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Täglicher Kaffee senkt offenbar Rückfallrisiko bei Vorhofflimmern

Kaffe senkt Rückfallrisiko bei Vorhofflimmern
Nun deutet sich an, dass Kaffee nicht nur Stoffwechsel und Lebensdauer positiv beeinflussen könnte – sondern auch eine schützende Wirkung bei Herzrhythmusstörungen entfaltet Foto: Getty Images
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Anna Echtermeyer
Redakteurin

11. November 2025, 13:01 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Wer gewohnheitsmäßig liebend gerne Kaffee trinkt, schreckt möglicherweise davor zurück, wenn der normale Herzrhythmus einmal aus dem Takt geraten ist. Der naheliegende Gedanke, dass Koffein als Stimulans abnormal schnelle Herzrhythmen verursachen kann, sitzt bei vielen tief. Erstmals wurde nun in einer klinischen Studie die Wirkung von Kaffee bei Patienten mit Vorhofflimmern untersucht. Das Ergebnis überrascht – und könnte für Millionen Betroffene bedeutsam sein.

Kaffeekonsum senkt offenbar Rückfallrisiko für Vorhofflimmern um ein Drittel

Ein internationales Forscherteam hat in einer klinischen Studie mit 200 Patienten herausgefunden, dass der tägliche Konsum von koffeinhaltigem Kaffee das Risiko für einen Rückfall von Vorhofflimmern um 39 Prozent senken kann. An der Studie nahmen ausschließlich Patienten teil, die an Vorhofflimmern litten. Bei jenen, die in den letzten fünf Jahren und weiterhin mindestens eine Tasse Kaffee pro Tag tranken, traten deutlich seltener erneute Herzrhythmusstörungen auf als bei Personen, die vollständig auf Kaffee verzichteten. Die Studie unter der Leitung von Forschern der University of California, San Francisco, der University of Adelaide (Australien) und der University of Toronto wurde im „Journal of the American Medical Association“ veröffentlicht.1

Auch interessant: Wer zu dieser Tageszeit Kaffee trinkt, erhöht seine Langlebigkeit

Hauptziel der Studie: Wann oder ob das Herz wieder aus dem Takt gerät – und ob Kaffee schützt

Die Studie lief zwischen November 2021 und Juni 2025. Die Probanden, die entweder Kaffeekonsumenten waren oder Abstinenzler des schwarzen Gebräus, stammten aus fünf Kliniken in den USA, Kanada und Australien. Alle waren wegen persistierendem Vorhofflimmern oder Vorhofflattern in Behandlung und bei allen war anschließend der normale Herzrhythmus wiederhergestellt worden. Die Forscher wollten wissen, wie lange es dauert, bis die Probanden wieder Vorhofflimmern oder -flattern bekommen. Es zählte dann, wenn das unregelmäßige Herzklopfen mindestens 30 Sekunden lang anhielt. Schützte der Kaffeekonsum vor erneutem Vorhofflimmern?

Schützende Wirkung vor erneuter Arrhythmie bei moderatem Kaffeekonsum (1 Tasse pro Tag)

Nach sechs Monaten zeigte sich: In der Kaffeekonsumenten-Gruppe bekamen 47 von 100 wieder Vorhofflimmern. In der Abstinenz-Gruppe waren es 64 von 100. Damit hatten die Kaffeetrinker ein 39 Prozent geringeres Risiko für Rückfälle. Beim Vorhofflattern allein war der Unterschied nicht sicher genug, um zu sagen, dass Kaffee hilft. Die Kaffeetrinker tranken im Schnitt etwa eine Tasse pro Tag.

Es gab keine signifikanten Unterschiede bei schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Krankenhausaufenthalten. Auch traten keine erhöhten Risiken durch den Kaffeekonsum auf.

Studienautoren: Kaffee als „vernünftige Option“ nach Vorhofflimmern

Obwohl konventionelle Weisheit häufig annimmt, dass das Risiko von Herzrhythmusstörungen steigert, deuten diese Ergebnisse auf das Gegenteil hin. „Koffeinhaltiger Kaffee kann – innerhalb typischer Verzehrmengen – in Patienten mit persistierendem Vorhofflimmern nach erfolgreicher Kardioversion als vernünftige Option erwogen werden“, schreiben die Studienautoren.

