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Studie

Fataler Effekt von Erkrankungen der Mundhöhle auf das Schlaganfall-Risiko

Schlaganfall durch Karies und Parodontitis?
Eine neue Studie zeigt, wie sehr schlechte Zähne das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Was hilft, klären wir auch. Foto: Getty Images/Science Photo Library RF
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Anna Echtermeyer
Redakteurin

30. Oktober 2025, 12:55 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Schon für sich allein genommen sind Zahnfleischentzündung und Karies zwei wahnsinnig unangenehme Erkrankungen der Mundhöhle. Treten jedoch beide gleichzeitig auf, wird es besonders gefährlich für die Gesundheit. Schlechte Zähne können massiv aufs Herz gehen, so das Ergebnis einer neuen Studie. Die Forscher stellten fest: Wenn zwei gleich alte Menschen gleich gesund leben, aber einer hat eine ruinierte Mundgesundheit, dann ist dessen Risiko fast doppelt so hoch, einen Schlaganfall zu erleiden.

Risiko eines Schlaganfalls fast doppelt so hoch

Dass sowohl Zahnfleischentzündungen (Parodontitis) als auch Karies bereits mit Hirninfarkten in Verbindung gebracht werden, darüber hat FITBOOK seit 2019 mehrfach berichtet. Doch wie steht es um die gemeinsamen Zusammenhänge? Forscher aus den USA untersuchten das nun in einer US-Kohorte. Sie stellten fest: Bei etwa jeder zehnten Person mit sowohl Parodontitis als auch Karies trat ein ischämischer Schlaganfall auf. Das Schlaganfall-Risiko bei Personen mit beiden Erkrankungen der Mundhöhle war um 86 Prozent höher als bei Menschen mit gesunder Mundgesundheit – fast doppelt so hoch.

Die in der Fachzeitschrift „Neurology“ veröffentlichte Studie basierte auf Daten einer großen US-Beobachtungsstudie, die seit 1987 Herz-Kreislauf-Erkrankungen in vier US-Regionen untersucht.1 Nachdem Forscher auf die Häufung von Schlaganfällen in Regionen der USA stießen, in denen auch Zahnprobleme häufiger sind, schauten sie sich aus dieser Studie Daten einer zahnmedizinischen Untersuchung an, die bei knapp 6000 Personen um 63 Jahre zwischen 1996 und 1998 gemacht worden war. Gezogen wurden nur Daten von Personen, die bis zum Zeitpunkt der Zahnuntersuchung weder einen Schlaganfall noch eine koronare Herzkrankheit hatten. Karies war zu diesem Zeitpunkt ein Thema, sowohl mit als auch ohne Parodontitis.

Zahnuntersuchung vor 20 Jahren – wer entwickelte einen Schlaganfall?

Die Forschenden wollten sicherstellen, dass der vermutete Zusammenhang mit Schlaganfällen wirklich durch die Mundgesundheit kommt – und nicht dadurch, dass Menschen mit schlechteren Zähnen etwa häufiger rauchen oder Diabetes haben. Deshalb haben sie in ihren Analysen statistisch berücksichtigt, wer z. B. raucht, wer Bluthochdruck hat, wie alt die Personen sind usw.

Da die Forscher erst 2019 Bilanz zogen, lagen mehr als 20 Jahre zwischen der Zahnuntersuchung Ende der 90er und der Beantwortung der Frage, welche Probanden einen Schlaganfall entwickelt hatten – und welche nicht.

Auch interessant: Warum Sportler oft schlechtere Zähne haben – und was hilft

Kernergebnis der Studie: Je ungesünder der Mund, desto höher das Schlaganfall-Risiko

Die Forscher fanden heraus, dass Menschen mit ungesunden Zähnen und Zahnfleischproblemen ein deutlich höheres Risiko haben, einen Schlaganfall oder eine andere Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bekommen.

Man kann es sich vorstellen wie eine Art Risiko-Treppe: Wer gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch hatte, hatte das kleinste Risiko für einen Hirninfarkt. Nur etwa vier von 100 dieser Menschen bekamen im Laufe der Studie einen Schlaganfall.

Wer Parodontitis hatte, aber keine Karies, landete schon eine Stufe höher: Rund sieben von 100 Personen, auf die das zutraf, bekamen später einen Schlaganfall. Und wer Parodontitis und Karies hatte, stand ganz oben auf der Risiko-Treppe. In dieser Gruppe erlitt jede zehnte Person einen Schlaganfall. Menschen mit Parodontitis und Karies hatten gar ein um 86 Prozent höheres Risiko für Schlaganfälle als Menschen mit gesunder Mundgesundheit.

100 Prozent wären eine Risiko-Verdopplung – wir bewegen uns also nur knapp darunter.

Zahnärztin verrät: »Das sind erste Karies-Anzeichen, noch bevor es schmerzt!

Wie erklären sich Forscher den Zusammenhang?

Dass eine entzündete oder beschädigte Mundgesundheit ein echtes Risiko für Herz und Hirn ist, ist keine ganz neue Erkenntnis. Doch diese neuen Studienergebnisse zeigen, wie groß die Tragweite tatsächlich ist.

Wissenschaftler erklären sich den Zusammenhang so, dass Bakterien aus entzündetem Zahnfleisch über das Blut in andere Organe gelangen. Dort können sie Entzündungen auslösen, die die Gefäße verengen oder Blutgerinnsel begünstigen – und genau das kann zu einem Schlaganfall führen.

Besonders stark war der Zusammenhang bei Schlaganfällen durch Blutgerinnsel oder Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern. Beides Probleme, die entstehen, wenn Entzündungen im Körper die Gefäße schädigen. Dass chronische Entzündungen – Parodontitis ist nichts anderes als eine entzündliche Erkrankung des Zahnbettes, die im chronischen Verlauf den Zahnhalteapparat irreversibel schädigen kann – hier offenbar eine weitreichende Rolle spielen können, liegt auf der Hand. Weiter untersucht werden sollte nun, warum genau diese beiden Arten von Schlaganfällen so häufig waren.

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Ergebnisse sehr relevant, weil Herz-Kreislauf-Erkrankungen Todesursache Nummer 1 sind

Schlaganfälle entstehen, wenn die Blutversorgung eines Gehirnareals plötzlich unterbrochen oder stark eingeschränkt wird – das Gehirn bekommt dann zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe, und Nervenzellen beginnen innerhalb von Minuten abzusterben. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die Todesursache Nummer 1.

Auch auf gesellschaftlicher Ebene sind die Resultate relevant. Schlechte Mundgesundheit war häufiger bei Personen mit niedrigerem Bildungsgrad, afroamerikanischer Herkunft und Risikoverhalten wie Rauchen. Das zeigt: Letztlich sollte eine gute Mundhygiene zur allgemeinen Prävention gehören.

Weitere Einflussfaktoren auf die Herzgesundheit

Allerdings gibt es weitaus mehr Einflussfaktoren als nur das orale Mikrobiom, wie der Kardiologe Dr. med. Christopher Schneeweis mit Praxis in Köln schon vor Längerem gegenüber FITBOOK betonte. „Wer auf seine Herzgesundheit achten möchte, sollte auch die üblichen Verdächtigen wie eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung nicht vernachlässigen.“ Ebenso wichtig: der Verzicht auf Zigaretten.

Quellen

  1. Wood S., Logue L., Meyer J. et al. (2025): Combined Influence of Dental Caries and Periodontal Disease on Ischemic Stroke Risk. Neurology Journals. ↩︎

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