27. Februar 2026, 14:00 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Es sind ausgerechnet Stoffe, die seit Jahrzehnten in zahllosen Alltagsprodukten stecken: FITBOOK beleuchtet eine Studie, laut der bestimmte Chemikalien – neben anderen bereits bekannten Gesundheitsrisiken – mit einer beschleunigten biologischen Alterung in Zusammenhang stehen könnten. Die Rede ist von PFAS („per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen“), den sogenannten „Forever Chemicals“ beziehungsweise ewigen Chemikalien.
Was sind ewige Chemikalien (PFAS)?
Vom Pizzakarton über Kosmetikprodukte bis zur Antihaftpfanne – die sogenannten ewigen Chemikalien (manchmal auch „Für-immer-Chemikalien“) sind nahezu überall zu finden, wie FITBOOK in diesem Beitrag ausführlicher erklärt. Das Problem: Den Stoffen werden teils gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben. Studien konnten bereits Zusammenhänge zwischen ewigen Chemikalien und einer eingeschränkten Nierenfunktion, Schilddrüsenproblemen sowie Fortpflanzungsstörungen aufzeigen.1,2 Zudem werden sie unter anderem mit Entwicklungsstörungen bei Föten während der Schwangerschaft in Verbindung gebracht.3 Sie sind extrem langlebig und bauen sich in der Umwelt sowie im menschlichen Körper nur sehr langsam ab, was ihren umgangssprachlichen Namen erklärt.
Eine neue Studie legt nahe, dass PFAS im Körper auch auf das biologische Alter wirken könnten – insbesondere bei Männern einer bestimmten Altersgruppe.4 Der Begriff biologisches Alter meint den Zustand des Körpers auf molekularer Ebene, also wie „alt“ die Zellen und ihre Funktionen tatsächlich erscheinen. Es gilt als dynamischer Indikator für Vitalität und körperliche Fitness und hat potenziell Auswirkungen auf die Lebenserwartung.
Warum PFAS trotz Risiken weit verbreitet sind
Trotz verschiedener Risiken werden PFAS nach wie vor in vielen Alltagsprodukten eingesetzt, weil sie hitzestabil sind und Materialien beispielsweise schmutz- und wasserabweisend machen.5 Doch angesichts der potenziellen Gesundheitsrisiken stellt sich zunehmend die Frage, ob ihre praktischen Vorteile den breiten Einsatz tatsächlich rechtfertigen.
Details zur neuen Untersuchung
Die Forscher griffen auf Daten der großen US-Gesundheitsstudie NHANES (National Health and Nutrition Examination Survey) zurück.6 Sie analysierten Blutproben von insgesamt 326 Erwachsenen, ab 50 Jahren, erhoben Ende der 1990er-Jahre. In diesen Proben maßen sie Konzentrationen von 11 verschiedenen PFAS.
Parallel untersuchten die Forscher die DNA-Methylierung, also chemische Veränderungen an der Erbsubstanz, die sich im Laufe des Lebens ansammeln und als Marker für biologische Alterungsprozesse dienen. Mithilfe sogenannter epigenetischer Uhren – statistischer Modelle, die anhand typischer Methylierungsmuster das biologische Alter abschätzen – berechneten sie das biologische Alter der Probanden. Insgesamt nutzten sie 12 verschiedene epigenetische Altersmarker, um ein möglichst umfassendes Bild zu erhalten.
Auch interessant: Ein einfacher Bluttest verrät, wie alt man wirklich ist
Zusätzlich standen den Forschern umfangreiche Fragebogendaten zu Lebensstil, Gesundheitsfaktoren und sozialem Hintergrund der Teilnehmer zur Verfügung. Diese dienten der statistischen Kontrolle möglicher Störeinflüsse.
Zwei ewige Chemikalien im Fokus
Bei der Auswertung konzentrierten sich die Forscher auf zwei Substanzen: PFNA (Perfluorononansäure) und PFOSA (Perfluoroctansulfonamid). Beide waren in rund 95 Prozent der Blutproben nachweisbar – ein Hinweis auf die weit verbreitete Belastung in der Bevölkerung.