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Weitere Studien zu Kaffee und ihre überraschenden Ergebnisse

Die vergangenen Jahre haben einige überraschende Studien zu Kaffee hervorgebracht und damit reichlich Verwirrung in die Wirkung auf unseren Körper gebracht. Nachdem es lange hieß, Kaffee schädige das Herz oder entwässere den Körper, drehen die wissenschaftlichen Erkenntnisse seit einigen Jahren ab in gesundheitsfördernde Wirkung von regelmäßigem Kaffeegenuss. 2021 wurden zwei Studien veröffentlicht, die nahelegten, dass Kaffeetrinker länger leben als solche, die auf das schwarze Gebräu verzichten.2,3

Eine andere Studie zeigte, dass Kaffee kognitive Funktionen bei Vorhofflimmern-Patienten verbessert und Entzündungen reduziert.4 2016, 2018 und 2023 veröffentlichte Studien zeigen, dass regelmäßiger Kaffeegenuss beim Abnehmen helfen kann und sogar dafür sorgt, das Gewicht auch zu halten.5,6,7 Auch das Diabetesrisiko soll durch Kaffee günstig zu beeinflussen sein.8 Nicht zuletzt dürfte die Aussage, täglicher Kaffeekonsum senke das Risiko für Mund- und Rachenkrebs, Kaffeeliebhaber erfreut haben.9 Nun scheint Kaffee sogar Menschen mit Herzrhythmusstörungen im Schutz zu nehmen.

Bis zu 2 Mio. Menschen in Deutschland haben Vorhofflimmern

Die augenscheinlich protektive Wirkung von Kaffee könnte für Millionen Betroffene von Vorhofflimmern eine bedeutsame Nachricht sein. Denn viele Patienten mit Vorhofflimmern sind auch Kaffeetrinker – schon allein deshalb, weil Kaffee eines der meistkonsumierten Getränke der Welt ist. Und in Deutschland?

Laut aktuellen Zahlen des Deutschen Kaffeeverbands trinken in Deutschland 93 Prozent aller Erwachsenen Kaffee, durchschnittlich kommen wir hier auf 163 Liter Kaffee jährlich.10 Laut der Deutschen Herzstiftung haben schätzungsweise 1,5 bis 2 Millionen Menschen in Deutschland Vorhofflimmern.1 

Quellen

  1. Wong C. Cheung C., Montenegro G. et al. (2025): Caffeinated Coffee Consumption or Abstinence to Reduce Atrial Fibrillation. Journal of the American Medical Association. ↩︎
  2. Kim SA, Tan LJ, Shin S. (2021). Coffee Consumption and the Risk of All-Cause and Cause-Specific Mortality in the Korean Population. Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics. ↩︎
  3. ESC European Society of Cardiology. Light-to-moderate coffee drinking associated with health benefits(aufgerufen am ↩︎
  4. Barbagallo, M., et al. (2024). Coffee Consumption Correlates With Better Cognitive Performance in Patients With a High Incidence for Stroke. Journal of the American Heart Association. ↩︎
  5. Icken D., Feller S., Engeli S. et al. (2016): Caffeine intake is related to successful weight loss maintenance. European Journal of Clinical Nutrition. ↩︎
  6. Velickovic, K., Wayne, D., Leija, H.A.L. et al. (2019) Caffeine exposure induces browning features in adipose tissue in vitro and in vivo. Scientific Reports. ↩︎
  7. Henn, M., Glenn, A.J., Willett, W.C., et al. (2023). Changes in Coffee Intake, Added Sugar and Long-Term Weight Gain – Results from Three Large Prospective US Cohort Studies. American Journal of Clinical Nutrition. ↩︎
  8. Shi, L., Brunius, C., Johansson, I., et al. (2019). Plasma metabolite biomarkers of boiled and filtered coffee intake and their association with type 2 diabetes risk. Journal of Internal Medicine. ↩︎
  9. Nguyen T., Koric A., Chung C.E., et al. (2024). Coffee and tea consumption and the risk of head and neck cancer: An updated pooled analysis in the International Head and Neck Cancer Epidemiology Consortium. Cancer.  ↩︎
  10. Deutscher Kaffeeverband: Kaffeeland Deutschland: 20. „Tag des Kaffees“ – spannende Fakten zum Lieblingsgetränk. 29.09.2025, aufgerufen am 11.11.2025) ↩︎

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