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Daten von 64.193 Frauen analysiert

Die Sex-Menge pro Woche, die laut Studie schneller zu Schwangerschaft führt

junges paar
Eine aktuelle Studie zeigt, wie die Häufigkeit von Geschlechtsverkehr mit der Chance auf eine Schwangerschaft bei Kinderwunsch zusammenhängt Foto: Getty Images/OLIVER ROSSI
Isa Kabakci
Redakteur

28. September 2026, 17:56 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Wer schwanger werden möchte, muss die fruchtbaren Tage treffen. Doch spielt es darüber hinaus eine Rolle, wie häufig ein Paar Sex hat? Dieser Frage sind Forscher anhand der Daten von mehr als 64.000 Frauen mit Kinderwunsch nachgegangen, deren geplante Schwangerschaften im Rahmen einer großen norwegischen Studie erfasst wurden. Tatsächlich gibt die Studie Hinweise auf eine möglicherweise hilfreiche Menge Sex pro Woche für Paare, die ein Baby bekommen wollen.

Wie oft Sex die Schwangerschaftschance beeinflusst

Frauen, die in den vier Wochen vor der Empfängnis mehr als viermal pro Woche Geschlechtsverkehr hatten, wiesen eine höhere Wahrscheinlichkeit auf, innerhalb eines Menstruationszyklus schwanger zu werden. Sie lag 16 Prozent höher als bei Frauen, die ein- bis zweimal pro Woche Sex hatten.

Bei geringeren Häufigkeiten zeigte sich dagegen kein klarer Unterschied: Drei- bis viermal und weniger als einmal Sex pro Woche waren mit einer ähnlich hohen Schwangerschaftswahrscheinlichkeit verbunden wie ein- bis zweimal pro Woche.

So wurde die Studie durchgeführt

Die Forscher des Telemark Hospital, des Norwegian Institute of Public Health, der Universität Bergen und weiterer Forschungseinrichtungen werteten die Daten der großen norwegischen „Mother, Father and Child Cohort Study“ (MoBa) aus. In die Analyse flossen die Angaben von 64.193 Frauen mit geplanter, auf natürlichem Weg entstandener Schwangerschaft ein.1

Die Teilnehmerinnen hatten angegeben, wie häufig sie in den vier Wochen vor der Schwangerschaft Geschlechtsverkehr hatten. Die Forscher teilten sie daraufhin in vier Gruppen ein:

  • weniger als einmal,
  • ein- bis zweimal,
  • drei- bis viermal oder
  • mehr als viermal pro Woche.

Anschließend untersuchten sie unter anderem, wie lange es jeweils bis zur Schwangerschaft gedauert hatte. Bei den Berechnungen berücksichtigten sie Faktoren wie Alter und Bildungsniveau der Frauen.

Viermal Sex pro Woche mit kürzerer Zeit bis zur Empfängnis verbunden

Neben der Schwangerschaftswahrscheinlichkeit pro Zyklus untersuchten die Forscher, wie lange es bis zur Empfängnis dauerte. Im Durchschnitt waren es 4,5 Monate. Dabei zeigte sich ein klarer Unterschied zwischen den Gruppen: Frauen mit weniger als einmal Sex pro Woche benötigten im Mittel 4,8 Monate bis zur Schwangerschaft, bei mehr als viermal Sex pro Woche waren es 3,7 Monate.

Innerhalb dieser Studiengruppe bereits schwanger gewordener Frauen empfingen 82 Prozent innerhalb von sechs Monaten und 93 Prozent innerhalb eines Jahres. Der Anteil der Frauen, die in diesen Zeiträumen schwanger wurden, stieg mit zunehmender Sexhäufigkeit an.

Entwarnung beim Spermien-Mythos und Besonderheit bei Erstgebärenden

Einen wichtigen praxisrelevanten Befund liefert die Studie zur Spermienqualität: Die oft geäußerte Befürchtung, sehr häufiger Sex könne die Fruchtbarkeit durch eine sinkende Spermienkonzentration beeinträchtigen, bestätigte sich nicht. Zudem zeigte sich bei Frauen, die ihr erstes Kind erwarteten, ein besonders deutlicher Vorteil durch häufigen Sex. Die Forscher vermuten, dass Paare ohne bisherige Schwangerschaftserfahrung seltener gezieltes Zyklustracking rund um den Eisprung betreiben und daher stärker von einer hohen Frequenz profitieren.

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Einordnung der Studie

Zu den Stärken der Studie zählen die große Datenbasis und die Berücksichtigung verschiedener Faktoren, die die Fruchtbarkeit beeinflussen können. Zusätzliche Analysen stützten die Ergebnisse.

Allerdings gibt es wichtige Einschränkungen. Untersucht wurden nur Frauen mit geplanter Schwangerschaft, die auf natürlichem Weg schwanger geworden waren. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nur eingeschränkt auf andere Frauen mit Kinderwunsch übertragen.

Hinzu kommt, dass die Angaben zum Geschlechtsverkehr und zur Dauer bis zur Schwangerschaft auf den Erinnerungen der Teilnehmerinnen beruhten. Außerdem war nicht bekannt, zu welchem Zeitpunkt im Zyklus der Geschlechtsverkehr stattfand. Auch zur Spermienqualität des Partners lagen keine Informationen vor.

Die Studie wurde überwiegend öffentlich bzw. institutionell finanziert. Ein Autor gab Verbindungen zu Pharmaunternehmen an. Nach Angaben der Forscher hatten die Geldgeber keinen Einfluss auf die Studie.

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Was frühere Studien zeigen

Dass häufigerer Sex die Chancen erhöht, dürfte auch mit dem kurzen fruchtbaren Fenster zusammenhängen. Eine US-Studie im „New England Journal of Medicine“ verfolgte 221 Frauen mit Kinderwunsch und bestimmte ihren Eisprung anhand von Hormonwerten im Urin.2 Schwanger wurden die Frauen nur, wenn sie in den sechs Tagen bis einschließlich des Eisprungs Sex hatten. Am höchsten war die Chance am Tag des Eisprungs mit rund 33 Prozent, fünf Tage davor lag sie bei etwa zehn Prozent.

Auch der verbreitete Rat, Männer sollten vor den fruchtbaren Tagen „Sperma sparen“, ist kaum haltbar. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 wertete 22 Studien aus.3 Nach kurzen Abstinenzzeiten von höchstens zwei Tagen enthielt das Ejakulat zwar etwas weniger Spermien, diese waren aber beweglicher und ihr Erbgut seltener geschädigt. Allerdings untersuchten die Studien nur die Spermienqualität, nicht die Schwangerschaftsrate, und stammten überwiegend aus Kinderwunschzentren.

Quellen

  1. Dreiås KW, Kvalvik LG, Warp ML, Håberg SE, Ramlau-Hansen CH, et al. (2026). Sexual intercourse frequency and fecundability in the Norwegian mother, father and child cohort study. PLOS ONE 21(9): e0357286. ↩︎
  2. Wilcox, A. J., Weinberg, C. R., & Baird, D. D. (1995). Timing of sexual intercourse in relation to ovulation. Effects on the probability of conception, survival of the pregnancy, and sex of the baby. The New England journal of medicine, 333(23), 1517–1521. ↩︎
  3. Raditya, M., Hari Soejono, A., Siswanto, M. A., Atmoko, W., Shah, R., Agarwal, A., Situmorang, G. R., Birowo, P., & Rasyid, N. (2025). Impact of Shorter Abstinence Periods on Semen Parameters: A Systematic Review and Meta-Analysis. The world journal of men's health, 43(3), 563–579. ↩︎

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