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Seltene hormonelle Störung

Morbus Cushing – Ursachen, Symptome und Behandlung der Erkrankung

nebenniere
Die Nebennieren produzieren Cortisol: ein Hormon, das bei Morbus Cushing im Überschuss vorliegt. Foto: SEBASTIAN KAULITZKI/SCIENCE PHOTO LIBRARY
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Melanie Hoffmann
Fitness- und Schlafexpertin

10. Mai 2026, 8:01 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Jährlich erkranken in Deutschland nur wenige Menschen an Morbus Cushing, dennoch kann die seltene Erkrankung gravierende Folgen haben. FITBOOK-Redaktionsleiterin Melanie Hoffmann erklärt, was dahintersteckt, welche Symptome auftreten und wie Diagnose und Behandlung erfolgen.

Was ist Morbus Cushing?

Morbus Cushing ist mit ca. 75 Prozent die häufigste Form des endogenen Cushing-Syndroms.1 Das Cushing-Syndrom umfasst Erkrankungen, die durch eine Konzentrationserhöhung von Nebennierenrinden-Hormonen, allen voran Cortisol, ausgelöst werden.2

Beim Cushing-Syndrom unterscheidet man zwischen dem exogenen und dem endogenen Cushing-Syndrom. Exogen bedeutet, dass die Erkrankung durch nicht körpereigene Faktoren ausgelöst wird – meist durch eine hohe Zufuhr von Kortison im Rahmen einer medikamentösen Therapie.3 Eine solche Behandlung kommt häufig bei entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sowie bei Autoimmunerkrankungen zum Einsatz. Das Cushing-Syndrom kann daher ein unerwünschter Nebeneffekt der Therapie dieser Erkrankungen sein.

Von einem endogenen Cushing-Syndrom spricht man, wenn es die Folge einer körpereigenen Überproduktion von Cortisol ist, zum Beispiel durch Störungen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) oder der Nebennieren.4

Auch interessant: Symptome, die auf Morbus Wegener – hindeuten

Symptome der Erkrankung

  • Vollmondgesicht
  • Diabetische Stoffwechsellage ähnlich Diabetes mellitus
  • Stammfettsucht
  • Gewichtszunahme
  • Stiernacken
  • Rote Dehnungsstreifen auf der Haut
  • Akne
  • Geschwüre
  • Die Haut wird an manchen Stellen dünn
  • Muskelschwäche und Muskelschwund
  • Immunschwäche
  • Endokrines Psychosyndrom, eine durch hormonelle Störungen ausgelöste psychische Erkrankung, die sich durch Wesensveränderung auszeichnet5
  • Hirsutismus (vermännlichte Körperbehaarung) und Amenorrhö (Ausbleiben der Menstruation) bei Frauen
  • Bluthochdruck
  • Osteoporose
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Potenzminderung bei Männern
  • Wachstumsstörungen bei Kindern
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Mögliche Ursachen

Morbus Cushing ist eine endogene Form der Erkrankung, in den meisten Fällen (ca. 80 Prozent) verursacht durch ein Hypophysenadenom. Dabei handelt es sich um einen gutartigen Hirntumor (Adenom) an der sogenannten Hypophyse – der Hirnanhangdrüse –, der sich auf den Hormonhaushalt auswirken kann.6 Genauer kann dies dazu führen, dass die Hypophyse große Mengen des Hormons ACTH produziert, welches die Nebennierenrindenfunktion, genauer die Freisetzung von Cortisol, reguliert.7

Mögliche weitere Ursachen können eine Überfunktion des Hypothalamus (Teil des Zwischenhirns) sowie die Bildung von Autoantikörpern sein, die sich gegen Zellen des Hypophysenvorderlappens richten.

Wie wird Morbus Cushing diagnostiziert?

