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Gibt es einen Zusammenhang zwischen Kaffee und Thrombose-Risiko?

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Eine norwegische Studie deutet darauf hin, dass moderater Kaffeekonsum mit einem geringeren Risiko für erneute Thrombosen verbunden sein könnte Foto: Getty Images/Guido Mieth
Isa Kabakci
Redakteur

16. Oktober 2026, 10:01 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

In Deutschland erleiden etwa 100.000 Menschen pro Jahr eine Venenthrombose, mehr als 900.000 leiden an den Folgen einer Thrombose.1 Wer bereits eine Thrombose oder sogar eine daraus folgende Lungenembolie hatte, muss mit einem erneuten Blutgerinnsel rechnen. Neben Medikamenten könnten auch Lebensgewohnheiten eine Rolle für das Rückfallrisiko spielen. Norwegische Forscher haben deshalb untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und wiederkehrenden Thrombosen gibt – mit interessanten Erkenntnissen.

Kaffeekonsum mit geringerem Thromboserisiko verbunden

Ein moderater Kaffeekonsum war in der norwegischen Studie mit einem geringeren Risiko für eine erneute venöse Thromboembolie verbunden. Teilnehmer, die täglich ein bis zwei Tassen Kaffee tranken, hatten ein etwa 50 Prozent geringeres errechnetes Rückfallrisiko als Personen, die vollständig auf Kaffee verzichteten. Ob Kaffee selbst für diesen Unterschied verantwortlich war, lässt sich aus der Beobachtungsstudie allerdings nicht ableiten.

Wie die Studie durchgeführt wurde

Eine venöse Thromboembolie (VTE) entsteht, wenn ein Blutgerinnsel eine Vene verschließt. Dazu zählen tiefe Venenthrombosen, meist in den Beinen, und Lungenembolien. Bei Letzteren gelangt ein Blutgerinnsel über den Blutkreislauf in die Lunge und verschließt dort ein Gefäß. Nach Angaben der Studienautoren erleidet langfristig etwa ein Drittel der Betroffenen innerhalb von zehn Jahren eine weitere Thromboembolie. Gerinnungshemmer senken das Rückfallrisiko, erhöhen bei längerer Einnahme jedoch die Gefahr schwerer Blutungen. Forscher suchen deshalb nach weiteren Einflussfaktoren.

Frühere Studien deuteten bereits darauf hin, dass Kaffeetrinker seltener erstmals eine VTE erleiden. Ob Kaffee auch das Rückfallrisiko beeinflusst, war bislang unklar. Dazu analysierten norwegische Forscher Daten von 2071 Menschen aus zwei großen norwegischen Bevölkerungsstudien, die erstmals eine Thrombose oder Lungenembolie erlitten hatten. Ihren Kaffeekonsum hatten sie zuvor per Fragebogen angegeben. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Fachjournal „Research and Practice in Thrombosis and Haemostasis“.2

Die Forscher unterschieden fünf Gruppen – von Kaffeeverzicht bis zu mehr als sechs Tassen täglich – und erfassten erneute Thrombosen und Lungenembolien. Die Hälfte der Teilnehmer wurde länger als 2,8 Jahre beobachtet, die andere Hälfte kürzer. Berücksichtigt wurden unter anderem Alter, Geschlecht, Körpergewicht, Rauchen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Zusammenhang hängt von der Ursache der Thrombose ab

Während der Nachbeobachtungszeit erlitten 310 der insgesamt 2071 Teilnehmer eine erneute Thromboembolie. Zwar zeigte sich bei moderatem Kaffeekonsum von ein bis zwei Tassen das geringste Rückfallrisiko, höhere Kaffeemengen führten jedoch nicht zu einer noch stärkeren Risikominderung. In der Gesamtauswertung erreichten Mengen von mehr als zwei Tassen täglich keine statistische Eindeutigkeit mehr, während sie bei provizierten Thrombosen weiterhin mit einem deutlich geringeren Risiko verbunden waren.

Eine weitere Auswertung zeigte, dass offenbar auch die Ursache der ersten Thromboembolie eine Rolle spielte. Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang bei Patienten, deren erste Thromboembolie im Zusammenhang mit bekannten Risikofaktoren wie einer Operation oder längerer Bewegungseinschränkung aufgetreten war. Bei ihnen war das statistisch ermittelte Rückfallrisiko bei einem Konsum von ein bis zwei Tassen täglich um etwa zwei Drittel niedriger als bei Personen, die keinen Kaffee tranken.

War die erste Thromboembolie dagegen ohne erkennbaren Auslöser aufgetreten, fanden die Forscher keinen entsprechenden Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Rückfallrisiko.

