20. Oktober 2025, 4:12 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Unter den Begriffen labiale Hypertrophie, Labienhypertrophie oder „Schamlippenhypertrophie“ versteht man vergrößerte Schamlippen. Unterschiedliche Formen und Größen sind auch im Intimbereich einer Frau nichts Ungewöhnliches und so normal wie der Umstand, dass manche Menschen blaue, andere graue, braune oder grüne Augen haben. Je nach Ausprägung können große Schamlippen aber Beschwerden verursachen und in seltenen Fällen eine Behandlung notwendig machen.
Die Vulva enthält zwei Sätze von Hautfalten oder Lippen: die großen Außenfalten bzw. großen Schamlippen, und die kleineren, inneren Falten, also die kleinen Schamlippen. Mit „Schamlippenhypertrophie“ kann sowohl die Vergrößerung der äußeren als auch der inneren Schamlippen gemeint sein. Da vielfach keine Beschwerden damit einhergehen, bemerken viele Frauen eine Vergrößerung wahrscheinlich gar nicht. Sind die inneren Schamlippen vergrößert und stehen weiter hervor als die äußeren Schamlippen, kann dies jedoch unangenehm werden, weil sie grundsätzlich empfindlicher sind.
Im Übrigen können – wie so vieles am Körper – auch die Schamlippen asymmetrisch sein und z. B. nur eine innere Lippe hervorsehen.
Mögliche Beschwerden durch große Schamlippen
Bei einer Labienhypertrophie handelt es sich zunächst nicht um ein medizinisches Problem. Dennoch können Frauen unter vergrößerten Schamlippen leiden.1
Ästhetik
Wer einem zumeist unerreichbaren Idealbild einer Frau entsprechen möchte, könnte aus ästhetischen Gründen unter Asymmetrie und großen Schamlippen leiden. Labiale Hypertrophie kann zudem in gewissen Situationen sichtbar werden, indem sie z. B. eine merkliche Beule in der Kleidung verursacht, besonders beim Tragen von engen Kleidungsstücken wie Leggings, Bikinis oder Badeanzügen.
Höhere Infektionsgefahr
Labiale Hypertrophie kann die Hygiene im Intimbereich erschweren, etwa während der Periode und besonders, wenn die Schamlippen empfindlich sind. Das kann das Risiko für Infektionen erhöhen, die sogar chronisch werden können.
Gereizte Haut
Wenn durch die Labialhypertrophie die empfindlichen inneren Schamlippen hervorstehen und ständig mit der Unterwäsche in Kontakt kommen, kann dies zu unangenehmer Reizung der Haut an dieser Stelle führen.
Schmerzen
Es kann bei Alltagsbewegungen zu Unbehagen und Schmerzen kommen, weil Druck auf die empfindliche Partie im Intimbereich ausgeübt wird. Besonders Aktivitäten wie Fahrradfahren und Reiten können unangenehm werden. Aber auch das Empfinden beim Sex kann gestört sein, bis hin zu Schmerzen bei Berührung.
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Was verursacht große Schamlippen?
Schamlippen können zum einen von Geburt an „vergrößert“ sein. Sie können sich aber auch im Verlauf des Lebens einer Frau verändern, etwa bedingt durch hormonelle Faktoren, z. B. während der Pubertät, der Schwangerschaft oder der Wechseljahre.
Auch Infektionen oder ein Trauma im Genitalbereich können zu labialer Hypertrophie führen.
Diagnose
Es gibt kein Maß oder eine bestimmte Optik, ab der man von einer Schamlippenhypertrophie spricht. Denn solange keine Beschwerden vorliegen, sind große Schamlippen kein Problem, um nicht zu sagen normal.
Bei Beschwerden kann die Ärztin oder der Arzt körperlich untersuchen und herausragende innere Schamlippen als Hypertrophie diagnostizieren.
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Behandlung
Wenn die Labialhypertrophie keine Probleme verursacht, bedarf es auch keiner Behandlung. Im Fall körperlicher oder seelischer Beschwerden, lohnt es sich, einen Arzt zu Rate zu ziehen.
Eine Möglichkeit, eine schwere Labialhypertrophie zu behandeln, ist eine Operation, die Labioplastik. Bei dem Eingriff entfernt ein Chirurg überschüssiges Gewebe, verkleinert die Schamlippen und formt sie neu.
Ein Experte verrät Details zur Schamlippen-OP
Ein Mediziner, der regelmäßig solche Operationen durchführt, ist Prof. Dr. med. Jörg Borges, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie aus Freiburg. Vor allem Schamlippenverkleinerungen seien dabei sehr gefragt. Wenn sich Frauen Prof. Borges anvertrauen, geht es in der Regel um weit mehr als um die reine Unzufriedenheit mit der Optik oder den Wunsch nach einer „perfekten“ Vulva.
Warum Frauen sich für den Eingriff entscheiden
Bei vielen seiner Patientinnen geht der Leidensdruck weit über die körperlichen Beschwerden hinaus und das oftmals über viele Jahre. „Es sind junge Frauen, die sich niemals im Bikini am Strand zeigen würden. Viele von ihnen können sich aus Scham nicht auf eine Beziehung einlassen“, weiß der Mediziner. Sie würden sich mit dem Problem verkriechen und sich viel zu lange nicht trauen, über eine Schamlippen-OP zu sprechen.
So läuft eine Schamlippen-OP ab
Die OP wird unter lokaler Betäubung ambulant durchgeführt und dauert etwa eine Stunde. Die überschüssige (Schleim-)Haut wird mit einem Skalpell abgenommen und die Schnittstelle genäht. Im Anschluss darf die Patientin nach Hause gehen. „Am Abend nach der OP ist mit einem leichten Spannungsgefühl zu rechnen. Die meisten Patientinnen nehmen eine Schmerztablette und sind danach weitestgehend beschwerdefrei“, so Borges. Da es sich um Schleimhäute handele, verheile das Gewebe zügig, bereits nach sieben Tagen würden die Fäden gezogen. „In den ersten zwei, drei Wochen nach dem Eingriff sollte die Patientin sich nicht überanstrengen, keinen intensiven Sport treiben und Geschlechtsverkehr vermeiden.“
Diese Risiken gibt es bei einer Schamlippen-OP
Was fast schon nach einem Spaziergang klingt, ist tatsächlich ein extrem diffiziler Eingriff. Laut dem Facharzt besteht das Risiko von Vernarbungen oder Narbenschmerzen. Wurde die Schleimhaut mit zu viel Spannung vernäht, drohen funktionale Einschränkungen bei jeder Bewegung, Schmerzen beim Sex und bei jeglicher körperlicher Aktivität. Besonders fatal ist es, wenn zu viel Haut weggeschnitten wird. Deswegen sei es umso wichtiger, den Eingriff nur von echten Fachleuten durchführen zu lassen und sich vorab über alle Risiken aufklären zu lassen.
Wie finde ich den passenden Arzt?
Das Problem: Ärzte, die sich an Schönheitsoperationen wagen, müssen nicht zwingend eine Zusatzausbildung zum ästhetisch-plastischen Chirurgen absolviert haben. Das heißt: Auch Zahnärzte und Dermatologen dürfen operieren. Dabei sei im Intimbereich „Feinstarbeit“ gefragt, erklärt der Experte, und die könne „nur ein Fachmann leisten“. Als erstes Recherche-Tool sei die Website der Fachgesellschaft der Plastischen Chirurgen (DGPÄC) zu empfehlen.