15. August 2026, 8:03 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Aus gesundheitlicher Sicht erscheint es sinnvoll, den Aufzug links liegen zu lassen und stattdessen die Treppen zu nehmen – logisch, dadurch ergattert man im Alltag noch ein wenig zusätzliche Bewegung und tut etwas für seine Fitness. Einer kürzlich veröffentlichten Studie zufolge könnten die positiven Effekte sogar darüber hinausgehen: Demnach ist regelmäßiges Treppensteigen mit einem geringeren Risiko für tödliche kardiovaskuläre Ereignisse und allgemeine Sterblichkeit verbunden. Doch damit ist nicht alles gesagt.
Es gibt nicht ohne Grund im Fitnessstudio einen Stairmaster: Treppensteigen – ob nun im Gym oder auch im Freien – kann durchaus zum schweißtreibenden Workout werden. Es fordert verschiedene Muskelgruppen gleichzeitig und regt den gesamten Kreislauf an.
Wobei man auch die Kehrseite einräumen sollte. Wie FITBOOK in diesem Beitrag näher erklärt, liegt beim Treppensteigen eine enorme Belastung auf der Kniescheibe. Insbesondere bei Menschen mit Übergewicht kann das problematisch werden und auch, wenn bereits Fehlstellungen, Asymmetrien oder andere Vorschädigungen vorliegen. Doch was überwiegt unterm Strich: die Belastung für die Gelenke oder der gesundheitliche Nutzen? Eine neue Studie des Norfolk and Norwich University Hospital und der University of East Anglia in Norwich liefert darauf nun interessante Antworten.1
Was Treppensteigen für das Herz bedeuten könnte
Grundlage der Untersuchung war ein bekanntes Problem: Viele Menschen bewegen sich im Alltag zu wenig – nicht selten, weil es ihnen schwerfällt, regelmäßig Zeit für gezieltes Training einzuplanen. Dabei gilt Bewegungsmangel als wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Treppensteigen ist eine „praktische und oft übersehene Möglichkeit, körperliche Aktivität in den Alltag zu integrieren“, erklären die Wissenschaftler in einer Pressemitteilung zu ihrer Arbeit.2 Das Team um Forschungsleiterin Sophie Paddock wollte deshalb wissen, ob sich ein Teil der täglichen Bewegung auch über etwas so Niedrigschwelliges wie Treppensteigen erreichen lässt. Konkret ging es darum, herauszufinden, ob mit regelmäßigem Treppensteigen ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Todesfälle einhergeht.
So wurde die Studie durchgeführt
Die Forscher haben keine eigenen Probanden rekrutiert oder Interventionen durchgeführt. Stattdessen führten sie eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse durch, bei der sie bereits vorhandene wissenschaftliche Studien zusammentrugen und statistisch auswerteten. Insgesamt flossen dabei Daten von 480.479 Menschen aus neun bestehenden Studien ein. Für die Untersuchung der kardiovaskulären Sterblichkeit wurden die Daten von 455.619 Personen aus fünf dieser Studien zusammengeführt.
Die Probanden waren zwischen 35 und 84 Jahre alt, wobei der Frauenanteil bei 53 Prozent lag. Es waren sowohl gesunde Menschen unter ihnen als auch Personen mit einer Vorgeschichte von Herzproblemen. Die Beobachtungsdauer lag im Median bei 14 Jahren. Einzelne Studien konnten dabei relativ klein sein oder zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
39 Prozent geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Tod
Die Ergebnisse fielen deutlich aus: Wer regelmäßig Treppen stieg, hatte ein um 39 Prozent geringeres Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Ein ähnliches Bild bei der Gesamtsterblichkeit: Das Risiko, aus irgendeinem Grund zu sterben, lag bei den Treppensteigern um rund 24 Prozent niedriger.
Neben der Sterblichkeit untersuchten die Forscher auch einen möglichen Zusammenhang zwischen Treppensteigen und dem Auftreten bestimmter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die nicht unbedingt zum Tod führten; dazu zählten Herzinfarkt, ischämischer Schlaganfall und Herzinsuffizienz. Hier deckten sie ebenso einen Zusammenhang zugunsten der Treppensteiger auf. Allerdings liefert die Studie an dieser Stelle keine so konkrete Risikozahl wie bei der Sterblichkeit.
Was genau hinter den Effekten stecken könnte, haben die Forscher nicht untersucht. Naheliegend ist, dass die intensive Belastung beim Treppensteigen die Ausdauer und Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems fördert. Zudem werden beim Aufsteigen große Muskelgruppen beansprucht. Frühere Untersuchungen zeigen, dass regelmäßiges Treppensteigen unter anderem die kardiorespiratorische Fitness verbessern und den Cholesterinspiegel günstig beeinflussen kann.3
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Mögliche Bedeutung der Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigten einen konsistenten Zusammenhang zwischen Treppensteigen und einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Tod und Sterblichkeit insgesamt. Allerdings lässt sich daraus nicht ableiten, wie viel Treppensteigen für einen gesundheitlichen Effekt notwendig ist. Eine der einbezogenen Studien deutete darauf hin, dass das Erklimmen von etwa sechs Etagen (Stockwerken) pro Tag den größten gesundheitlichen Nutzen bringen könnte. Die Forscher betonen jedoch, dass die optimale „Dosis“ noch genauer untersucht werden muss. Auf Grundlage ihrer Ergebnisse gehen sie dennoch davon aus, dass bereits kurze Bewegungseinheiten einen messbaren gesundheitlichen Nutzen haben können.
Das bedeutet nicht, „je mehr Treppen, desto besser“. Wie bereits erwähnt, kann die Belastung insbesondere für Menschen mit Vorerkrankungen oder Übergewicht problematisch sein. Auch die Autoren betonen, dass Treppensteigen nicht für jeden geeignet ist – beispielsweise bei eingeschränkter Mobilität oder Gelenkerkrankungen.
Einordnung der Studie
Die Forscher sprechen von einer Assoziation, also einem statistischen Zusammenhang. Denn es lässt sich aus den Beobachtungen nicht automatisch ableiten, dass das Treppensteigen selbst die Ursache für die geringere Sterblichkeit ist.
Die Ergebnisse sollten insgesamt mit Vorsicht interpretiert werden. Zu den Einschränkungen der Studie zählt, dass ein Teil der zugrunde liegenden Untersuchungen lediglich beobachtete, wie sich Treppensteigen und der Gesundheitszustand der Teilnehmer zueinander verhielten. Die Teilnehmer, die regelmäßig Treppen stiegen, könnten beispielsweise insgesamt körperlich aktiver gewesen sein oder in anderer Hinsicht einen gesundheitsbewussteren Lebensstil gepflegt haben. Solche sogenannten Confounder (Störfaktoren) können das Ergebnis beeinflusst haben.
Hinzu kommt, dass das Treppensteigen in den Studien nicht einheitlich erfasst wurde. Auch die untersuchten Personengruppen und die jeweiligen Studiendesigns unterschieden sich, was den direkten Vergleich der Ergebnisse erschwert. Die Meta-Analyse kann diese Unterschiede zwar statistisch berücksichtigen, aber nicht vollständig ausräumen.