PFNA und PFOSA gehören zu den sogenannten „nicht-klassischen“ PFAS. Sie unterscheiden sich chemisch von den klassischen PFAS, besitzen aber die gleichen zentralen Eigenschaften: Sie sind wasser-, fett- und schmutzabweisend, extrem stabil und können sich im Körper anreichern.
Zentrale Ergebnisse der Studie und mögliche Bedeutung
Besonders deutlich zeigten sich diese Effekte bei Männern zwischen 50 und 64 Jahren. Doch auch bei den über 65-Jährigen blieb die Belastung nicht ohne Folgen: Während in der jüngeren Gruppe vor allem das Sterblichkeitsrisiko (PFNA) im Fokus stand, war bei den älteren Männern insbesondere die Substanz PFOSA mit einer beschleunigten Alterung des Fettstoffwechsels verknüpft. Bei Frauen hingegen konnten die Forscher keinen vergleichbaren Zusammenhang feststellen.
Die Ergebnisse deuten auf eine substanzspezifische Wirkung hin. PFNA steht eher mit systemischem Altern und dem Sterblichkeitsrisiko in Verbindung und PFOSA wiederum mit Altersmarkern, die den Fettstoffwechsel und die Lebensspanne widerspiegeln. Andere PFAS, die ebenfalls häufig im Blut nachgewiesen wurden, zeigten keine vergleichbaren Effekte.
Wichtig: Die Studie zeigt statistische Zusammenhänge, kann jedoch keine Ursache-Wirkung-Beziehung belegen.
Inhaltsstoff eines beliebten Getränks hat offenbar einen Anti-Aging-Effekt
Die Gefahren von PFAS für die Gesundheit und worin sie enthalten sind
Hinweise der Studienautoren
Studienautor Prof. Xiangwei Li nennt im Gespräch mit FITBOOK als mögliche Erklärung für die beobachteten Wirkungen hormonelle Unterschiede zwischen Frauen und Männern, Unterschiede in Körperzusammensetzung und Immunfunktion. Biologisch könnten die Chemikalien oxidative Stressprozesse, Fettstoffwechsel, zelluläre Signalwege und Entzündungsreaktionen beeinflussen – genau die Prozesse, die einige epigenetische Uhren erfassen.
Li betont, dass nicht nur die bekannten PFAS wie PFOA und PFOS etwaig relevant sind. Auch weniger bekannte, langlebige Stoffe könnten biologisch bedeutsam sein. Hauptquellen der Exposition seien Trinkwasser, industrielle Anwendungen und Oberflächenbehandlungen. Die Beobachtungen unterstreichen, dass Regulierung und Reduzierung von Umweltbelastungen auf breiter Ebene entscheidend sein könnten.
Für die Zukunft planen die Forscher Längsschnittstudien, größere und diversere Stichproben sowie die Integration weiterer molekularer Daten, erklärt der Professor. Dabei soll es darum gehen, die Ursache-Wirkungs-Beziehung besser zu verstehen und die Mechanismen hinter der beschleunigten Alterung aufzudecken.
Einschränkungen der Studie
Obwohl die Studie klare Muster zeigt, sollten die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden. Da es sich um eine Beobachtungsanalyse bestehender Daten handelt, lassen sich keine kausalen Schlüsse ziehen. Die Stichprobe war mit 326 Probanden relativ klein, was die statistische Aussagekraft begrenzt. Außerdem stammen die Blutproben aus den Jahren 1999/2000, sodass die heutigen PFAS-Belastungen möglicherweise anders aussehen. Die Konzentrationen der Chemikalien wurden zudem nur einmal gemessen, sodass langfristige Veränderungen oder Trends nicht erfasst werden. Schließlich sind die biologischen Mechanismen, über die PFNA oder PFOSA die Alterungsprozesse beeinflussen könnten, bislang nicht eindeutig geklärt. Die Studienautoren betonen daher, dass ihre Ergebnisse Hinweise auf Zusammenhänge liefern, aber keine endgültigen Beweise für eine direkte Wirkung darstellen.