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Intimität im Alter! Wie sich Sex ab 60 verändert

Warum Sex im Alter gesund ist
Wie Sex auch im Alter noch Spaß macht Foto: Getty Images
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23. August 2026, 8:14 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Sexualität hat kein Ablaufdatum. Auch im Alter jenseits der 60 kann Sex ein wichtiger Teil von Lebensqualität, Wohlbefinden und partnerschaftlicher Nähe sein. Dabei geht es längst nicht nur um Geschlechtsverkehr. Küssen, Berührungen, Zärtlichkeit, gemeinsame Intimität oder Selbstbefriedigung gehören ebenso zu einer erfüllten Sexualität.

Dr. Heidi Gößlinghoff
Mit fachlicher Beratung von Frauenärztin und Online-Begleitung für Frauen und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch

„Sexualität darf sich im Laufe des Lebens verändern. Entscheidend ist nicht, wie häufig jemand Sex hat, sondern ob Nähe und Sexualität freiwillig, angenehm und erfüllend erlebt werden“, erklärt Dr. med. Heidi Gößlinghoff, Frauenärztin, Reproduktionsmedizinerin und Psychotherapeutin.

Sex stärkt Körper und Seele

Entspannung und positive Gefühle

Sex tut nicht nur der Seele gut, sondern löst auch im Körper eine Vielzahl von Prozessen aus. Bei Berührungen, sexueller Erregung und einem Orgasmus werden unter anderem Oxytocin, Endorphine und Dopamin ausgeschüttet. Allesamt Botenstoffe, die mit Nähe, Wohlbefinden und positiven Gefühlen in Verbindung stehen. „Körperliche Nähe kann Verbundenheit und Vertrauen fördern. Viele Menschen erleben Sex oder Zärtlichkeit außerdem als entspannend und stimmungsaufhellend“, erklärt Dr. Gößlinghoff. „Wie stark diese Effekte ausfallen, ist allerdings von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Sexualität ist keine Therapie gegen Verspannungen, Schlafstörungen, Depressionen oder Schmerzen. Wird sie jedoch als positiv erlebt, kann sie durchaus zu mehr Wohlbefinden und Entspannung beitragen.“

Sex unterstützt gesundes Altern

Sexualität ist eng mit Körperwahrnehmung, Nähe und sozialen Beziehungen verbunden. Wer liebevolle Berührungen erlebt, Intimität pflegt und sich im eigenen Körper wohlfühlt, kann davon emotional profitieren. Das bedeutet jedoch nicht, dass Menschen Sex haben müssen, um gesund zu altern. Auch längere Phasen ohne sexuelle Aktivität sind völlig normal und gesundheitlich unproblematisch.

Sex verbessert die Körperwahrnehmung

Viele Menschen erleben ihren Körper im Alter anders. Gewicht, Haut, Beweglichkeit, Erkrankungen oder Operationen können das Selbstbild beeinflussen. „Sexualität kann helfen, den eigenen Körper wieder bewusster und freundlicher wahrzunehmen. Attraktivität entsteht dabei nicht nur durch das Aussehen, sondern ebenso durch Ausstrahlung, Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung“, erklärt Dr. Gößlinghoff. „Auch hier gilt: Sexualität muss kein Weg zu einem besseren Körpergefühl sein. Jeder Mensch entscheidet selbst, welche Form von Nähe sich gut und richtig anfühlt.“

Wie sich Sex ab 60 verändern kann – für die Frau

Empfindlichere Schleimhäute

Nach den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel. Dadurch können die Schleimhäute von Vagina und Vulva dünner, trockener und empfindlicher werden. Manche Frauen bemerken Brennen, Juckreiz, Spannungsgefühl oder Schmerzen beim Sex. Auch häufiger Harndrang und wiederkehrende Blasenentzündungen können dazugehören. Diese Veränderungen werden unter dem Begriff genitourinäres Menopausensyndrom zusammengefasst. Sie treten häufig auf, müssen aber keineswegs einfach hingenommen werden. Feuchtigkeitsprodukte, Gleitmittel und, falls nötig, eine ärztlich verordnete lokale Hormontherapie können die Beschwerden deutlich lindern.

