissen sie, wie sich Entspannung schnell wiederherstellen lässt: mit einem Spaziergang in der Natur, einem Mittagsschläfchen oder dem Rückzug in ein stilles Gebet.

Spiritualität und Glauben ist gut für die Seele– sofern er nicht durch Fanatismus für Spaltung sorgt und die Anhänger fremdbestimmt. 
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8: An eine höhere, gütige Macht glauben und sich von ihr beschützt fühlen

„Blue Zone“-Bewohner leben sehr traditionell und sind überdurchschnittlich gläubig. Dabei ist es völlig unerheblich, mit welcher Religion sie sich verbunden fühlen. Allein das Vertrauen, dass eine höhere Macht mit ihrem eigenen Leben verbunden ist, reicht für sie aus, sich geborgen, gewollt und gut aufgehoben zu fühlen. Außerdem können Religionsgemeinschaften mit ihren Treffen vor Vereinsamung schützen.

9: Freunde haben, denen man blind vertraut

Wenn es hart auf hart kommt und man nicht mehr weiter weiß, wissen „Blue Zone“-Bewohner sofort, bei wem sie selbst mitten in der Nacht hilfesuchend vor der Tür stehen können. Eine feste Gemeinschaft, enge und langanhaltende Freundschaften sowie eine tiefe Bindung zur eigenen Familie bilden das soziale Fundament. Und dieses ist vor allem auf Vertrauen aufgebaut. Eine Tatsache, die so fest verankert ist, dass es sich fast ihrer Vorstellung entzieht, ein Leben ohne Freunde und Familienmitglieder führen zu müssen.

Was sagt uns das?

In den untersuchten Gebieten herrschen Bedingungen, die es den Menschen einfacher machen, ein zufriedenes, sinnerfülltes Leben zu führen. Zum einen, weil es sich nicht um Mega-Citys handelt, das Meer um die Ecke ist sowie Kulturen und Vorstellungen gepflegt werden, die zwar recht traditionell sind, aber auf die Bewohner nicht einengend wirken. All das zusammen kombiniert mit ausreichend Bewegung, gedeihlichen Tätigkeiten, heiterer Geselligkeit und regionalen Speisen fördert ein zufriedenes Leben. Wer zufrieden ist, wird seltener krank. Wer seltener krank ist, wird alt. Doch wann immer es simple Erklärungen für ein Phänomen gibt, werden andere Wissenschaftler sofort hellhörig. So hat sich der australische Forscher Saul Justin Newman die Sache einmal genauer angeschaut und festgestellt: Hier und da wurde ein bisschen gedreht, geschönt, vereinfacht oder ausgelassen.

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Allerdings verstehen sich Dan und Nick Büttner nicht als Wissenschaftler, sondern als Entdecker, Redner, Autoren und Geschichtenerzähler. Und genau das haben sie mit ihren „Blue Zone“-Reisen auch getan, indem sie Geschichten von Menschen mitbrachten, die gesund, zufrieden und alt sind. Sozusagen eine Erinnerung daran, was ein gutes Leben wirklich ausmacht.