1. Dezember 2025, 4:52 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wer lange jung bleiben möchte, sollte nicht nur auf Stressreduktion und genügend Bewegung achten, sondern sich für seine sogenannte Longevity auch ganz aktiv der Lunge zuwenden. Denn das Organ hat maßgeblich Einfluss auf die Lebenserwartung, wie zahlreiche Studien belegen. Kurz gesagt: Wer richtig atmet, lebt länger.
Longevity bzw. Langlebigkeit ist der wohl größte Wellnesstrend der Neuzeit. Dabei geht es nicht nur darum, möglichst alt zu werden, sondern möglichst lange gesund und fit zu bleiben. Dafür ist es wichtig, sich eine gesunde und nachhaltige Lebensroutine aufzubauen. Kurzum: Sich jung zu fühlen, ist keine Kunst, sondern das wohltuende Ergebnis harter Arbeit. Dass dabei die Organe eine entscheidende Rolle spielen, liegt auf der Hand. Immerhin fungieren sie als Motor, Filter oder Pumpe unseres Körpers.
Damit Zellen wachsen und sich gesund halten können, benötigen sie Sauerstoff, der durch den Blutkreislauf transportiert wird – auch in Muskeln, Gehirn und andere Organe. Die Bedeutung der Lungengesundheit für ein langes Leben ist also offensichtlich. Und auch die medizinische Forschung lieferte bereits spannende Anhaltspunkte. So konnten verschiedene Studien zeigen, dass ein langes, gesundes Leben und ein großes Lungenvolumen tatsächlich im Zusammenhang stehen.
Longevity und Lunge – das sagt die Wissenschaft
Dass die Lungenkapazität der wohl wichtigste Parameter im Hinblick auf die Sterblichkeit ist, konnte bereits in den 1970er und 1980er Jahren erfolgreich nachgewiesen werden. Im Mittelpunkt der Forschung steht seitdem der FEV1-Messwert aus dem Lungenfunktionstest. Die „Buffalo Health Study“ begleitete in den 1970er Jahren in den USA etwa 5000 Erwachsene und war die wohl bekannteste Studie zu dem Thema.1 In regelmäßigen Abständen, über etwa drei Jahrzehnte hinweg, wurde bei den Probanden die Lungenfunktion gemessen. Das eindeutige Ergebnis unter Beachtung von Alter, Geschlecht und Risikofaktoren: Ein niedriger FEV1-Wert ist in den meisten Fällen mit einer deutlich erhöhten Sterblichkeit verbunden. Weitere Langzeitstudien, die u. a. in den Fachmagazinen „New England Journal of Medicine“, „Respiratory Research“ oder „Bio Med Central“ erschienen, stützen die These. Wer sich also an einer hohen Lebenserwartung erfreuen möchte, sollte also intensiv auf die Gesundheit und das Volumen der Lunge achten.
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Lunge gesund halten – so geht’s
Korrekte Atmung
Atmen ist ein Reflex. Etwa 20.000 Mal atmen gesunde Menschen pro Tag ein und aus.2 Kaum einer denkt darüber nach. Es passiert einfach, ob man will oder nicht. Das kann aber auch gefährlich werden, denn die Art und Weise, wie wir atmen, ist entscheidend für die Gesundheit der Lunge. Um langfristig das Beste herauszuholen, sollte man auf den Rat von Ärzten und Experten hören. Demnach sei die einzig richtige Atmung die, die das Zwerchfell aktiviert und tief in den unteren Rippenbereich geht.
Dieser Meinung ist auch Atemtherapeutin Martina Penxová. In einem Artikel des Goethe-Instituts beschreibt sie, wieso das oftmals nicht passiert: „Menschen, die dauernd unter Stress stehen, haben eine flache und schnelle Atmung, sie atmen viel kürzer aus als ein. Das heißt, sie hyperventilieren sozusagen.“3 Der daraus resultierende permanente Sauerstoffmangel könne langfristig gesehen zu Krankheiten führen und Organe schädigen. Wichtig sei auch, darauf zu achten, dass Ein- und Ausatmung Hand in Hand gehen und etwa gleich lang sind. Optimal ist die Nasenatmung, da so die eingeatmete Luft gefiltert, befeuchtet und erwärmt wird – ein natürlicher Schutz vor Krankheitserregern.
