28. Juni 2026, 12:29 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Der Übergang vom Sonnenstich zum Hitzschlag ist oft fließend. Ein Hitzschlag kann im schlimmsten Fall mit dem Tod enden. Ein Neurologe erklärt, was bei den beiden Hitzenotfällen im Körper genau passiert und was die jeweiligen Symptome sind.
Sonnenstich und Hitzschlag – das ist der Unterschied
In beiden Fällen richten hohe Temperaturen Schaden an. Den Unterschied zwischen Sonnenstich und Hitzschlag erklärt Prof. Dr. med. Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung, gegenüber FITBOOK so: „Ganz vereinfacht kann gesagt werden: Beim Sonnenstich ist ’nur‘ der Kopf betroffen, also das Gehirn. Der restliche Körper ist in Ordnung. Bei einem Hitzschlag hingegen bricht die gesamte Temperaturregulation des Körpers zusammen.“
Wann es zu einem Sonnenstich kommt und wer besonders gefährdet ist
Der Sonnenstich kann auftreten, wenn man auf dem Kopf und im Nackenbereich zu viel Sonne abbekommen hat. Die starke Hitze irritiere Hirn und Hirnhaut, so Erbguth zu FITBOOK. „Das Gehirn ist nicht das robusteste Organ. Bei einem Sonnenstich erwärmen sich Hirnhaut und Gehirn.“ Bereits ein bis zwei Grad Celsius seien ausreichend, um eine Art Hirnhautentzündung zu produzieren.
Besonders gefährdet sind alle Menschen, die kein, wenig oder besonders dünnes Haar haben. Dazu zählen Ältere, aber auch Kleinkinder und Babys. Säuglinge etwa haben nur eine dünne Schädeldecke.
Anzeichen eines Sonnenstichs
Ein Sonnenstich zeigt sich durch Kopfschmerzen und Schwindel. Aber auch Schmerzen im Nacken und Nackensteifigkeit, Lichtempfindlichkeit sowie ein hochroter, heißer Kopf können auf einen Sonnenstich hindeuten.1 Laut DRK können die Beschwerden auch erst dann auftreten, wenn man schon seit einigen Stunden aus der Sonne raus ist.
Symptome eines Sonnenstichs im Überblick
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Nackenschmerzen, Nackensteifigkeit
- Lichtempfindlichkeit
- hochroter, heißer Kopf
- bei kleinen Kindern: hohes Fieber
Was bei Verdacht auf Sonnenstich zu tun ist
Beim Verdacht auf einen Sonnenstich gilt: Betroffene sollten raus aus der Hitze und an einen kühlen Ort gebracht werden. Dort sollte der Körper mit nassen Tüchern gekühlt werden, wobei der Oberkörper am besten erhöht liegt. Außerdem sollten Betroffene viel trinken.
Verschlechtert sich der Zustand und schwindet das Bewusstsein, sollte man unter 112 professionelle Hilfe anfordern.
Sonnenstich vorbeugen
Damit es gar nicht erst zu einem Sonnenstich kommt, rät die Johanniter-Unfall-Hilfe, eine Kopfbedeckung zu tragen, am besten einen Sonnenhut mit Krempe. Das gelte insbesondere für Menschen mit wenig Haaren, etwa Säuglingen, Kindern und Menschen mit lichtem Haar oder Glatze.2 Die Mittagssonne sollte komplett gemieden werden. Zudem sollte man täglich zwei bis drei Liter Wasser trinken, luftige, helle Kleidung aus Leinen oder Baumwolle tragen und in der Sonne auf Alkohol verzichten.
