19. März 2026, 17:36 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Meningitis B ist in Deutschland die mit Abstand häufigste Art der Meningitis und stellte die Medizin lange Zeit vor ein unlösbares Problem. Die Infektion ähnelt zu Beginn zwar einer gewöhnlichen Grippe, wird aber schnell gefährlich. Wir erklären Ihnen die Symptome von Meningitis B und was diese Meningitis von den anderen Formen unterscheidet.
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Der grundsätzliche Unterschied besteht in den Erregern, die die Meningitis auslösen. Meningitis B ist auf bestimmte Bakterien zurückzuführen: Meningokokken B, abgekürzt MenB.1
Meningitis kann auch durch andere Bakterien und im Fall von viraler Meningitis von Viren verursacht werden. Alle Informationen dazu finden Sie in diesem FITBOOK-Artikel.
Die Schwere der Symptomatik
Die virale Form verläuft meist milder und heilt oft von selbst ab. Bakterielle Meningitis ist die deutlich bedrohlichere Variante. Der Körper kann sie nicht allein bekämpfen, eine schnelle Behandlung mit Antibiotika ist zwingend notwendig. Tückisch ist, dass beide Formen zu Beginn dieselbe, harmlos scheinende, Symptomatik aufweisen.
Harmlos scheinend, weil eine Meningitis zunächst wie eine gewöhnliche Grippe wirkt: plötzliches Fieber, Kopfschmerzen und Schüttelfrost. Diese Symptome können sich bei der bakteriellen Meningitis innerhalb weniger Stunden jedoch zu einem lebensbedrohlichen Zustand entwickeln. Bis zu einem Tag nach den ersten harmlosen Symptomen entstehen punktförmige Hauteinblutungen, sogenannte Petechien. Sie sind ein Hinweis auf eine lebensbedrohliche Sepsis, und es sollte umgehend gehandelt werden. Die Erkrankung äußert sich meist als Hirnhautentzündung oder Sepsis, mit Sterblichkeitsraten von bis zu 33 Prozent im schwersten Fall.
Wie ansteckend ist Meningitis B?
In puncto Übertragung und Infektiosität sind sich die verschiedenen Stämme sehr ähnlich. Außerhalb des Körpers sterben Meningokokken schnell ab. Daher sind Infektionen seltener als Masern und Covid-19. Die Variante B weist die meisten Erkrankungsfälle aller Meningitis-Typen in Deutschland auf – mit knapp 60 Prozent. Dennoch ist eine Meningokokken-Erkrankung sehr selten. Auf eine Million Menschen kommen im Jahr vier Fälle.2 Meningokokken übertragen sich durch Tröpfcheninfektion. Diese kommen zustande bei einem engen und längeren Kontakt, wie Küssen, Anhusten, dem Teilen von Besteck und Gläsern, oder auch dem Teilen von E-Zigaretten. Ein Paradebeispiel für die Verbreitung ist der jüngste Vorfall in der Kleinstadt Canterbury in England. Dort haben sich nach einem Wochenende Hunderte infiziert, als sie alle denselben Nachtclub besuchten.
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Die Risikogruppen
Meningitis trifft nicht jeden gleich hart. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder unter fünf Jahren, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Eine zweite Risikogruppe sind Jugendliche und junge Erwachsene – vor allem dann, wenn sie in Gemeinschaftsunterkünften leben, wie in Studentenwohnheimen. Enger Kontakt auf engem Raum, wie das Beispiel aus Canterbury zeigt, begünstigt die Verbreitung. Auch Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa durch bestimmte Vorerkrankungen, sind anfälliger für eine Infektion.
Die Unterscheidung beim Impfstoff
Meningokokken-Bakterien haben verschiedene Stämme: MenA, MenB (der Fokus dieses Artikels), MenC, MenW und MenY. Wenn Sie von MenB lesen, fällt Ihnen vielleicht auch der Begriff „Serogruppe“ auf – das ist lediglich die wissenschaftlichere Bezeichnung für diese Stämme und meint nichts anderes als eine Gruppe von Mikroorganismen mit ähnlichen Oberflächenmerkmalen.
Welchem Stamm die Infektion angehört, ist entscheidend, vor allem wenn es um den Impfschutz geht. Gegen die anderen Formen lassen sich klassische Impfstoffe einsetzen. Bei MenB ist das jedoch nicht so einfach, denn die Oberfläche der Bakterien ähnelt bestimmten Strukturen menschlicher Nervenzellen so stark, dass das Immunsystem sie kaum als „fremd“ einstuft – und deshalb keine ausreichende Abwehrreaktion aufbaut.3 Neuere MenB-Impfstoffe umgehen dieses Problem dadurch, dass sie auf andere Bestandteile der Bakterien abzielen.