Salztherapie und Inhalieren
Um seiner Lunge etwas Gutes zu tun oder Krankheiten wie Asthma zu verbessern, bietet sich die Therapie in einer Salzgrotte an. Dabei atmet man feines Salz, das sich ganz natürlich in der Luft befindet, ein.4 Die Partikel wirken entzündungshemmend und befeuchten die Schleimhäute. Dadurch können Schwellungen und Verschleimungen gelöst werden, die Atmung wird freier. Wer regelmäßig eine solche Salzkammer besucht, stellt wahrscheinlich fest, dass sich das Bronchialsystem spürbar beruhigt und die Selbstreinigung der Atemwege angeregt wird. Tipp: Auch zu Hause kann man die Salztherapie, auch als Halotherapie bekannt, anwenden. Dazu benötigt man lediglich einen Vernebler und Kochsalzlösung.
Einen ähnlichen Effekt wie Salzkammern haben herkömmliche Inhalationen, die man mit ätherischen Ölen anreichern kann. Diesen sagt man nach, die Atemwege zu beruhigen. Aber Vorsicht: Laut des Bundesinstitutes für Risikobewertung sollte man auf hochkonzentriertes Teebaumöl verzichten, da es die Schleimhäute reizen kann.5 Besser geeignet ist frisch aufgebrühter Kamillentee.
Fitness
Sport ist gesund für den ganzen Körper – und die Lunge ganz besonders. Durch Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen und Radfahren werden die Aufnahme von Sauerstoff und die Atemmuskulatur verbessert. Neue Forschungen bestätigen in diesem Zusammenhang: Je gesünder die Lunge ist, desto höher die maximale Sauerstoffaufnahme (VO₂max).6 Dieser Wert gibt an, wie viel Sauerstoff der Körper bei intensiver Belastung effizient in Energie umwandelt und in die Zellen sowie Muskeln transportiert. Er gilt als wichtigster Marker für kardiorespiratorische Gesundheit – und damit eben auch für Langlebigkeit.
Eine Kohortenstudie, veröffentlicht 2018 im JAMA Network Open, untersuchte 122.007 erwachsene Probanden und fand heraus: Je höher die Fitnessklasse, die wiederum vom VO₂max-Wert abhängt, desto niedriger die Sterblichkeitsrate.7 Laut einer Erhebung aus dem European Respiratory Journal könne regelmäßige Bewegung, vor allem Intervall- oder Höhentraining, den VO₂max-Wert verbessern, die Atemmuskulatur stärken, die Regeneration der Lungenbläschen anregen – und die Organleistung um bis zu 10 Prozent steigern. Man kann also sagen: Wer seine Lunge trainiert, trainiert gleichzeitig seine Lebenszeit.
Gesund dank gesunder Lunge
Während der weltweiten Corona-Pandemie rückten der VO₂max-Wert und die allgemeine Lungengesundheit stärker in den Fokus. Verschiedene Studien setzten diese Indikatoren in Bezug zu den Sterberaten durch die Atemwegserkrankung Covid-19. Die Ergebnisse waren eindeutig. Wie eine Analyse aus dem UK-Biobank-Datensatz aufzeigen konnte, entwickelten Menschen mit moderater bis hoher Fitness seltener schwere Krankheitsverläufe. Auch die Sterberate war signifikant niedriger als bei Menschen, die eher unsportlich waren.8 Durch eine gesunde Lunge können also durchaus Atemwegserkrankungen gänzlich vermieden oder zumindest abgeschwächt werden.