14. September 2026, 20:04 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Es ranken sich verschiedene Mythen darum, was im Körper eines Mannes passiert, wenn er über einen längeren Zeitraum keinen Sex hat. Da ist unter anderem von Libidoverlust, Samenstau und Erektionsstörungen die Rede. Was davon stimmt und was nicht – FITBOOK hat bei einem Urologen nachgefragt.
Samenstau, Libidoverlust und Spermien, die irgendwann schlecht werden: Um das Thema Sex-Abstinenz beim Mann ranken sich regelrechte Horrorgeschichten. Doch welche Auswirkungen hat es wirklich, wenn Männer länger keinen Sex mit einer Partnerin oder einem Partner, keine Erektion und keine Samenergüsse bekommen, oder nicht masturbieren?
Wir haben einige Mythen zu dem Thema mit einem Experten auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft.
Verändern sich die Geschlechtsorgane?
Muskeln, die lange nicht gefordert werden, bilden sich zurück. Eine ähnliche Entwicklung könnten theoretisch auch die Geschlechtsorgane nehmen – also praktisch nicht mehr so funktionieren, wie sie sollten. Doch Dr. med. Christoph Pies, Facharzt für Urologie und Buchautor, klärt im Gespräch mit FITBOOK auf: „Dass der Penis eines gesunden Mannes allein wegen ausbleibenden Geschlechtsverkehrs verkümmert oder vernarbt, ist nicht belegt. Anhaltende Erektionsstörungen sollten unabhängig von der sexuellen Häufigkeit ärztlich abgeklärt werden.“
Samenstau – gibt es das wirklich?
Lange keinen Sex zu haben, soll einen Samenstau verursachen und die Hoden anschwellen lassen – eine schmerzhafte Vorstellung, die glücklicherweise ins Reich der Legenden verfrachtet werden kann. Urologe Dr. Pies gibt Entwarnung. „In den Hoden werden zwar durchgehend neue Spermien produziert, doch ungebrauchte werden früher oder später abgebaut oder durch einen nächtlichen Samenerguss ausgestoßen.“ So etwas wie Samenstau gibt es also nicht.
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Können Spermien „schlecht“ werden?
„Die Dauer der Ejakulationskarenz kann verschiedene Samenparameter beeinflussen“, erläutert der Experte. „Längere Intervalle erhöhen häufig Volumen, Konzentration und Gesamtzahl der Spermien, während kürzere Intervalle mit einer besseren progressiven Beweglichkeit und geringerer DNA‑Fragmentierung verbunden sein können.“ Spermien werden durch Abstinenz also nicht einfach „schlecht“, die Messwerte können sich jedoch verändern.
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Haben Sex und Sexentzug Einfluss auf die Prostata?
Es gibt zumindest Hinweise aus der Forschung. Eine Studie konnte einen statistischen Zusammenhang aufzeigen. Dabei handelte es sich um eine Langzeitauswertung von Beobachtungsstudien, die 2016 veröffentlicht wurde. Sie ergab bei mindestens 21 gegenüber vier bis sieben Ejakulationen pro Monat ein etwa 19 bis 22 Prozent niedrigeres Erkrankungsrisiko.1„Daraus lässt sich aber bislang weder ein ursächlicher Schutz noch eine medizinische Empfehlung für eine bestimmte Zahl von Ejakulationen ableiten“, betont Pies.
Schädigt Sexentzug die seelische Gesundheit?
Sexuelle Aktivität, Wohlbefinden, Beziehungssituation, Stress sowie körperliche und psychische Gesundheit können sich gegenseitig beeinflussen. Die Einschätzung des Urologen: „Unfreiwillige sexuelle Abstinenz kann als belastend empfunden werden; freiwillige Abstinenz ist dagegen nicht grundsätzlich gesundheitsschädlich.“
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Hat das Fehlen sexueller Erlebnisse Einfluss auf das Testosteron?
Eine Studie aus dem Jahr 2021 lieferte zwar Hinweise auf kurzfristige Veränderungen des freien Testosterons nach Masturbation bzw. sexueller Stimulation. Sie belegt aber keinen langfristigen Abfall durch ausbleibende Ejakulationen.2 „Für eine klinisch relevante, dauerhafte Veränderung des Testosteronhaushalts durch Abstinenz gibt es bislang keine belastbaren Hinweise“, betont auch Pies.
Verschwindet die Libido, wenn man lange keinen Sex hat?
Auch hier müssen sich Männer keine Sorgen machen. Die Libido verschwindet nicht regelhaft durch Abstinenz. Sie wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst, etwa von körperlicher und psychischer Gesundheit, Hormonen, Medikamenten, Stress und der Beziehungssituation. Auch nach längerer sexueller Abstinenz kann die sexuelle Lust wieder zunehmen, etwa bei einer neuen Partnerschaft.