Als mögliche Erklärung für diesen Unterschied nennen die Wissenschaftler, dass vorübergehende Auslöser wie eine Operation nach der Genesung wegfallen. Das verbleibende Grundrisiko ist dann niedriger, sodass die milde gerinnungshemmende Wirkung von Kaffee ausreichen könnte. Bei unprovozierten Thrombosen bestehen dagegen oft dauerhafte Risikofaktoren fort. Laborstudien zeigen zudem, dass Inhaltsstoffe des Kaffees die Verklumpung von Blutplättchen hemmen und bestimmte Gerinnungsfaktoren senken können.

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Einordnung der Studie

Zu den Stärken der Studie zählen die sorgfältige Überprüfung der Thrombosen und Lungenembolien sowie die Erfassung des Kaffeekonsums bereits vor der ersten Erkrankung. Allerdings kann die Beobachtungsstudie nicht nachweisen, dass Kaffee selbst das Rückfallrisiko senkt. Andere Lebensstil- oder Gesundheitsfaktoren könnten die Ergebnisse beeinflusst haben. Zudem blieb unklar, ob die Teilnehmer ihre Trinkgewohnheiten nach der ersten Thromboembolie änderten und wie lange sie gerinnungshemmende Medikamente einnahmen.

Einschränkend weisen die Autoren auch darauf hin, dass die Ergebnisse an einer norwegischen, fast ausschließlich weißen Bevölkerung erhoben wurden und sich nicht ohne Weiteres auf andere ethnische Gruppen übertragen lassen. Um den Einfluss der Medikamenteneinnahme zu überprüfen, rechneten die Forscher zudem eine Zusatzanalyse mit späterem Beobachtungsstart nach Ablauf der üblichen Akuttherapie – das Ergebnis blieb dabei im Wesentlichen unverändert.

Die Forscher betonen deshalb, dass weitere Studien notwendig sind, um die Ergebnisse zu bestätigen. Eine Empfehlung, gezielt Kaffee zur Vorbeugung erneuter Thrombosen zu trinken, lässt sich daraus nicht ableiten. Kaffee ersetzt auch keine gerinnungshemmende Behandlung.

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Was frühere Studien zeigten

Schon frühere Untersuchungen derselben norwegischen Forschungsgruppe deuteten auf einen Zusammenhang zwischen Kaffee und Thrombosen hin. In einer 2025 veröffentlichten Studie mit Daten von mehr als 112.000 Teilnehmern hatten Menschen, die täglich ein bis zwei Tassen Kaffee tranken, ein geringeres Risiko, erstmals eine Thromboembolie zu erleiden.3 Besonders deutlich zeigte sich das bei Lungenembolien: Hier lag das statistisch ermittelte Risiko um etwa 28 Prozent niedriger als bei Personen ohne Kaffeekonsum. Auch in dieser Untersuchung stieg der mögliche Nutzen mit größeren Kaffeemengen nicht weiter an. Eine niederländische Studie lieferte zudem einen möglichen Erklärungsansatz. Kaffeetrinker wiesen darin niedrigere Werte bestimmter Gerinnungsfaktoren im Blut auf.4

Andere Daten mahnen jedoch zur Vorsicht. Eine Auswertung mit Daten aus der britischen UK Biobank und der finnischen FinnGen-Studie nutzte genetische Merkmale, die mit dem Kaffeekonsum zusammenhängen.5 Solche Analysen sollen besser zeigen, ob ein Faktor tatsächlich ursächlich wirkt. Die Forscher fanden keinen Hinweis darauf, dass Kaffee das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einschließlich Thrombosen senkt. Sie halten es daher für möglich, dass die Ergebnisse früherer Beobachtungsstudien durch andere Faktoren verzerrt waren.

Quellen

  1. Infozentrum für Prävention und Früherkennung (IPF). Wenn das Blut gerinnt (aufgerufen am 15.10.2026) ↩︎
  2. Olsen M., Brækkan S., Hveem K. et al. (2026). Association between coffee consumption and risk of recurrent venous thromboembolism – Results from the Trøndelag Health Study and Tromsø Study. Research and Practice in Thrombosis and Haemostasis ↩︎
  3. Olsen, M. M., Brækkan, S. K., Hveem, K., Grønning, K., & Hansen, J. B. (2025). Repeated measures of coffee consumption and risk of future incident venous thromboembolism-the Trøndelag Health Study and the Tromsø study. Research and practice in thrombosis and haemostasis, 9(6), 103019. ↩︎
  4. Roach, R. E., Siegerink, B., le Cessie, S., Rosendaal, F. R., Cannegieter, S. C., & Lijfering, W. M. (2012). Coffee consumption is associated with a reduced risk of venous thrombosis that is mediated through hemostatic factor levels. Journal of thrombosis and haemostasis : JTH, 10(12), 2519–2525. ↩︎
  5. Yuan, S., Carter, P., Mason, A. M., Burgess, S., & Larsson, S. C. (2021). Coffee Consumption and Cardiovascular Diseases: A Mendelian Randomization Study. Nutrients, 13(7), 2218. ↩︎

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