Gibt es Anzeichen für ein Cushing-Syndrom, kann die Messung des Cortisolspiegels Aufschluss geben. Dafür macht der behandelnde Arzt einen Bluttest, alternativ oder zusätzlich eine Speichel- oder Urinprobe. Bildgebende Verfahren des Gehirns wie MRT und CT werden angewandt, um herauszufinden, ob ein Tumor im Bereich der Hypophyse die Ursache des Cortisol-Überschusses im Körper sein könnte. In dem Fall lässt sich die Diagnose des Cushing-Syndroms auf die genaue Variante, nämlich den Morbus Cushing, spezifizieren.

Behandlung

Da die Ursache von Morbus Cushing meistens ein Tumor in der Hypophyse ist, besteht eine Therapie häufig darin, diesen zu entfernen. Das kann durch Bestrahlung oder einen operativen Eingriff geschehen. Ist dies nicht möglich oder sind die Bemühungen erfolglos, ist eine weitere Option, die Nebennieren operativ zu entfernen. Außerdem gibt es Medikamente, die die ACTH-Bildung oder die Produktion und Wirkung von Cortisol hemmen.

Eine aktuelle Studie aus Indien zeigt, dass Medikamente wie Pasireotid, Osilodrostat, Mifepriston und Levoketoconazol den erhöhten Cortisolspiegel bei Morbus Cushing wirksam senken können. Die Remissionsraten variieren jedoch deutlich und liegen im Schnitt bei etwa 64 Prozent, mit besseren Ergebnissen etwa für Mifepriston und Osilodrostat. Auch die Lebensqualität verbessert sich moderat. Da Patienten unterschiedlich auf die Therapien reagieren und Nebenwirkungen variieren, ist eine individuell angepasste Behandlung entscheidend.8

Auch nach erfolgreicher Behandlung bleibt das Cushing-Syndrom für viele Betroffene eine langfristige Herausforderung. Eine Studie der Universität Turin zeigt, dass die Erkrankung zahlreiche Folgen für Herz, Stoffwechsel, Knochen und die psychische Gesundheit hat.9 Entscheidend: Selbst wenn sich die Hormonwerte normalisieren, verschwinden viele Begleiterkrankungen nicht vollständig. Betroffene haben daher oft weiterhin ein erhöhtes Gesundheitsrisiko und eine eingeschränkte Lebensqualität. Umso wichtiger sind eine frühe Diagnose, eine langfristige Nachsorge und die gezielte Behandlung der Folgeschäden.

Quellen

  1. Nicolay, N, Reinsch, H. et al. Morbus Cushing. DocCheckFlexikon (zuletzt aufgerufen am 06.05.2026) ↩︎
  2. Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten. Was ist ein Cushing-Syndrom? (zuletzt aufgerufen am 06.05.2026) ↩︎
  3. Grosser, M., Feichter, M. Cushing-Syndrom. netDoktor (zuletzt aufgerufen am 06.05.2026) ↩︎
  4. Universitäts Spital Zürich. Cushing Syndrom: Wenn Kortisol das Blut überschwemmt. (zuletzt aufgerufen am 06.05.2026) ↩︎
  5. Spektrum.de. Endokrines Psychosyndrom. (zuletzt aufgerufen am 06.05.2026) ↩︎
  6. Schön Klinik Gruppe. Hypophysenadenom. (zuletzt aufgerufen am 06.05.2026) ↩︎
  7. Grossman, A. B. Cushing-Syndrom. MSD Manual. (zuletzt aufgerufen am 06.05.2026) ↩︎
  8. Kumar S et al. (2025). Comparative Efficacy and Safety of Medical Treatments for Cushing’s Disease: A Systematic Review and Network Meta-Analysis. https://doi.org/10.1101/2025.09.01.25334840. (zuletzt aufgerufen am 06.05.2026) ↩︎
  9. Puglisi S., Perini A.M.E., et al. (2024). Long-Term Consequences of Cushing Syndrome: A Systematic Literature Review. J Clin Endocrinol Metab. (zuletzt aufgerufen am 06.05.2026)
    ↩︎

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