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Für wen eine RSV-Infektion gefährlich werden kann

Besonders Säuglinge und Ältere sind nun wieder durch die aufkommende RSV-Welle gefährdet.
Seit Beginn der Saison 2025/26 wurden insgesamt 60 Todesfälle mit einer labordiagnostisch bestätigten RSV-Infektion an das RKI übermittelt. 90 Prozent dieser Verstorbenen waren 60 Jahre oder älter. Foto: BSIP
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Anna Echtermeyer
Redakteurin

17. Februar 2026, 16:05 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Dem RS-Virus aus dem Weg zu gehen, wird erneut schwieriger, da die RSV-Welle seit Anfang des Jahres an Fahrt aufnimmt. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Kleinsten: Bei den 0- bis 4-Jährigen hat sich die Positivenrate innerhalb einer Woche auf 29 Prozent mehr als verdoppelt. Damit ist RSV in dieser Altersgruppe nach der Grippe der zweithäufigste Erreger.1 Was bei der Mama nur Schnupfen auslöst, führt bei Babys oft zu Klinikaufenthalten – tatsächlich wird bereits bei fast jedem dritten im Krankenhaus behandelten Säugling mit schwerer Atemwegsinfektion RSV diagnostiziert. Lesen Sie hier alles zu Symptomen, Behandlung und dem Impfschutz für Risikogruppen.

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Für wen eine RSV-Infektion gefährlich werden kann

Anstecken kann man sich in jedem Alter, wobei es nahezu unmöglich ist, dem Virus aus dem Weg zu gehen. Was für das Geschwisterkind im Kitaalter vielleicht nur eine Schnupfnase bedeutet, kann für die ganz Kleinen – also Babys in den ersten sechs Lebensmonaten – gefährlich werden. Noch höher ist das Risiko eines schweren Verlaufs für Kinder, die als Frühchen auf die Welt gekommen sind oder die zum Beispiel von Herzfehlern oder Trisomie 21 betroffen sind. Schwerer Verlauf, das heißt, dass die Infektion die unteren Atemwege befallen hat. Laut Robert Koch-Institut erkranken innerhalb des ersten Lebensjahres etwa 50 bis 70 Prozent der Kinder am RS-Virus. Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres seien nahezu alle Kinder mindestens einmal mit der Erkrankung in Berührung gekommen.2

Weil die Infektion keine langfristige Immunität nach sich zieht, können bei Erwachsenen Reinfektionen auftreten – besonders, wenn diese regelmäßigen Kontakt zu Kleinkindern haben.

Neben kleinen Kindern sind auch ältere Menschen sowie Menschen mit eingeschränktem Immunsystem besonders gefährdet. Ein Großteil der RSV-Patienten auf der Intensivstation ist im Rentenalter. Da ihr Immunsystem schwächer ist, kann es sich schlechter gegen die Erreger wehren. Gelangen die RS-Viren in die unteren Atemwege, drohen Komplikationen. Die Sterblichkeit liegt bei älteren Erwachsenen laut Lungenärzte im Netz bei vier bis acht Prozent.3

Wie steckt man sich an?

Das RSV wird nicht nur über Tröpfchen in der Luft übertragen, sondern auch über kontaminierte Hände und Oberflächen, etwa Türklinken. Laut Bundesgesundheitsministerium kann das RS-Virus in Sekret aus den Atemwegen 20 Minuten auf Händen und 45 Minuten auf Papierhandtüchern und Baumwollkitteln ansteckend bleiben.4 Damit gilt das RS-Virus als ansteckender als Grippeviren. Laut Lungenärzte im Netz spielen Erwachsene als Überträger eine wichtige Rolle. Die Dauer der Ansteckungsfähigkeit beträgt in der Regel drei bis acht Tage; erste Symptome treten in der Regel nach zwei bis acht Tagen.1,3

Symptome einer RSV-Infektion

So äußert sich eine RSV-Infektion bei Babys und kleinen Kindern

Nach einer Ansteckung vergehen in der Regel fünf Tage, bis die ersten Symptome auftreten. Die meisten gesunden Kinder stecken die Infektion gut weg. Ein milder Verlauf äußert sich durch Symptome wie Schnupfen, Niesen, Husten, Halsschmerzen, Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl.

Erkrankt ein Kind erstmals am RS-Virus, verläuft diese Infektion oft schwerer als bei Folgeinfektionen. Lediglich in zwei Prozent der Fälle verläuft die Erkrankung so schwer, dass eine stationäre Krankenhausbehandlung erforderlich wird.

Als Komplikation tritt vor allem bei Früh- und Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern die Bronchiolitis auf. Dabei kommt es unter anderem zu einer erhöhten Schleimproduktion und zu einer Entzündung der kleinsten Bronchien. Diese schwellen dann an und verengen. Dadurch können Kinder richtig Atemnot bekommen. Das Erkrankungsbild ähnelt zu Beginn einem akuten Asthmaanfall. Eine weitere häufige Komplikation der RSV-Infektion ist eine akute Mittelohrentzündung.5

Wann Eltern mit ihrem Kind unbedingt zum Arzt gehen sollten

Bei folgenden Anzeichen sollten Eltern mit ihrem Kind einen Kinderarzt aufsuchen oder die Lage in der Notfallambulanz abklären lassen:

  • Wenn ein kleines Kind offensichtlich Schwierigkeiten beim Atmen hat
  • Wenn ein kleines Kind schnell atmet
  • Wenn ein kleines Kind insbesondere beim Ausatmen pfeifende Atemgeräusche hat
  • Fieber hält länger als drei oder vier Tage an oder steigt über 39 Grad Celsius
  • Babys unter drei Monaten mit Fieber über 38 Grad
  • Starker Husten
  • auffällige Abgeschlagenheit
  • Wenn es Probleme mit dem Füttern gibt und Kinder Nahrung und Trinken verweigern oder erbrechen

Anzeichen bei Erwachsenen

Bei Erwachsenen verlaufen RSV-Erkrankungen laut Bundesgesundheitsministerium häufig mit Erkältungssymptomen (Schnupfen und häufig Husten), allgemeinem Krankheitsgefühl, Kurzatmigkeit sowie Fieber. Bei Erwachsenen mit erhöhtem Risiko für schwere RSV-Erkrankungen (schwere Vorerkrankungen des Herzens oder der Lunge sowie eine Immunschwäche) kann es zu Komplikationen wie etwa einer Lungenentzündung kommen.

Was ist das respiratorische Synzytial-Virus (RSV)?

Das respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist ein Virus aus der Familie der Pneumoviridae. Der Erreger ist weltweit verbreitet. Bei allen Altersgruppen ruft er Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege hervor. Bei Säuglingen, insbesondere Frühgeborenen, Kleinkindern und älteren Menschen (besonders gefährdet sind neben den Säuglingen Personen ab 75 Jahren) kann das RS-Virus schwere Atemwegsinfektionen hervorrufen. Die Infektionswelle in Deutschland und auf der nördlichen Hemisphäre verläuft in der Regel zwischen November und April. Auf der Südhalbkugel ist es genau umgekehrt. 

Behandlung und was man bei einer Infektion beachten sollte

Bei einer RSV-Infektion wird empfohlen, möglichst zuhause zu bleiben und Kontakte sowie den Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen zu meiden (wie z.B. Kindergärten). Die Therapie von RSV erfolgt entsprechend den Krankheitssymptomen mit einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr und ggf. der Verwendung von Nasensprays oder Nasentropfen zur Abschwellung der Nasenschleimhaut. Was bei Erkältungssymptomen wirklich hilft, lesen Sie hier. Bisher wurden keine speziellen Medikamente entwickelt, die das RS-Virus selbst bekämpfen und damit den Krankheitsverlauf abkürzen.

Sofern sich die Symptome jedoch verschlechtern oder Atemnot auftritt, sollten Sie ärztliche Hilfe aufsuchen.

Wie können Familien ihre Kinder vor einer RSV-Infektion schützen?

Den besten Schutz gegen eine RSV-Infektion bieten normale Hygieneregeln, etwa Händewaschen und in die Armbeuge oder in ein Papiertaschentuch niesen oder husten. Optimalerweise sollten sich erkrankte Kleinkinder mit Erkältungssymptomen von kleinen Säuglingen fernhalten. Bei der Prophylaxe durch einen Impfstoff hat sich inzwischen viel getan: Seit Ende Juni 2024 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Neugeborenen und Säuglingen unabhängig von möglichen Risikofaktoren eine RSV-Prophylaxe mit dem monoklonalen Antikörper Nirsevimab als Einzeldosis vor bzw. in ihrer ersten RSV-Saison. Säuglinge, die zwischen April und September geboren sind, sollen diese möglichst im Herbst erhalten. Neugeborene, die während der RSV-Saison (üblicherweise zwischen Oktober und März) geboren werden, sollen Nirsevimab möglichst rasch nach der Geburt bekommen.

Erwachsene, für die die RSV-Impfung empfohlen wird

Die STIKO empfiehlt allen Personen über 75 Jahre eine einmalige RSV-Impfung als Standardimpfung idealerweise im September bzw. Anfang Oktober, also vor der RSV-Welle. Zur weiteren Gruppe, für die eine Impfempfehlung ausgesprochen wird, sind Personen zwischen 60 und 74 Jahren mit schweren Formen von chronischen Erkrankungen der Atmungsorgane, chronischen Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen, chronischen neurologischen und neuromuskulären Erkrankungen, hämato-onkologischen Erkrankungen, Diabetes mellitus (mit Komplikationen) sowie bei angeborener oder erworbener Immundefizienz. Zur Verfügung stehen derzeit die beiden proteinbasierten RSV-Impfstoffe Arexvy und Abrysvo. Beide seit Sommer 2023 zugelassenen RSV-Impfstoffe können laut Robert Koch-Institut gleichzeitig mit der saisonalen Influenza-Impfung gegeben werden.6

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Frauenärzteverband empfiehlt Impfung Schwangerer

Seit Ende 2023 ist auch ein RSV-Impfstoff für Schwangere zugelassen. Dieser ermöglicht einen Nestschutz für das Ungeborene, heißt: Geimpft wird nicht das Baby, sondern die Mutter in der Schwangerschaft. Sie bildet dann Antikörper, die auf das Ungeborene übertragen werden. Das Kind soll somit in den ersten Lebenswochen, wo die Gefahr einer Infektion mit dem RS-Virus besonders hoch ist, davor geschützt sein. Medizinische Fachgesellschaften wie der Berufsverband der Frauenärzte e. V. empfehlen diese Schutzimpfung für Schwangere – und zwar ab der 32. Schwangerschaftswoche.7

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Zahlt die Krankenkasse die Impfung?

Kurz gesagt: Die Krankenkassen zahlen die RSV-Impfung für Babys und ältere. Säuglinge haben durch die RSV-Prophylaxeverordnung bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres einen Versorgungsanspruch. Und für Erwachsene ab 75 Jahren sowie Erwachsene zwischen 60 und 74 mit Erkrankungen (schweren Formen von chronischen Erkrankungen der Atmungsorgane, chronischen Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen, chronischen neurologischen und neuromuskulären Erkrankungen, hämato-onkologischen Erkrankungen, Diabetes mellitus (mit Komplikationen) sowie bei angeborener oder erworbener Immundefizienz wird die Impfung auch von der Kasse bezahlt. Ebenfalls können sich Pflegeheimbewohner bereits ab einem Alter von 60 Jahren impfen lassen.8

Schwangere können bei ihrer Krankenkasse anfragen, ob die Kosten für die RSV-Impfung erstattet werden.

Aktuelle Lage: RSV-Welle nimmt an Fahrt auf

Die aktuelle Datenlage des Robert Koch-Instituts verdeutlicht, dass die RSV-Saison ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hat. Besonders die steigende viruslast im Abwasser deutet darauf hin, dass die Infektionszahlen in den kommenden Wochen hoch bleiben werden. Vor diesem Hintergrund warnt auch bereits die Krankenkasse IKK Südwest vor dem Risiko für die Kleinsten.9 Da RSV-Infektionen bei Säuglingen besonders schnell zu schweren Verläufen führen können, wird dringend dazu geraten, die bestehenden Ansprüche auf Vorsorge wahrzunehmen. Seit Herbst 2024 ist die Immunisierung für Neugeborene und Säuglinge eine Regelleistung der Kassen – Eltern sollten die aktuelle Infektionswelle zum Anlass nehmen, den Schutzstatus zeitnah mit ihrem Kinderarzt zu klären.

Quellen

  1. Robert Koch Institut. ARE-Wochenbericht des RKI. (aufgerufen am 17.02.2026) ↩︎
  2. Robert Koch-Institut: Ratgeber RSV-Infektion (aufgerufen am 17.02.2026) ↩︎
  3. Lungenärzte im Netz: RSV kann auch für Erwachsene gefährlich werden (aufgerufen am 17.02.2026) ↩︎
  4. Bundesministerium für Gesundheit: Fragen und Antworten zu Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV). (aufgerufen am 17.02.2026) ↩︎
  5. AOK: RS-Virus bei Babys und Kleinkindern (aufgerufen am 17.02.2026) ↩︎
  6. Robert Koch-Institut: Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Schutzimpfung gegen RSV (aufgerufen am 17.02.2026) ↩︎
  7. Berufsverband der Frauenärzte e. V.: Schwangerschaft – Experten empfehlen RSV-Impfung (aufgerufen am 17.02.2026) ↩︎
  8. rsv-schutz. RSV-Impfung: kostenübernahme. (aufgerufen am 17.02.2026) ↩︎
  9. IKK Südwest. Prävention einer RSV-Erkrankung mit Beyfortus® (Wirkstoff: Nirsevimab). (aufgerufen am 17.02.2026) ↩︎

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