15. September 2025, 4:34 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Warum werden manche Menschen immer wieder von Mücken gestochen, während andere weitgehend verschont bleiben? Eine Frage, die viele umtreibt – besonders im Sommer. Eine neue Studie vom Lowlands-Festival in den Niederlanden geht diesem Rätsel auf ungewöhnliche Weise nach und zeigt, dass Stechmücken offenbar klare Vorlieben haben. Was genau sie anzieht oder abschreckt, untersuchten Forscher inmitten von Musik, Schweiß und Festivalstimmung – mit überraschenden Ergebnissen.
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Was macht Menschen zu Mückenmagneten?
Manche Menschen sind regelrechte Mückenmagneten. Die Gründe dafür sind noch immer nicht vollständig bekannt. Um dem auf den Grund zu gehen, führten Forscher die sogenannte Mosquito Magnet Trial durch – eine Studie, die sich mit Verhaltensweisen und biologischen Merkmalen von Festivalbesuchern beschäftigte und deren Wirkung auf die Anziehungskraft gegenüber Stechmücken untersuchte. Kurz gesagt: Welche Festivalbesucher besonders anziehend für Mücken wirkten.
Im Fokus standen unter anderem:
- Alkoholkonsum,
- persönliche Hygiene,
- Nutzung von Sonnencreme,
- nächtliches Sozialverhalten (z. B. das Teilen eines Zelts),
- sowie die Zusammensetzung der Hautbakterien.
Ziel war es, herauszufinden, welche dieser Faktoren messbar beeinflussen, wie stark Mücken auf Menschen reagieren – genauer gesagt: weibliche Mücken der Gattung Anopheles.
Mücken-Experiment auf Festival
Die Untersuchung fand vom 18. bis 20. August 2023 auf dem niederländischen Musikfestival „Lowlands“ statt – mit über 60.000 Besuchern, warmem Wetter und reichlich Mücken ein ideales Versuchsfeld. 465 Festivalgäste nahmen freiwillig teil.1
Die Forscher arbeiteten in einem mobilen Labor, bestehend aus vier verbundenen Schiffscontainern. Dort füllten die Teilnehmer zunächst einen anonymen Fragebogen aus – etwa zu Körperpflege, Ernährung, Alkoholkonsum und ihrem Verhalten auf dem Festival. Zusätzlich wurden Hautproben vom Unterarm genommen, um die bakterielle Zusammensetzung der Haut zu analysieren.
Dann kam der eigentliche Test: In einem speziell entwickelten Mückenkäfig wurde der Arm des Teilnehmers durch eine Öffnung gesteckt. Die Mücken konnten ihn riechen, aber nicht stechen. Zur Auswahl hatten sie entweder den menschlichen Arm oder einen Zuckerspender. Über Videokameras wurde genau erfasst, wie viele Mücken sich für den Arm entschieden. So konnten die Forscher messen, wie „anziehend“ eine Person auf Mücken wirkte.
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Stechmücken haben Vorlieben
Die Ergebnisse zeigten deutlich: Stechmücken haben Vorlieben – und diese hängen tatsächlich mit bestimmten Verhaltensweisen zusammen.
Bier macht attraktiv – für Mücken
Teilnehmer, die am Vortag Alkohol, insbesondere Bier, konsumiert hatten, wurden häufiger von Mücken angeflogen als solche, die nüchtern geblieben waren.
Zelt geteilt – mehr Mücken
Auch wer die Nacht nicht allein im Zelt verbracht hatte, zog mehr Mücken an. Ob das an Körpernähe, Gerüchen oder anderen Faktoren lag, ist unklar – der Effekt war jedoch messbar.
Sonnencreme schützt – vor Mücken
Interessanterweise wurden Personen, die morgens auf das Duschen verzichtet, aber Sonnencreme verwendet hatten, seltener gestochen. Die Kombination aus Schweiß und Sonnenschutz könnte für Mücken weniger attraktiv sein als erwartet.
Bakterien spielen eine Rolle
Bei den besonders „attraktiven“ Teilnehmern fanden sich auffällig viele Streptokokken auf der Haut – also Bakterien, die möglicherweise bestimmte Gerüche produzieren. Auch andere geruchsbildende Keime waren bei diesen Personen stärker vertreten. Die Forscher vermuten, dass die Zusammensetzung der Hautbakterien erheblich beeinflussen kann, wie stark jemand von Mücken wahrgenommen wird.
Verhalten und Körperpflege haben Einfluss
Diese Studie zeigt auf unterhaltsame, aber wissenschaftlich fundierte Weise, wie Verhalten und Körperpflege beeinflussen können, ob man von Mücken verschont bleibt – oder zum Stichopfer wird. Besonders bei Festivalbesuchern wurden klare Unterschiede sichtbar: Manche zogen Mücken geradezu magisch an, andere blieben weitgehend unbehelligt. Wer regelmäßig im Freien unterwegs ist, kann durch einfache Maßnahmen wie den Verzicht auf Alkohol oder die Verwendung von Sonnencreme das Risiko für Stiche möglicherweise deutlich senken.
Zudem wird deutlich: Auch die Hautbakterien – also das sogenannte Mikrobiom – spielen eine größere Rolle als bisher gedacht. Künftig könnten Mückenschutzmittel entwickelt werden, die gezielt auf diese Bakterien einwirken.
Besonders spannend ist der Zusammenhang zwischen Sozialverhalten und Mückenanziehung: Wer engen Kontakt mit anderen Menschen hat, scheint ungewollt auch Mücken mit anzulocken – was bei tropischen Krankheiten wie Malaria oder Dengue von Bedeutung sein könnte.
Warum werden manche Menschen öfter von Mücken gestochen als andere?
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Einordnung der Studie
Trotz der spannenden Ergebnisse hat die Untersuchung auch ihre Grenzen:
- Sie fand in einem offenen Festivalumfeld statt, nicht unter Laborbedingungen. Faktoren wie Lärm, Gerüche oder der allgemeine Trubel könnten die Resultate beeinflusst haben.
- Die Teilnahme war freiwillig. Es ist möglich, dass sich vor allem neugierige oder wissenschaftsinteressierte Menschen beteiligt haben – das kann das Ergebnis verzerren.
- Es handelt sich um eine Momentaufnahme, keine Langzeitstudie. Es wurden nur Zusammenhänge festgestellt – keine direkten Ursachen.
- Getestet wurde nur mit einer Mückenart (Anopheles). Andere Arten wie die in Europa zunehmend vorkommende Tigermücke (Aedes) könnten anders reagieren.
- Bei der Veröffentlichung der Studie handelt es sich um ein Preprint, was bedeutet, dass die Prüfung durch unabhängige Experten noch aussteht.
Fazit
Die Mosquito Magnet Trial war eine originell konzipierte und sauber durchgeführte Studie, die zeigt: Mücken mögen Bier, schwitzen ungern gegen Sonnencreme an – und scheinen auch auf nächtliche Gesellschaft zu „reagieren“.
Auch wenn nicht alle Einflussfaktoren exakt kontrolliert werden konnten, liefert die Untersuchung neue, praxisnahe Erkenntnisse darüber, warum manche Menschen für Mücken besonders attraktiv sind – und was man selbst dagegen tun kann.