18. September 2026, 10:24 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer zum Arzt geht, möchte Antworten auf seine gesundheitlichen Fragen bekommen. Doch genau daran hapert es offenbar häufig: Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass viele Patientinnen und Patienten das Sprechzimmer verlassen, obwohl wichtige Punkte ungeklärt bleiben. Besonders überraschend ist, welche Altersgruppe davon am stärksten betroffen ist.
Umfrage zur Patientenzufriedenheit in Arztpraxen
Anlässlich des Welttags der Patientensicherheit am 17. September hat der digitale Gesundheitsbegleiter „Doctolib“ mehr als 3100 Menschen befragt. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach Mitbestimmung und der Realität im Praxisalltag. Zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) halten es für wichtig, bei medizinischen Entscheidungen mitzureden. Dennoch verlässt fast jede dritte Person (29 Prozent) die Arztpraxis mit mindestens einer ungeklärten Frage. Mehr als ein Fünftel (22 Prozent) hat einer Behandlungsempfehlung zugestimmt, obwohl noch Zweifel oder offene Punkte bestanden. So geht es aus einer Pressemitteilung zur Umfrage hervor.
Junge Erwachsene sind besonders häufig betroffen
Vor allem Menschen zwischen 25 und 34 Jahren gehen häufig unzufrieden aus dem Arztgespräch. Obwohl sie sich intensiv vorbereiten, bleiben viele Fragen unbeantwortet. Rund ein Drittel dieser Altersgruppe nutzt vor dem Termin KI-Anwendungen, ähnlich viele recherchieren im Internet. Dennoch geben 43 Prozent an, nach dem Termin noch offene Fragen zu haben. Bei den über 55-Jährigen sind es dagegen 24 Prozent.
Auch bei medizinischen Entscheidungen unterscheiden sich die Erfahrungen deutlich. Während 26 Prozent der 25- bis 34-Jährigen berichten, dass die Ärztin oder der Arzt die Entscheidung allein getroffen und lediglich das Ergebnis mitgeteilt habe, trifft dies bei den über 55-Jährigen nur auf 10 Prozent zu. Eine gemeinsame Entscheidungsfindung erlebten 41 Prozent der jüngeren Befragten. Bei den über 55-Jährigen lag dieser Anteil bei 60 Prozent.
Hinzu kommt, dass sich fast 20 Prozent der jungen Erwachsenen unwohl fühlen, während des Gesprächs nachzufragen. 27 Prozent sorgen sich zudem, nicht ernst genommen zu werden.
„Wer sich vorab gut informiert, ist im Behandlungszimmer nicht automatisch besser in die Entscheidung eingebunden. Gerade junge Menschen recherchieren intensiv, sprechen ihre Fragen und Unsicherheiten aber trotzdem häufig nicht an. Deshalb braucht es eine Gesprächskultur, in der Patientinnen und Patienten ausdrücklich eingeladen werden, ihre Anliegen, Bedenken und auch ihre eigene Recherche einzubringen. Gemeinsame Entscheidungen entstehen nicht allein durch verlässliche Informationen, sondern vor allem durch ein Gespräch auf Augenhöhe“, sagt Prof. Dr. Friedemann Geiger, Leiter des Nationalen Kompetenzzentrums in Kiel und Professor für Shared Decision Making und patientenzentrierte Transformation an der MSH Medical School Hamburg.
Viele verschweigen ihre Recherche im Internet oder mit KI
Die Umfrage bestätigt den Eindruck der Expertin: Viele Menschen sprechen die Informationen, die sie vorab gesammelt haben, im Arztgespräch gar nicht an. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) derjenigen, die online oder mithilfe von KI recherchiert haben, erwähnt dies gegenüber der behandelnden Fachkraft nicht.
Als häufigsten Grund nennen 27 Prozent der Befragten die Sorge, besserwisserisch zu wirken. Weitere 21 Prozent sind unsicher, ob die gefundenen Informationen überhaupt zuverlässig sind. Besonders auffällig ist dies bei KI-Anwendungen: Insgesamt haben 17 Prozent der Befragten vor dem Arzttermin ein KI-Tool genutzt. Nur jede zehnte Person spricht diese Recherche jedoch im Gespräch an.
„Genau hier setzen wir als digitaler Gesundheitsbegleiter an: Wir möchten Menschen nicht nur informieren, sondern ihnen den Mut und die Werkzeuge geben, sich aktiv mit ihrer Gesundheit zu beschäftigen und ihre Fragen selbstbewusst ins Gespräch einzubringen. Mit unseren digitalen Lösungen und KI schaffen wir zugleich Freiräume für Praxisteams, damit in der Sprechstunde genau der Raum für einen echten Dialog auf Augenhöhe entsteht.“, sagt Dr. med. Katharina Schweidtmann, medizinische Expertin bei „Doctolib“.
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Frauen halten Fragen häufiger zurück
Zwischen den Geschlechtern zeigen sich ebenfalls Unterschiede. So verlassen 33 Prozent der befragten Frauen die Praxis mit offenen Fragen, während dies bei Männern auf 20 Prozent zutrifft. Auch die Sorge, mit den eigenen Anliegen nicht ernst genommen zu werden, ist bei Frauen stärker ausgeprägt. 24 Prozent geben an, deshalb Fragen zurückgehalten zu haben. Bei Männern liegt dieser Anteil bei 10 Prozent.
Was sich Patienten im Arztgespräch wünschen
Viele Befragte sehen bereits in kleinen Veränderungen großes Potenzial. So wünschen sich 41 Prozent, dass Ärztinnen und Ärzte am Ende des Gesprächs aktiv nachfragen, ob noch offene Fragen bestehen. Bei den 25- bis 34-Jährigen liegt dieser Wunsch sogar bei mehr als 50 Prozent.
Darüber hinaus wünschen sich 28 Prozent der Befragten mehr Zeit für das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt.