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Häufigste bösartige Krebserkrankung beim Mann

Prostatakrebs – Symptome, Diagnose und Behandlung

Viele Männer über 75 haben ein Prostatakarzinom, ohne jemals davon zu erfahren, da viele dieser Tumoren nur langsam wachsen und keine Beschwerden verursachen.
Viele Männer über 75 haben ein Prostatakarzinom, ohne jemals davon zu erfahren, da viele dieser Tumoren nur langsam wachsen und keine Beschwerden verursachen. Foto: Getty Images
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19. Juni 2026, 20:10 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Wie sich ein Prostatakarzinom bemerkbar macht, welche Behandlungsmöglichkeiten es inzwischen gibt – und wie hoch die Überlebenschancen sind, wenn das Karzinom bereits in die Knochen metastasiert ist, erfahren Sie im Folgenden. Außerdem erklärt ein Experte, ab wann jeder Mann zur Früherkennung gehen sollte.

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Auf fachliche Richtigkeit geprüft von Dr. med. Rainer Lipp Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und internistische Onkologie, Geschäftsführer der Stiftung Deutsche Onkologie

So viele Männer erkranken jährlich in Deutschland an Prostakrebs

Die Prostata ist die sogenannte Vorsteherdrüse: Das männliche Fortpflanzungsorgan bildet ein Sekret, das einen wichtigen Bestandteil der Samenflüssigkeit darstellt. Vor allem ab dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko für einen bösartigen Tumor in der Prostata (Prostatakarzinom) deutlich an. Mit rund 79.600 Neuerkrankungen im Jahr 2023 ist das Prostatakarzinom laut aktuellen Daten des Zentrums für Krebsregisterdaten die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Viele Männer über 75 haben zudem einen bösartigen Tumor in der Prostata, ohne jemals Beschwerden zu entwickeln, da die Erkrankung häufig langsam wächst.1

Auch wichtig zu wissen: Viele Männer über 75 Jahre haben einen bösartigen Tumor in der Prostata – die meisten erfahren jedoch zu Lebzeiten nichts davon, weil der Prostatakrebs nur langsam wächst.

Wie macht sich die Erkrankung bemerkbar?

Der Tumor kann beim Wasserlassen Beschwerden bereiten. Auch Blut im Sperma und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können auf eine Krebserkrankung hinweisen. Beides ist unter Umständen aber auch auf eine einfache Entzündung oder Vergrößerung der Prostata zurückzuführen. Eine gründliche Abklärung derartiger Beschwerden ist in jedem Fall ratsam.

Tut Prostatakrebs weh?

Schmerzen verursacht ein Prostatakarzinom meist erst in fortgeschrittenen Stadien. Sie können auftreten, wenn der Tumor in benachbarte Gewebe einwächst und dort verlaufende Nerven bedrängt. Auch Knochenmetastasen, die bei fortgeschrittenem Prostatakrebs häufig vorkommen, können Schmerzen verursachen. Behandelt man die Erkrankung rechtzeitig und angemessen, bestehen jedoch in vielen Fällen gute Heilungschancen.

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Aggressivität des Karzinoms – Gleason-Score

Ein Prostatakarzinom wird nach dem sogenannten Gleason-Score eingestuft. Dieses weltweit etablierte Graduierungssystem, das vom amerikanischen Pathologen Donald F. Gleason entwickelt wurde, gibt Auskunft darüber, wie aggressiv ein Tumor ist. Der Gleason-Score reicht theoretisch von 2 bis 10, in der heutigen Diagnostik werden jedoch nahezu ausschließlich Werte zwischen 6 und 10 vergeben. Je höher der Wert, desto aggressiver gilt der Tumor.

Der Score ergibt sich aus der Kombination der zwei am häufigsten vorkommenden Gewebemuster im Tumor. Ergänzend wird heute häufig eine Einteilung in fünf sogenannte Gradgruppen verwendet. Gradgruppe 1 (Gleason-Score 6) steht für einen gut differenzierten, langsam wachsenden Tumor, während Gradgruppe 5 (Gleason-Score 9 bis 10) die höchste Risikokategorie mit besonders aggressivem Wachstum beschreibt.2

Auch interessant: Krebs unter 50 – das ist der auffälligste Risikofaktor

Wie sind die Heilungschancen?

Die Überlebensrate bei Prostatakrebs hängt vor allem davon ab, in welchem Stadium die Erkrankung entdeckt wird und wie aggressiv die Krebszellen sind. Wird der Tumor früh erkannt, sind die Heilungschancen in vielen Fällen gut. Laut aktuellen Daten des Zentrums für Krebsregisterdaten liegt die relative 5-Jahres-Überlebensrate bei rund 92 Prozent, die relative 10-Jahres-Überlebensrate bei etwa 89 Prozent.3 Die hohen Überlebensraten zeigen, dass sich Prostatakrebs heute in vielen Fällen erfolgreich behandeln lässt. Vor allem bei frühzeitiger Diagnose können Betroffene häufig über viele Jahre mit der Erkrankung leben, ohne an ihr zu versterben.

Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs mit Metastasen gilt die Erkrankung derzeit in der Regel als nicht heilbar. Ein hoher Gleason-Score von 9 oder 10 geht zwar mit einem erhöhten Risiko für Metastasen und einem aggressiven Krankheitsverlauf einher, bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sich der Krebs bereits ausgebreitet hat. Dank moderner Behandlungsmöglichkeiten können viele Betroffene heute dennoch über Jahre hinweg mit guter Lebensqualität leben.

Behandlungsmöglichkeiten bei Prostatakrebs

Überwachung

Vor allem bei älteren Patienten mit begrenztem Tumor (nach Leitlinie der Krebsgesellschaft u. a. niedriges PSA, Tumor auf Prostata begrenzt und nur in einigen Biopsien Tumor nachweisbar) und einem langsamen Tumorwachstum ohne einschränkende Beschwerden, wird eine aktive Überwachung als Therapieoption diskutiert. Hier wird engmaschig das Tumorwachstum überwacht, indem man alle drei Monate den PSA-Wert bestimmt und eine rektale Untersuchung durchführt.

Operation und Bestrahlung

Bei lokal begrenzten Tumoren mit niedrigem Risiko kann eine aktive Überwachung eine geeignete Behandlungsstrategie sein. Die aktuelle S3-Leitlinie empfiehlt sie bei geeigneten Patienten sogar als bevorzugte erste Vorgehensweise, um unnötige Eingriffe und deren mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden. Ärzte kontrollieren dabei das Tumorwachstum regelmäßig – unter anderem mithilfe von PSA-Messungen, bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomografie (MRT) und gegebenenfalls weiteren Gewebeuntersuchungen. Die Untersuchungsintervalle legen sie individuell fest.

Fokale Therapien

Fokale Therapien wie Kryotherapie (Kältetherapie) oder Ultraschallablation (hochintensiver fokussierter Ultraschall) werden zwar eingesetzt, konnten aber bislang in Studien keinen oder nur einen begrenzten Tumoreffekt gegenüber Standardtherapien zeigen. Daher werden sie in der Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft nicht empfohlen.4

Antihormonelle Therapie

Nach der Operation wird auf Grundlage des pathologischen Befundes entschieden, ob weitere Behandlungen erforderlich sind. Je nach individuellem Rückfallrisiko kommen beispielsweise eine antihormonelle Therapie, eine Bestrahlung oder eine Kombination verschiedener Verfahren infrage.

Therapiemöglichkeiten, wenn der Prostatakrebs zurückkehrt

Im Falle eines Wiederauftretens des Tumors (entweder sichtbar oder durch einen PSA-Anstieg im Blut) muss über weitere Therapiemöglichkeiten entschieden werden. Diese hängen von den bereits erfolgten Behandlungen ab und können beispielsweise eine Strahlentherapie, eine antihormonelle Therapie oder – in bestimmten Fällen – auch eine systemische Chemotherapie umfassen. Gerade im Bereich der antihormonellen Therapien haben moderne Medikamente in den vergangenen Jahren die Behandlungsmöglichkeiten deutlich erweitert, sodass eine Chemotherapie häufig erst später notwendig wird.

Operation oder Strahlentherapie können die Lebensqualität stark vermindern

Die Behandlungen eines Prostatakarzinoms – etwa durch Operation oder Strahlentherapie – können jedoch leider auch einige Spätfolgen bedingen, die die Lebensqualität des Betroffenen (auch nach einer überstandenen Krankheit) stark vermindern können. Dazu zählen u. a. dauerhafte Impotenz und Harninkontinenz.

Früherkennung verschafft Männern Lebensqualität im Alter

Ein wichtiges Instrument, um Prostatakrebs früh zu erkennen, ist die Früherkennung. Experten empfehlen Männern ab 45 Jahren mit einer Lebenserwartung von mehr als zehn Jahren, sich über die Möglichkeiten der Früherkennung beraten zu lassen. So kann die Erkrankung häufig entdeckt werden, bevor Beschwerden auftreten.

Ein Problem dabei: Prostatakrebs verursacht in frühen Stadien oft keine oder nur unspezifische Symptome. Diese ähneln häufig den Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung. Gesetzlich versicherte Männer haben ab dem 45. Lebensjahr Anspruch auf eine jährliche Früherkennungsuntersuchung beim Urologen.

Wie läuft die Untersuchung zur Früherkennung von Prostatakrebs ab?

Zuerst wird der untersuchende Urologe im Gespräch herausfinden, ob es Hinweise auf ein Prostatakarzinom geben könnte. Im Rahmen der Früherkennungsuntersuchungen, die die Krankenkassen übernehmen, wird der Facharzt zusätzlich die entsprechenden Regionen abtasten und eine sogenannte rektale Untersuchung durchführen, das heißt, er tastet die Prostata mit dem Finger über den After ab.

Darüber hinaus kann nach entsprechender Aufklärung auch ein PSA-Test durchgeführt werden, der nach aktueller Leitlinie als wichtige Methode zur Früherkennung von Prostatakrebs gilt.5 Sollte sich dabei ein verdächtiger Befund zeigen, finden weitere Untersuchungen statt.

Was geschieht bei einem verdächtigen Befund?

Bei einem verdächtigen Befund können eine Ultraschalluntersuchung und vor allem ein PSA-Test (Prostata-spezifisches Antigen) weitere Hinweise liefern. Erhärtet sich der Verdacht, entnimmt der Urologe unter örtlicher Betäubung Gewebeproben aus der Prostata und lässt diese feingeweblich untersuchen. Bestätigt die Analyse ein bösartiges Prostatakarzinom, folgen weitere Untersuchungen, um das Ausmaß der Erkrankung zu bestimmen und die bestmögliche Therapie zu planen.

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Bekannte Männer mit Prostatakrebs

In den vergangenen Jahren haben mehrere prominente Männer ihre Prostatakrebs-Erkrankung öffentlich gemacht. Aktuell sorgt vor allem der britische TV-Moderator Jeremy Clarkson („Top Gear“, „Clarkson’s Farm“) für Aufmerksamkeit. In den neuen Folgen seiner Prime-Video-Serie machte der 66-Jährige seine Prostatakrebs-Diagnose öffentlich. Im Gespräch mit seinen Co-Stars Kaleb Cooper und Charlie Ireland erklärte Clarkson, dass er an einer aggressiven Form der Erkrankung leide. Zugleich betonte er, dass Ärzte den Krebs früh entdeckt hätten. Clarkson unterzog sich einer Operation und nutzte seine Diagnose zugleich, um auf die Bedeutung der Früherkennung aufmerksam zu machen. Seine Offenheit führte laut der britischen Organisation „Prostate Cancer UK“ dazu, dass sich innerhalb kurzer Zeit ungewöhnlich viele Männer über ihr persönliches Prostatakrebs-Risiko informierten.6

Weitere prominente Betroffene sind unter anderem der ehemalige US-Präsident Joe Biden sowie Hollywoodstar Ben Stiller, der offen über seine Diagnose, die Behandlung und mögliche Folgen der Erkrankung sprach. Nach eigenen Angaben gilt Stiller seit 2014 als krebsfrei. Ebenfalls öffentlich über ihre Prostatakrebs-Diagnose gesprochen haben die Schauspieler Ian McKellen („Herr der Ringe“, „X-Men“) und Mandy Patinkin („Homeland“) sowie der ehemalige US-Präsidentschaftskandidat John Kerry. Kerry erklärte später, der Krebs sei bei ihm in einem sehr frühen Stadium entdeckt worden und bislang nicht zurückgekehrt.7

Welche Ernährung der Prävention von Prostatakrebs dienen kann

Auch die Ernährung kann einen möglichen Einfluss auf das Prostatakrebs-Risiko haben – FITBOOK berichtete ausführlich. Gemüse und Gewürze der Gattung der Kreuzblütengewächse (u. a. Brokkoli, Radieschen und Kohl) werden zumindest geringfügige (prostata-)krebsvorbeugende Eigenschaften nachgesagt. Dies gilt laut den Experten der Uniklinik Heidelberg auch für Sonnenblumenöl, Granatapfelsaft und Rotwein (bis zu vier Gläser pro Woche).8 Die Ernährung sollte möglichst entzündungshemmend sein, also aus moderaten Fleischmengen bestehen. Alkohol sollte man nur in Maßen konsumieren. Die Deutsche Krebsgesellschaft empfiehlt insbesondere, körperlich aktiv zu sein und zu versuchen, Normalgewicht zu halten.

Quellen

  1. Zentrum für Krebsregisterdaten. Prostatakrebs (Prostatakarzinom). (aufgerufen am 19.06.2026) ↩︎
  2. Prostata Hilfe Deutschland: Gleason-Score: Wie aggressiv ist mein Prostatakrebs? (aufgerufen am 19.06.2026) ↩︎
  3. Helios Gesundheit: Lebenserwartung und Heilungschancen bei Prostatakrebs (aufgerufen am 19.06.2026) ↩︎
  4. Deutsche Krebsgesellschaft: S3-Leitlinie Prostatakarzinom (aufgerufen am 19.06.2026) ↩︎
  5. G-BA: Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Früherkennung von Krebserkrankungen (aufgerufen am 19.06.2026) ↩︎
  6. The Guardian. Jeremy Clarkson shares ‘aggressive’ prostate cancer diagnosis. (aufgerufen am 19.06.2026) ↩︎
  7. Cancer Health. 10 Famous Men Who Prove There’s Life After Prostate Cancer. (aufgerufen am 19.06.2026) ↩︎
  8. Uni Klinikum Heidelberg. Wie kann man das Risiko vermindern? Prostatakarzinom. (aufgerufen am 19.06.2026) ↩︎

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