1. Januar 2026, 16:51 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Viele trinken im Alltag mehr Alkohol, als ihnen bewusst ist. Ein alkoholfreier Monat wie der „Dry January“ soll helfen, dieses Muster zu durchbrechen – mit messbaren Effekten auf Körper und Konsumverhalten. Bei FITBOOK sagen ein Mediziner und ein Ernährungswissenschaftler, was ein „trockener Monat“ dem Körper bringt.
Warum ein alkoholfreier Monat sinnvoll ist
Während schon die Weihnachtszeit meist recht alkoholreich ist, geht den Letzten spätestens nach Silvester ein Licht auf: Man hat zum Jahresende in puncto Sekt, Wein, Bier und Co. etwas über die Stränge geschlagen. Eine Mischung aus momentaner Trinkunlust und schlechtem Gewissen kann dazu veranlassen, Alkohol mal eine Weile zu meiden – zumindest im Januar. Laut Dr. Michael Feld, Allgemeinmediziner aus Köln, ist das durchaus empfehlenswert. Und nicht nur jetzt, nach den Feiertagen.
Weniger Alkohol zu trinken oder komplett auf ihn zu verzichten – sind nicht nur beides gute Vorsätze für das neue Jahr. Das Ziel hinter diesem Aufruf ist es eigentlich, die Menschen dazu zu animieren, über ihren Alkoholkonsum nachzudenken. Erfolgt dieser nämlich exzessiv oder ohne Pausen, kann er sich in Form von unterschiedlichen Erkrankungen oder negativen Einflüssen auf die Gesundheit äußern. Beim „Dry January“ verzichten die Menschen also vom Neujahrstag bis zum 31. Januar auf sämtlichen Alkohol, damit sich die Leber erholen und den Alkohol abbauen kann.
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Ursprung des „Dry January“ – warum die Idee aus Großbritannien kommt
Seinen Ursprung hat der Aufruf zum alkoholfreien Monat in Großbritannien. Genauer gesagt war eine britische Wohltätigkeitsorganisation im Jahr 2014 für die Durchführung verantwortlich. Grund dafür war, dass dort Alkohol als die häufigste Todesursache von Menschen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren identifiziert wurde.1 Laut der Weltgesundheitsorganisation starben 2019 weltweit 2,6 Millionen Menschen an Alkoholkonsum – rund 2 Millionen davon sind Männer.2
Warum regelmäßige Alkoholpausen medizinisch sinnvoll sind
„Alkohol ist ein Zellgift, das insbesondere die Leber und das Gehirn angreifen kann“, erklärt Dr. Feld FITBOOK. Vor allem bei Menschen mit Vorerkrankungen – etwa einer geschädigten Leber, Störungen des Zentralnervensystems oder der Psyche – könne er in großen Mengen ernsthafte Probleme verursachen. „Auch bei Gesunden wird die Leber durch Alkoholkonsum belastet“, räumt er ein. Bei ihnen erhole sich das Organ aber wieder. Voraussetzung: Man gibt der Leber Zeit zum Regenerieren.
Wie viel Alkohol gilt noch als vertretbar?
Auch Uwe Knop, Diplom-Ökotrophologe aus Eschborn, empfiehlt regelmäßige Trinkpausen – und zwar nicht nur im Januar, sondern das gesamte Jahr über. Mindestens zwei bis drei Tage pro Woche sollten aus seiner Sicht alkoholfrei bleiben. „Alkohol dient weder der primären Ernährung, noch löscht er den Durst. Es handelt sich dabei um eine legale Droge: eine psychotrope Substanz, die der Mensch konsumiert, weil er eine berauschende Wirkung spüren möchte.“
Die Empfehlung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen: Frauen sollten täglich nicht mehr als ca. 0,3 Liter Bier oder 0,1 Liter Wein bzw. Sekt oder ca. 4 Zentiliter einer Spirituose trinken. Männer vertragen im Schnitt etwas mehr, sollten jedoch pro Tag nicht mehr als ca. 0,6 Liter Bier oder 0,2 Liter Wein/Sekt oder ca. 8 Zentiliter einer Spirituose trinken.3
Wer es gerne übertreibt, sei gewarnt: Werden die absoluten Obergrenzen häufig überschritten, kann das ernsthafte Folgen nach sich ziehen. Diese liegen laut Allgemeinarzt Feld für Frauen bei 40 Gramm Alkohol pro Tag, also zwei 0,2-Liter-Gläsern Wein, bei Männern bei 60 Gramm und entsprechend einer ganzen Flasche. Auf Dauer drohen Leberzirrhose und -krebs, Veränderungen im Hirn wie Verhaltensstörungen, Aggressivität und das sogenannte Korsakoff-Syndrom, „quasi eine spezielle, schwere Demenzform, die durch Alkoholmissbrauch entsteht“, so der Experte.
Der Effekt von nur einem alkoholischen Getränk auf den Blutdruck
Alkoholkonsum erhöht das Gichtrisiko – besonders bei Männern
So lange sollte die „Fastenzeit“ dauern
Knop findet den ambitionierten Vorsatz, einen Monat lang abstinent zu sein, alles andere als verkehrt. „Der temporäre Alkoholverzicht schärft das Bewusstsein für den eigenen bisherigen Konsum. Man reflektiert, was, wann, wie oft, wie viel und warum man normalerweise trinkt.“ Noch bedeutender wirke sich das Nichttrinken bei Vorbelasteten aus – körperlich. „Fachärzte gehen davon aus, dass sich innerhalb von zwei Monaten ohne Alkohol Schäden, wie beispielsweise eine alkoholbedingte Fettleber, zurückbilden können“, so der Wissenschaftler.
Studie mit 800 „Dry January“-Teilnehmern
In einer Studie der University of Sussex wurden 800 Menschen befragt, die im Jahr 2018 am „Dry January“ teilnahmen.4 Die Ergebnisse zeigten, dass der Alkoholkonsum bei den befragten Menschen auch im August verringert war und sich allgemein ein besseres Verständnis für den individuellen Konsum entwickelt hatte. Allerdings handelt es sich bei der Studie um drei Online-Umfragen, die nach eigenen Angaben von den Befragten ausgefüllt werden konnten. Für konkretere Aussagen bezüglich der langfristigen Wirkungen des „Dry Januarys“ müssen noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden.