15. August 2025, 11:10 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Auch ohne jemals einen Tennisschläger in der Hand gehalten zu haben, können Sie an einem Tennisarm erkranken. Ob Büroangestellter, Handwerker, Sportler oder Schüler – jeder ist gefährdet, wenn der Arm einseitig oder übermäßig belastet wird. Die Folge: stechende Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens. Kein seltenes Phänomen – rund zwei Prozent der Deutschen leiden daran.1 FITBOOK-Redakteur Michel Winges erklärt, was wirklich hinter dem sogenannten Tennisarm steckt und warum ausgerechnet Tennisspieler seltener betroffen sind, als der Name vermuten lässt.
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Was ist ein Tennisarm?
Der Begriff Tennisarm führt in die Irre, denn mit dem Sport hat die Erkrankung in den meisten Fällen nichts zu tun. Medizinisch wird die Erkrankung als „Epicondylitis humeri radialis“ bezeichnet. Bei ihr handelt es sich um eine Reizung am Sehnenansatz der Streckmuskulatur des Unterarms, noch genauer der Außenseite des Ellenbogens. Die Ursache liegt in wiederholten, einseitigen oder ungewohnten Belastungen. Bewegungen wie Greifen, Heben oder Drehen – häufig im Alltag und nicht auf dem Tennisplatz – können das Gewebe reizen. Ob stundenlanges Tippen am Computer, Schraubendrehen beim Heimwerken oder Umrühren während des Kochens: Wenn die Muskulatur nicht entsprechend trainiert ist, kann es schnell zur Überlastung kommen.
Die Ironie im Namen
Das Ironische hinter dem Begriff des Tennisarmes ist, dass ausgerechnet aktive Tennisspieler keine Probleme mit der Erkrankung haben. Aufgrund ihrer gut trainierten Unterarmmuskulatur sind sie in der Regel nicht anfällig dafür. Hingegen sind Neulinge, die vielleicht das erste Mal den Schläger schwingen, eher die Leidtragenden, da die Muskulatur nicht an den Bewegungsablauf gewöhnt ist.
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Symptome
Typisch für den Tennisarm sind stechende oder ziehende Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens. Die Beschwerden machen sich vor allem dann bemerkbar, wenn Kraft aufgebracht werden muss: beim Tragen, Zupacken, Heben oder sogar beim simplen Händedruck. Selbst alltägliche Tätigkeiten wie das Anheben einer Kaffeetasse oder das Öffnen einer Flasche können schmerzhaft sein. In vielen Fällen strahlen die Schmerzen bis in den Unterarm oder die Hand aus. Ruheschmerzen und nächtliches Ziehen sind seltener, können aber bei fortgeschrittenen Verläufen auftreten.
Golferarm
Die Symptome eines „Golferarms“ können sich ähnlich anfühlen, nur dass der Schmerz auf der Innenseite des Ellenbogens sitzt. Falls das bei Ihnen der Fall ist: kein Grund zur Sorge. Die Behandlung ist im Grunde dieselbe.
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Diagnose
Die Diagnose beim Arzt erfolgt in der Regel relativ rasch.2 Der Arzt beginnt mit einem Gespräch, um herauszufinden, bei welchen Bewegungen die Schmerzen auftreten und ob bereits Vorerkrankungen bestehen. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung: Der betroffene Arm wird gezielt auf Schmerzreaktionen getestet. In der Regel reicht diese Kombination aus Anamnese und klinischer Untersuchung bereits aus, um die Diagnose zu stellen. Weitere Verfahren wie MRT, Röntgen oder Ultraschall sind nur in Ausnahmefällen notwendig.
Behandlung
Die richtige Wahl
Kühlen, dehnen, abwarten? Oder doch gleich operieren? Es gibt einen bunten Strauß an Therapieangeboten, mit sehr unterschiedlicher Wirksamkeit. Die evidenzbasierte Studienlage zeigt jedoch, dass für akute Beschwerden eine Kombination aus Schonung, schmerzlindernden Medikamenten und physiotherapeutischen Maßnahmen ausreichend ist, um die Schmerzphase zu überbrücken. In vielen Fällen bessern sich die Beschwerden innerhalb von vier bis sechs Wochen, unabhängig von der Therapie.3
Bewegungstherapie
Empfohlen wird in dieser frühen Phase vor allem eine gezielte Bewegungstherapie, die so aussehen könnte:
- Setzen Sie sich an einen Tisch. Den Unterarm legen Sie so ab, dass die Hand über die Tischkante hinausragt – Handrücken nach oben. In dieser Hand halten Sie dann eine kleine Wasserflasche oder ein leichtes Gewicht (z. B. 0,5 bis 1 Kilogramm).
- Jetzt helfen Sie mit der anderen Hand, das Handgelenk langsam nach oben zu beugen (also in Richtung Decke).
- Dann lassen Sie das Handgelenk ganz langsam und kontrolliert wieder nach unten sinken – das Gewicht zieht dabei die Hand nach unten, aber Sie bremsen bewusst ab. Genau diese „Bremsbewegung nach unten“ ist das Training.
Diese Technik stärkt die gereizte Sehne und soll dem Arm helfen, sich wieder an Belastung zu gewöhnen. Auch Bandagen, Kälteanwendungen oder Dehnübungen können unterstützend wirken, allerdings ist der Nutzen individuell unterschiedlich und wissenschaftlich nur schwach belegt. Kortisonspritzen lindern oft schnell die Schmerzen, können aber die Heilung auf Dauer eher behindern.
Was, wenn der Tennisarm chronisch wird?
Wird der Tennisarm chronisch, also über Monate hinweg nicht besser, wird es kniffliger. Es werden zwar Operationen angeboten, doch gibt es Hinweise darauf, dass die Erfolge nur mäßig sind und oft nicht besser sind als Nichtstun. Auch die sogenannte Stoßwellentherapie kann helfen, jedoch nur unter sehr streng kontrollierten Bedingungen. Ein Arztbesuch ist in diesem Fall klar anzuraten.
Fazit
Die wichtigste Erkenntnis: Eine universell wirksame Behandlung für den Tennisarm gibt es bislang nicht. Fachleute empfehlen daher, Geduld zu haben, Überlastungen zu vermeiden und gezielt Übungen durchzuführen, die gut angeleitet und alltagstauglich sind. Wer es schafft, die Schmerzen nicht zu ignorieren, sondern sich bewusst mit der Ursache auseinanderzusetzen, hat die besten Chancen auf eine dauerhafte Besserung – auch ohne Skalpell.