Mehr Zeit für Erregung und Stimulation

Durch den sinkenden Östrogenspiegel kann die Erregung länger dauern. Die Vagina wird möglicherweise weniger schnell feucht und Berührungen müssen anders oder intensiver gestaltet werden. Sexuelle Erregung verbessert kurzfristig die Durchblutung im Genitalbereich und unterstützt die natürliche Lubrikation.

Lust und Nähe verändern sich

Älterwerden bedeutet nicht, dass die Lust verschwindet. Viele Frauen berichten sogar, dass sie Sexualität nach den Wechseljahren entspannter erleben. Schwangerschaftsängste und Verhütung spielen häufig keine Rolle mehr, während Erfahrung und Kommunikation an Bedeutung gewinnen.

Beschwerden sind behandelbar

„Schmerzen beim Sex sind kein Preis, den Frauen für das Älterwerden zahlen müssen. Je früher Beschwerden angesprochen werden, desto gezielter kann behandelt werden“, betont Dr. Gößlinghoff.

Wie sich Sex ab 60 verändern kann – für den Mann

Veränderungen der Erektion

Auch bei Männern verändert sich die Sexualität mit zunehmendem Alter. Eine Erektion entsteht häufig langsamer, ist möglicherweise weniger fest und hält oft nicht mehr so lange an wie in jüngeren Jahren.

Der Körper braucht mehr Zeit

Auch die Erregung kann sich verändern: Direkte Berührungen und mehr Zeit für die sexuelle Stimulation können wichtiger werden und auch die Zeit bis zu einer erneuten Erektion kann sich verlängern. Diese Veränderungen stehen einem erfüllten Sexualleben jedoch nicht grundsätzlich im Weg. Häufig geht es vielmehr darum, Erwartungen anzupassen und neue Formen von Nähe zu entdecken.

Unterstützt Sex die Prostatagesundheit?

Einige Beobachtungsstudien fanden außerdem einen Zusammenhang zwischen häufigerer Ejakulation und einer geringeren Wahrscheinlichkeit, später an bestimmten Formen von Prostatakrebs zu erkranken.1 Eine konkrete medizinische Empfehlung lässt sich daraus bislang jedoch nicht ableiten.

Festigt Sex den Beckenboden?

Während sexueller Erregung und beim Orgasmus spannt sich die Muskulatur des Beckenbodens an und entspannt sich anschließend wieder. Dadurch kann die Wahrnehmung des Beckenbodens verbessert werden, aber ein gezieltes Beckenbodentraining ersetzt Sex nicht.

Selbstbefriedigung gehört zur Sexualität

Es muss nicht immer Sex mit einem Partner sein. Auch Selbstbefriedigung ist für viele Menschen ein selbstverständlicher Teil gelebter Sexualität und kann in jedem Alter zu einem erfüllten Sexualleben beitragen. Sie ermöglicht es, den eigenen Körper und seine Reaktionen besser kennenzulernen. Viele Menschen erleben sie außerdem als entspannend und angenehm. Auch Hilfsmittel können dabei eine Rolle spielen, solange sie sicher verwendet werden und keine Beschwerden verursachen.

Wieviel Sex ist gesund?

„Eine feste Zahl gibt es hier nicht. ‚Gesund‘ bedeutet nicht eine bestimmte Anzahl an Geschlechtsverkehr. Entscheidend ist, dass Sexualität freiwillig, angenehm und passend zu den eigenen Bedürfnissen erlebt wird“, sagt Dr. Gößlinghoff. Manche Menschen wünschen sich mehrmals pro Woche Sex, andere nur gelegentlich oder gar nicht. Auch längere Phasen ohne Sex sind gesundheitlich unbedenklich. Der Körper benötigt keine bestimmte Zahl an Orgasmen, um gesund zu bleiben.

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Tipps für erfüllte Sexualität ab 60

Neugierig bleiben

Sexualität muss sich im Laufe des Lebens nicht immer weiter reduzieren. Sie darf sich verändern. Neue Berührungen, andere Formen von Intimität, gemeinsame Fantasien oder mehr Zeit füreinander können neue Möglichkeiten eröffnen. Entscheidend ist, dass alle Beteiligten sich wohlfühlen und Grenzen respektiert werden.

Über Wünsche sprechen

Eine erfüllte Sexualität beginnt häufig außerhalb des Schlafzimmers. Offen über Wünsche, Unsicherheiten und körperliche Veränderungen zu sprechen, kann Druck reduzieren. Gerade wenn sich der Körper verändert, sollten beide Seiten wissen, was angenehm ist und was nicht. Intimität umfasst dabei weit mehr als nur Geschlechtsverkehr. Küssen, Kuscheln, Massagen und bewusste Berührungen können genauso bedeutsam sein.

Leistungsdruck loslassen

Guter Sex hat weder ein vorgeschriebenes Tempo noch einen festen Ablauf. Es geht nicht darum, früheren Zeiten nachzueifern oder bestimmte Erwartungen zu erfüllen. Ein Orgasmus ist keine Pflicht und eine Erektion kein Leistungstest. Nähe kann auch dann erfüllend sein, wenn Geschlechtsverkehr gerade nicht möglich oder nicht gewünscht ist.

Hilfsmittel und Behandlungen nutzen

Gleitgele und vaginale Feuchtigkeitsprodukte können bei Trockenheit der Vagina unterstützen. Bei stärkeren oder anhaltenderen Beschwerden stehen weitere medizinische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Auch Erektionsstörungen lassen sich häufig gut behandeln. Beschwerden sollten nicht aus Scham verschwiegen werden. Eine ärztliche Abklärung kann helfen, herauszufinden, ob körperliche Ursachen, Medikamente, hormonelle Veränderungen oder psychische Belastung eine Rolle spielen.

Erotik darf dazu gehören

Sexualität beginnt nicht erst mit Geschlechtsverkehr. Erotische Literatur, Filme, Fantasien oder Hilfsmittel können Teil einer gelebten Sexualität sein. „Erotik kann eine Möglichkeit sein, die eigenen Wünsche besser kennenzulernen. Entscheidend sind Freiwilligkeit, gegenseitiges Einverständnis und Respekt vor den Grenzen aller Beteiligten“, sagt Dr. Gößlinghoff.

Schutz bleibt wichtig

Auch jenseits der 60 können sexuell übertragbare Infektionen auftreten. Bei neuen oder wechselnden Sexualpartnern sind Kondome deshalb weiterhin sinnvoll. Kondome reduzieren das Risiko vieler Infektionen, bieten jedoch je nach Erreger keinen vollständigen Schutz. Bei einem erhöhten Risiko oder ungeschütztem Sex kann zusätzlich ein Test auf sexuell übertragbare Infektionen sinnvoll sein, um eventuell sexuell übertragene Erkrankungen zu identifizieren und zu behandeln.

Fazit: Sex darf sich im Alter verändern

Sexualität bleibt auch im höheren Lebensalter ein möglicher Teil von Lebensqualität, Nähe und Wohlbefinden. Sie muss dabei weder einer bestimmten Häufigkeit noch einem festen Bild von gutem Sex entsprechen. Manche Menschen entdecken im Alter neue Freiheiten. Andere haben wenig oder gar kein Interesse am Sex. Beides ist normal. Körperliche Veränderungen, Schmerzen, Trockenheit oder Erektionsprobleme sollten nicht einfach hingenommen werden. Viele Beschwerden lassen sich medizinisch gut einordnen und behandeln.

Quellen

  1. Harvard Medical School. Ejaculation frequency and prostate cancer (aufgerufen am 3.8.2026) ↩︎

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