18. August 2025, 10:56 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
FITBOOK-Redakteurin Sophie Brünke kennt Gänsehaut vor allem als körperliche Reaktion auf Kälte oder Emotionen. Doch an besonders heißen Tagen überkommt sie immer wieder ein Schauer. Warum man im Sommer Gänsehaut bekommen kann, wollte sie von Mediziner Dr. Enrico Zessin wissen.
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Wir haben Thermosensoren in der Haut
Erst einmal zu den Grundlagen. Mediziner Enrico Zessin erklärt: „In der Haut liegen verschiedene Thermosensoren, durch die wir Wärme und Kälte wahrnehmen. Diese arbeiten über Ionenkanäle, die sich in einem bestimmten Temperaturbereich öffnen und eine entsprechende Reizantwort auslösen.“ Dabei liege der Wahrnehmungsbereich von Kältesensoren zwischen acht und 38 Grad Celsius, während der von Wärmesensoren zwischen 29 und 45 Grad Celsius liege. „Bei höheren und tieferen Temperaturbereichen werden dann zusätzlich noch Schmerzfasern aktiviert. Der Übergangsbereich beider Sensoren wird als Indifferenztemperatur bezeichnet und als angenehm empfunden“, so der Arzt. Bei der sogenannten Indifferenztemperatur hat unser Körper die geringste Arbeit, unsere Körpertemperatur aufrechtzuerhalten. Es handelt sich um diejenige Außentemperatur, bei welcher unser Grundumsatz dafür ausreicht.
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Welche Wirkung hat Kälte auf den Körper?
Mediziner: Kalter Schauer an heißen Tagen ist „paradoxe Kälteantwort“
Doch wann kommt es zur Gänsehaut? Laut Zessin handelt es sich bei den Kälteschauern an heißen Tagen um eine „paradoxe Kälteantwort“. Diese komme „wahrscheinlich dadurch zustande, dass einige Kälterezeptoren auch hitzeaktivierbare Ionenkanäle haben können, wie sie bei Wärmesensoren vorkommen.“ Entsprechend senden einige Kälterezeptoren bei Temperaturen über 45 Grad Celsius auch entsprechende Signale ans Gehirn. „Dieses Phänomen können wir besonders gut in der Sauna erleben, wenn es direkt nach dem Aufguss besonders heiß wird“, weiß Zessin. „Nicht selten erlebt man hier einen kalten Schauer und Gänsehaut, die über den ganzen Körper zieht.“
Ist Gänsehaut ein Warnzeichen für Überhitzung?
Der Deutsche Olympische Sportbund führt Gänsehaut als eines der Symptome bei Überhitzung auf. In der Folge werde die Muskulatur schlechter durchblutet und die Wahrscheinlichkeit für Krämpfe steige an. Weitere Symptome für Überhitzung sind Zittern, Koordinationsschwierigkeiten und Übelkeit.1 Zessin ergänzt, dass es im schlimmsten Fall zu einem Hitzekollaps oder Hitzeschock kommen könne, was lebensbedrohlich sein kann.
Verspürt man allerdings lediglich Gänsehaut, gibt der Mediziner Entwarnung: „Der kalte Schauer allein ist nicht schon als Warnzeichen für Überhitzung zu sehen, denn dieser tritt meist erst auf, wenn bereits andere Probleme durch die Hitze (Schwäche, Koordinationsschwierigkeiten, Schwindel, Kopfschmerzen etc.) bestehen.“