9. Juni 2026, 20:51 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Die Thrombose zählt zu den Erkrankungen, die oft erst spät erkannt werden. Gerade das macht sie zu einem wichtigen Gesundheitsthema. Besonders häufig tritt die sogenannte tiefe Venenthrombose auf, bei der sich ein Blutgerinnsel in einer Vene bildet. In Deutschland sind davon jedes Jahr etwa einer von 1000 Erwachsenen betroffen. FITBOOK geht im Folgenden näher auf die Erkrankung ein.
So gefährlich kann eine Thrombose werden
Eine Thrombose kann grundsätzlich in Venen (Gefäße zum Herzen) oder Arterien (Gefäße vom Herzen) entstehen, wobei der Anteil an venösen Thrombosen doch deutlich höher ist. Man unterscheidet zwischen oberflächlicher und tiefer Venenthrombose. Die tiefe Form betrifft meist die Beinvenen, seltener auch Becken- oder Armvenen.
Eine Thrombose (oder auch Blutgerinnsel genannt) kann sich jedoch auch in Arterien bilden. In diesem Fall spricht man von einer arteriellen Thrombose. Besonders gefährlich ist das etwa in den Herzkranzgefäßen,da es hier zu einem Herzinfarkt führen kann, oder in den hirnzuführenden Gefäßen, da hier ein Gefäßverschluss einen Schlaganfall auslösen kann.1
Gefährlich wird eine Thrombose vor allem dann, wenn sich ein Teil des Blutgerinnsels löst und über das Herz in die Lunge gelangt. Dort kann es ein Gefäß verstopfen und eine lebensbedrohliche Lungenembolie auslösen. Deshalb sollte man auch zunächst unscheinbare Anzeichen ernst nehmen.
Typische Thrombose-Anzeichen
Eine tiefe Venenthrombose macht sich nicht immer eindeutig bemerkbar. Manche Betroffene spüren zunächst nur leichte Beschwerden, bei anderen bleiben die Anzeichen ganz aus. Genau das macht die Erkrankung so tückisch: Oft fällt sie erst auf, wenn es schon zu einer Komplikation kommt. Es gibt nicht das eine spezifische Symptom, sondern eine Vielzahl von möglichen Warnsignalen:2
- plötzlich auftretende Schwellung
- Spannungs- oder Schweregefühl
- Schmerzen
- bläuliche Verfärbung der Haut
- ungewöhnliches Wärmegefühl
- sichtbar hervortretende Venen
Ein verhärteter und druckempfindlicher Strang unter der Haut kann auf eine oberflächliche Venenthrombose hindeuten. Diese liegt direkt unter der Haut und geht meist mit einer Entzündung des Gefäßes einher. Zwar ist die weniger gefährlich als eine tiefe Thrombose, unterschätzt werden sollte sie aber nicht: Das Gerinnsel kann sich nämlich auf das tiefliegende Venensystem ausbreiten.
Besonders ernst zu nehmen sind Beschwerden wie Atemnot, plötzliche Brustschmerzen oder ein ungewohnt schneller Puls. Sie können auf ein fortgeschrittenes Krankheitsbild und damit bereits auf eine Lungenembolie hindeuten.
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So wird eine Thrombose diagnostiziert
Ob eine Thrombose vorliegt oder ausgeschlossen werden kann, lässt sich in der Regel zuverlässig mit einer Ultraschalluntersuchung feststellen. Standardverfahren ist dabei die sogenannte Kompressionssonografie. Dabei drückt der behandelnde Phlebologe den Schallkopf des Ultraschallgeräts auf die betroffenen Venen. Gesunde, frei durchgängige Venen lassen sich vollständig zusammendrücken. Befindet sich jedoch ein Blutgerinnsel im Gefäß, ist die Vene gar nicht oder nur eingeschränkt komprimierbar.
Ergänzend kommt häufig die farbkodierte Duplex-Sonografie zum Einsatz. Sie macht den Blutfluss in den Venen sichtbar und zeigt mögliche Engstellen. Nur in Ausnahmefällen kommen weitere bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) infrage – etwa wenn die genaue Ausdehnung einer Thrombose im Beckenbereich bestimmt werden soll.3
So werden Thrombosen behandelt
Bei einer akuten Thrombose steht zunächst die schnelle Verhinderung eines weiteren Wachstums des Blutgerinnsels im Vordergrund. Betroffene erhalten dafür ein gerinnungshemmendes Medikament, das unter die Haut gespritzt wird. Es sorgt dafür, dass das Gerinnsel nicht weiterwächst, und senkt so das Risiko einer Lungenembolie. Gleichzeitig verbessert ein früher Therapiebeginn die Chance, dass der Körper den Thrombus selbst abbaut. So lassen sich auch bleibende Venenschäden und Folgeerkrankungen oft vermeiden.
Nach gesicherter Diagnose und initialer Therapie kommen Blutverdünner als Erhaltungstherapie zum Einsatz, um das weitere Wachstum des Gerinnsels zu verhindern und das Risiko einer erneuten Thrombose zu reduzieren. Diese meist mit Tabletten verabreichte Therapie muss meist über mehrere Monate weitergeführt werden. Zusätzlich zu der Blutverdünnung ist aber auch eine Kompressionstherapie der betroffenen Extremität von Bedeutung. Sie lindert Schmerzen und Schwellungen im Akutstadium und unterstützt den Blutfluss in den Venen.
In seltenen Fällen kann das Gerinnsel in den ersten Stunden gezielt aufgelöst werden (Thrombolyse). Dieses Verfahren kommt jedoch nur in Ausnahmefällen infrage. Auch eine operative Entfernung wird nur in besonderen Fällen erwogen.
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Welche Risiken eine Rolle spielen
Das Risiko für eine Thrombose ist nicht bei allen Menschen gleich hoch. Verschiedene Umstände können die Entstehung eines Blutgerinnsels begünstigen. Ein erhöhtes Thromboserisiko haben Menschen:
- bei eingeschränkter Mobilität durch Bettlägerigkeit oder lange Reisen
- nach Operationen
- bei Übergewicht
- beim Rauchen
- bei Krebserkrankungen oder während einer Krebstherapie
- bei angeborenen oder erworbenen Gerinnungsstörungen
- bei hormonellen Veränderungen durch Schwangerschaft, Einnahme hormoneller Verhütungsmittel oder Hormonersatztherapie
- bei Entzündungen
- bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- nach bereits früher aufgetretenen Thrombosen
- mit steigendem Alter (ab etwa 40 Jahren)4
Thrombose vorbeugen
Ein gesunder Lebensstil spielt eine zentrale Rolle bei der Vorbeugung einer Thrombose. Besonders wichtig ist regelmäßige Bewegung, da sie die Durchblutung fördert und die Venen aktiv hält. Schon kleine Veränderungen im Alltag können helfen: Treppensteigen statt Aufzug, kurze Spaziergänge statt Autofahrten oder das Fahrrad statt Bus und Bahn. Auch Sportarten wie Wandern, Radfahren, Schwimmen oder Walking verbessern die Venengesundheit und halten die Muskulatur aktiv. Bei längeren Reisen empfehlen Fachleute zusätzlich Kompressionsstrümpfe oder sogar die kurzfristige Gabe eines Blutverdünners (z.B. Heparin unter die Haut gespritzt).
Auch die richtige Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr unterstützen die Gefäßgesundheit. Eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sowie pflanzlichen Fetten kann sich positiv auswirken. Mindestens genauso wichtig ist aber ausreichendes Trinken. Rund zwei Liter Flüssigkeit täglich helfen, das Blut dünnflüssig zu halten.
Unnötige Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht sollten vermieden werden. Besonders achtsam sollten Menschen sein, die bereits einmal eine Thrombose hatten. Bei ihnen ist das Risiko für eine erneute Erkrankung erhöht.