9. Dezember 2025, 4:28 Uhr | Lesezeit: 2 Minuten
Trotz zahlreicher Warnungen aus der Wissenschaft hinkt die Bundesrepublik bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge hinterher – mit erschreckenden Ergebnissen im internationalen Vergleich. Eine neue Analyse legt offen, wie weit Deutschland bei der Krebs-Prävention zurückliegt.
Public Health Index: Deutschland nur auf Rang 17 von 18
Wie bereits BILD berichtete, haben der AOK-Bundesverband und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) erstmals einen sogenannten Public Health Index veröffentlicht.1 Dieser bewertet, wie effektiv insgesamt 18 nord- und mitteleuropäische Staaten die wichtigsten gesundheitspolitischen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) umsetzen – insbesondere im Hinblick auf Tabakkonsum, Alkoholkonsum, Ernährung und körperliche Aktivität. In allen vier Bereichen fließen die Bewertungen gleichgewichtet ein.
Deutschland belegt im Gesamtranking nur den vorletzten Platz: Rang 17 von 18.
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Defizite bei Tabak, Alkohol und Ernährung – mit enormen Kosten
Besonders schlecht schneidet Deutschland laut AOK-Bundesverband bei den Kategorien Tabak, Alkohol und Ernährung ab. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Tabakkonsums liegen laut der Analyse bei rund 97 Milliarden Euro pro Jahr. Auch für Adipositas und Alkoholkonsum werden jeweils zweistellige Milliardenbeträge genannt.
Nur bei Bewegung erreicht die Bundesrepublik das untere Mittelfeld. Im Gegensatz dazu erhalten Länder wie Großbritannien, Finnland und Irland im Index deutlich bessere Bewertungen. Auch Norwegen und Frankreich liegen vorn.
Diese Staaten haben laut Studie bereits umfassende Maßnahmen etabliert: Mindeststandards für Schulverpflegung, Steuern auf gesundheitsschädliche Produkte, strikte Werbe- und Verkaufsbeschränkungen für Tabak und Alkohol sowie verbesserten Schutz für Kinder.
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Drei Länder weit abgeschlagen – trotz hoher Krankheitslast
Auch Österreich und die Schweiz befinden sich im unteren Bereich des Rankings. Die Studienautoren betonen, dass gerade in Deutschland der politische Wille fehle, gesundheitspolitisch aktiv zu werden – obwohl die gesellschaftliche Zustimmung vorhanden und die Krankheitslast erheblich sei.
Regelmäßige Aktualisierung des Index geplant
Künftig soll der Public Health Index alle zwei Jahre erscheinen. Die aktuelle Erhebung vergleicht 18 Länder, langfristig soll der Vergleich auf weitere europäische Staaten ausgeweitet werden.