25. Oktober 2026, 17:43 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Sie schützt uns rund um die Uhr, wehrt Krankheitserreger ab und repariert sich selbst. Dennoch schenken viele Menschen ihrer Haut erst Aufmerksamkeit, wenn sie juckt, spannt oder sich sichtbar verändert. Gerade in der kalten Jahreszeit erleben Betroffene von Neurodermitis oft eine Verschlechterung ihrer Beschwerden: Doch was passiert dabei eigentlich in der Haut? Und welche Maßnahmen können den oft quälenden Juckreiz lindern? Hoffnung gibt es für Betroffene in Form neuer Therapien.
Die Haut verrät oft mehr über unsere Gesundheit, als wir denken
Mit bis zu zwei Quadratmetern Fläche und einem Gewicht von rund vier Kilogramm ist die Haut das größte Organ des Menschen. Gleichzeitig ist sie ein wichtiger Hinweisgeber für die Gesundheit. Blasse Haut kann auf eine Blutarmut hindeuten, gelbliche Verfärbungen auf Erkrankungen der Leber. Auch starker Juckreiz oder ausgeprägte Trockenheit können erste Anzeichen von Stoffwechselstörungen sein.
Allerdings kann die Haut auch selbst erkranken. Zu den häufigsten Hautkrankheiten gehören Neurodermitis, Schuppenflechte und Akne. Hinzu kommt Hautkrebs, der vor allem regelmäßige Vorsorge und Aufmerksamkeit für neue oder veränderte Hautstellen erfordert.
Neurodermitis: Wenn die Hautbarriere nicht richtig funktioniert
Allein in Deutschland leben etwa 3,5 Millionen Menschen mit Neurodermitis, darunter rund 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche.1 Bei der Erkrankung kommen zwei Probleme zusammen: Zum einen reagiert das Immunsystem übermäßig stark auf Reize. Zum anderen liegt ein angeborener Defekt der Hautbarriere vor. Die Haut verliert dadurch mehr Feuchtigkeit als normalerweise, wird trocken, rissig und anfälliger für Entzündungen.
Typische Beschwerden sind:
- starker Juckreiz
- gerötete Hautstellen
- nässende oder schuppende Ekzeme
- Spannungsgefühl der Haut
- Schlafstörungen durch nächtliches Kratzen
Vor allem im Herbst und Winter verschlimmern sich die Symptome häufig. Kalte Außenluft, trockene Heizungsluft und häufige Temperaturwechsel setzen der ohnehin geschädigten Haut zusätzlich zu.
Warum Juckreiz so belastend sein kann
Juckreiz gehört für viele Menschen mit Hauterkrankungen zu den schlimmsten Symptomen. Das Problem: Kratzen verschafft häufig nur kurzfristig Erleichterung. Langfristig verschlechtert es die Situation sogar. Die Haut wird zusätzlich verletzt, Entzündungen nehmen zu und es entsteht ein Teufelskreis aus Juckreiz und Kratzen.
Experten empfehlen deshalb:
- die Haut regelmäßig einzucremen
- möglichst kurze und lauwarme Duschen
- sanfte, unparfümierte Pflegeprodukte
- luftige Baumwollkleidung statt kratzender Stoffe
- Fingernägel kurz halten
- bekannte Auslöser möglichst meiden
Was hilft wirklich bei Neurodermitis?
Ursachen, Symptome und Behandlung von Neurodermitis bei Kindern
Große Entwicklungen: Moderne Therapien bei Neurodermitis
Über viele Jahre galt Kortison als wichtigste Behandlung gegen Neurodermitis. Noch immer werden laut Prof. Matthias Augustin, Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie am UKE Hamburg, fast 90 Prozent der äußerlich behandelten Patienten mit Kortison versorgt. Doch in den letzten Jahren hat sich in der medizinischen Versorgung von Neurodermitis viel getan. Und so stehen Ärzten und Betroffenen ganz neue Optionen offen.
Immuntherapien
Inzwischen stehen jedoch deutlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung. Dazu gehören moderne Immuntherapien, die gezielt Entzündungsprozesse unterbrechen und teilweise auch den Juckreiz deutlich reduzieren können. Allerdings erhalten viele Betroffene diese Behandlungen nicht, weil sie nie einen spezialisierten Hautarzt aufsuchen oder moderne Therapien nicht bekannt sind.
Nemolizumab
In den vergangenen Jahren hat sich die Behandlung von Neurodermitis deutlich weiterentwickelt. Ein Beispiel ist der Wirkstoff Nemolizumab. „Damit ist etwas hinzugekommen, was noch hilft oder eine Chance auf Hilfe hat, wenn die anderen Mittel schon nicht mehr funktionieren“, erklärte Prof. Augustin auf dem BILD-Vorsorgegipfel.
JAK-Hemmer
Eine weitere wichtige Option sind sogenannte Januskinase-Hemmer (JAK-Hemmer). Sie blockieren bestimmte Entzündungsbotenstoffe im Immunsystem und können dadurch Symptome wirksam reduzieren. Nachdem Sicherheitsbedenken zeitweise für Verunsicherung gesorgt hatten, bewertet der Experte ihren Einsatz heute deutlich positiver: „Inzwischen haben wir gesehen, dass diese Medikamente bei sachgerechtem Einsatz sehr sicher sind und man sie bei Neurodermitis vielfach gut geben kann.“
Neu ist außerdem ein JAK-Hemmer zum Auftragen auf die Haut. Damit gibt es erstmals seit rund 24 Jahren wieder eine relevante Innovation bei der äußerlichen Neurodermitis-Therapie.
So können Betroffene Schüben vorbeugen
Eine Heilung der Neurodermitis ist bislang nicht möglich. Dennoch lässt sich viel tun, um Beschwerden vorzubeugen und die Hautbarriere zu stabilisieren.
Dazu gehören:
- tägliche rückfettende Basispflege
- konsequente Behandlung von Entzündungen
- Vermeidung bekannter Auslöser
- Schutz vor kalter Luft und trockener Heizungsluft
- Stressreduktion
- frühzeitige Behandlung von Infekten
Besonders bei Kindern mit familiärer Vorbelastung kann eine konsequente Hautpflege dazu beitragen, die empfindliche Hautbarriere zu stärken und Schübe zu reduzieren. Gerade jetzt, wenn die Temperaturen sinken und die Heizungen wieder laufen, wird diese Basispflege besonders wichtig.