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Wann ein Hitzschlag droht
Was bei einem Hitzschlag im Körper geschieht, erklärt Prof. Ergbuth gegenüber FITBOOK so: „Unsere Körpertemperatur liegt normalerweise bei 37 Grad. Hitzewellen, bei denen auch die Nächte keine Abkühlung mehr bringen, können den Körper sehr stark belasten. Ab einem bestimmten Punkt kann er nicht mehr durch Schwitzen abkühlen. Vor allem dann, wenn man nicht genug trinkt.“
Ein Hitzschlag drohe auch, wenn man extremer Hitze und Schwüle ausgesetzt war und nicht schwitzen konnte, beispielsweise in unbelüfteten Räumen oder auch in isolierender Kleidung. Die Hitze staut sich quasi im Körper und kann nicht entweichen. Bei einem Hitzschlag kann der Körper nicht mehr durch Schwitzen abkühlen – auch, wenn man genug getrunken hat.
Schafft es der Körper nicht mehr, die Wärme wegzutransportieren, „kommt es zu einem Wärmestau, die Körpertemperatur steigt auf 40 Grad und höher“, erklärt Erbguth. Das Ganze hat drastische Folgen für verschiedene Systeme im Körper.
Hitzschlag: Im schlimmsten Fall droht Multiorganversagen
Erbguth: „Als Erstes kippt das Gerinnungs- und das Durchblutungssystem ab. Dann verklumpt das Blut. Die kleinen Klumpen verstopfen die kleinen Gefäße. Nieren, aber auch Leber und Herz können nicht mehr gut arbeiten.“
Bei Wärme weiten sich unsere Blutgefäße, sodass möglichst viel überhitztes Blut an die Haut transportiert wird. Dort kann die Wärme über das Schwitzen abgegeben werden – da Schweiß auf unserer Haut verdunstet, wird die Haut gekühlt – und damit auch das Blut. Es kann dann heruntergekühlt in andere Bereiche unseres Körpers wandern. „Bei einem Hitzschlag fällt dieses System aus. Im schlimmsten Fall droht ein Multiorganversagen“, so Erbguth.
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Anzeichen eines Hitzschlags
Anzeichen eines Hitzschlags sind plötzliche Müdigkeit, Kopfschmerzen und ein diffuses Schwindelgefühl. „Wenn es schlimmer wird, kommen Übelkeit und Erbrechen hinzu. Und dann: Bewusstlosigkeit“, erläutert Erbguth.
Anzeichen eines Hitzschlags im Überblick
- plötzliche Müdigkeit
- Kopfschmerzen
- diffuses Schwindelgefühl
- Wenn es schlimmer wird, kommen Übelkeit, Erbrechen und Bewusstlosigkeit hinzu
Bei Verdacht auf Hitzschlag umgehend den Notruf unter 112 wählen! Zeigt jemand die geschilderten Anzeichen, sollten Umstehende umgehend den Rettungsdienst informieren. Ein Hitzschlag kann zum Koma führen und schlimmstenfalls tödlich enden. Deshalb ist ein Verdacht auf einen Hitzschlag immer ein Fall für den Notruf 112.
Hitzschlag: So kühlt man Betroffene richtig, bis der Notarzt eingetroffen ist
- In der Zeit, bis die medizinischen Profis eintreffen, sollte man Betroffene umgehend in den Schatten bringen. Dann muss der Körper heruntergekühlt werden – aber besser nicht mit purem Eis auf der nackten Haut. Es drohen hier Erfrierungen, warnt Erbguth. Besser sei es, Eiswürfel und Kühlakkus in ein Tuch einzuwickeln.
- Ist die betroffene Person noch bei Bewusstsein, sollte man ihr etwas zu trinken anbieten: Wasser, Saftschorlen und Früchtetees sind geeignet.
- Notfallsanitäter geben Betroffenen dann zum Beispiel kühlende Infusionen. Ist das Gerinnungssystem bereits gestört, werden im Krankenhaus gerinnungshemmende Medikamente verabreicht.
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Feuchte oder trockene Hitze – was ist für den Körper schlimmer?
Bei vergleichsweise hoher Luftfeuchtigkeit kann sich unser Körper schlechter durch Schwitzen abkühlen als bei geringer Luftfeuchtigkeit. Erbguth gibt als Faustregel mit: „Feuchte Hitze ist deutlich schlechter als trockene Hitze.“