2. April 2026, 14:09 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Seit dem 1. April ist ein neues Medikament bei Beschwerden in den Wechseljahren erhältlich. Das hormonfreie Präparat verbessert die Symptome bereits nach kurzer Zeit, wie drei große Studien belegen konnten. Und es hat noch weitere Vorteile.
Grünes Licht auch von der EU: Nachdem Lynkuet (Bayer) bereits in den USA, Australien, Kanada, Großbritannien sowie in der Schweiz zugelassen worden war, ist das neue verschreibungspflichtige Wechseljahres-Medikament nun auch in Deutschland erhältlich. Das nicht-hormonelle Arzneimittel enthält den Wirkstoff Elinzanetant und wird in Form einer Weichkapsel täglich vor dem Schlafengehen eingenommen. Übrigens ist Lynkuet nicht nur während der Menopause eine große Stütze, sondern auch Brustkrebspatientinnen profitieren davon.1
So wirkt Lynkuet bei Beschwerden in den Wechseljahren
Hitzewallungen und Schlafprobleme gehören zu den besonders unliebsamen Symptomen. Die Hormonersatztherapie gilt zwar als die wirksamste Behandlung für Wechseljahresbeschwerden, doch fühlt sich nicht jede Frau wohl damit, sich hormonell therapieren zu lassen. Der Ruf, dass hormonfreie Alternativen weniger effektiv seien, könnte sich nun ändern. Lyncuaet wirkt direkt im Gehirn, genauer gesagt in dem Bereich, der die Körpertemperatur steuert. Er beeinflusst dort bestimmte Signalwege, die durch den Hormonabfall aus dem Gleichgewicht geraten sind. Indem der Wirkstoff wie ein Thermostat wirkt, werden Hitzewallungen seltener und schwächer. Dadurch verbessert sich automatisch die Nachtruhe.
Ähnlich kann das Medikament auch Beschwerden bei Brustkrebspatientinnen lindern. Das Mittel hilft Frauen, die aufgrund einer hormonellen Brustkrebstherapie unter Hitzewallungen leiden.
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Studien belegten Wirksamkeit
Die EU-Entscheidung, das Wechseljahres-Medikament zuzulassen, basiert auf drei Hauptstudien und einer unterstützenden Studie. Zusammen nahmen über 1800 Probandinnen an mehr als 180 internationalen Standorten teil. Alle drei Untersuchungen kamen zu einem sehr ähnlichen Ergebnis: Im Vergleich zum Placebo berichteten die Probandinnen, dass Hitzewallungen und Schlafstörungen nach zwölf Wochen spürbar weniger geworden sind. Dieser Effekt blieb auch nach 50 Wochen Einnahme bestehen, was die Langzeitwirkung belegt. Insgesamt verbesserte sich laut Aussagen der Frauen ihre Lebensqualität deutlich.
Keine Wirkung ohne Nebenwirkung
Für Frauen, die auf äußere Hormonzugaben bewusst verzichten wollen, sind das gute Nachrichten. Allerdings können folgende Nebenwirkungen auftreten:
- Kopfschmerzen
- Ermüdung
- Schwindel
- sich schläfrig oder müde fühlen
- Magenschmerzen
- Ausschlag
- Durchfall
- Muskelkrämpfe
Während man die einsetzende Schläfrigkeit durch die abendliche Einnahme zu seinem Vorteil nutzen kann, ruft der Pharmakonzern Bayer dazu auf, jeden Verdacht auf bekannte oder noch unbekannte Nebenwirkungen umgehend dem behandelnden Arzt mitzuteilen. 2
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Insgesamt gut verträglich
Dennoch wurde Lynkuet in den meisten Fällen gut vertragen und weist ein akzeptables Sicherheitsprofil auf. Die Europäische Arzneimittel-Agentur gelangte daher zu dem Schluss, dass der Nutzen von Lynkuet gegenüber den Risiken überwiegt und es in der EU zugelassen werden kann.
Gynäkologin: „Hat Potenzial, Durchbruch zu werden.“
Wird sich dank Lynkuet schon bald das Leben von Millionen Frauen zum Positiven verändern? „Für die Behandlung von Hitzewallungen könnte es ein Durchbruch sein“, sagt Gynäkologin Dr. med. Heid Goesslinghoff gegenüber FITBOOK. „Diese waren bis dato nur sehr schwer in den Griff zu bekommen. Neu ist auch, dass dieses Medikament den Schlaf verbessert.“ Was es leider nicht könne, sei, Osteoporose vorzubeugen oder Scheidentrockenheit zu therapieren.
Ein weiterer wichtiger Hinweis, vor dem auch Bayer ausdrücklich warnt: Im Falle einer Schwangerschaft hat Lynkuet fatale Folgen für das Ungeborene. Dazu gehören Entwicklungsstörungen bis hin zur Fehlgeburt. Viele Frauen glauben fälschlicherweise, dass eine Schwangerschaft mit Beginn der Wechseljahresbeschwerden unmöglich ist. „Das stimmt nicht. Sie kommt vor, wenn auch selten“, weiß Goesslinghoff als Kinderwunschexpertin. „Bei 45-jährigen Frauen liegt die Chance bei ein bis zwei Prozent pro Zyklus.“ Daher sollte bei Einnahme auch nur beim kleinsten Verdacht umgehend ein Test gemacht werden.