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Laut Studie

Verringerte Zeugungsfähigkeit bei dieser Ernährung

Wie beeinflusst Fast Food die Fruchtbarkeit? Neue Studien liefern Hinweise auf Risiken für Männer und Frauen.
Wie beeinflusst Fast Food die Fruchtbarkeit? Neue Studien liefern Hinweise auf Risiken für Männer und Frauen. Foto: Getty Images
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Martin Lewicki
Freier Autor

25. März 2026, 21:24 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten

Wer sich häufig von Fast Food und stark verarbeiteten Lebensmitteln ernährt, könnte damit seine Zeugungsfähigkeit verschlechtern. Eine aktuelle Studie zeigt: Vor allem bei Männern war ein hoher Konsum hochverarbeiteter Nahrung mit einer geringeren Fruchtbarkeit verbunden. Auch für Frauen fanden die Forscher Hinweise auf negative Effekte – insbesondere in der frühen Embryonalentwicklung.

Dr. Christoph Pies
Mit fachlicher Beratung von Facharzt für Urologie

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Laut dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung ist fast jede dritte Frau im reproduktiven Alter in Deutschland von Schwangerschaftsverlust oder Infertilität betroffen.1 Dabei beschreibt Infertilität das Auftreten von Problemen beim Versuch, schwanger zu werden, sodass eine Schwangerschaft nur verzögert eintritt oder gar nicht erst eintritt. Rund neun Prozent der Frauen gaben an, eine oder mehrere Fehlgeburten erlebt zu haben. Doch auch Männer haben zunehmend Probleme bei der Zeugung von Nachwuchs. So nimmt die Spermaqualität bei Männern schon seit Jahren stetig ab, wie FITBOOK bereits berichtete. Eine aktuelle Studie aus den Niederlanden hat nun untersucht, welche Rolle Fast Food bei der Fruchtbarkeit von Männern und Frauen spielt.2 Dabei fand man heraus, dass vor allem ein höherer Verzehr von stark verarbeiteten Lebensmitteln mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit verbunden ist, in einem bestimmten Monat schwanger zu werden. 

Was hat man in der Fast-Food-Studie genau untersucht?

Forscher des Erasmus-Medizinzentrums und der Erasmus-Universität Rotterdam sowie der niederländischen Gesundheits- und Forschungsorganisation haben untersucht, wie sich der Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel wie Fast Food, Fertigprodukte, Snacks und Softdrinks auf die Fruchtbarkeit bei Männern und Frauen sowie die frühe Embryonalentwicklung auswirkt. Hierzu nutzten sie die Daten der Generation-R-Next-Kohorte.

Bei der Generation-R-Next-Studie handelt es sich um eine große, laufende Untersuchung, bei der Paare von der Zeit vor der Empfängnis bis in die frühen Lebensjahre ihrer Kinder begleitet werden. Dabei untersucht man 831 Frauen und 651 ihrer männlichen Partner. Sie alle haben zu Beginn der Schwangerschaft einen detaillierten Ernährungsfragebogen ausgefüllt.

Die Teilnehmer mussten angeben, was sie in den vorangegangenen vier Wochen gegessen haben, wobei mehr als 200 Lebensmittel berücksichtigt wurden. Anschließend stuften die Forscher jedes Lebensmittel anhand eines bekannten Klassifizierungssystems ein, je nachdem, wie stark es industriell verarbeitet war. Die am stärksten verarbeiteten Lebensmittel hatten folgende Merkmale:

  • reich an zugesetztem Zucker
  • hoher Anteil ungesunder Fetten
  • sehr Salzhaltig
  • enthielten chemische Zusatzstoffe
  • geringer Ballaststoffanteil
  • wenig Nährstoffe

Anschließend berechnete das Team, wie viel Prozent der täglichen Gesamtnahrungsaufnahme bei jeder Person aus hochverarbeiteten Lebensmitteln stammte.

Darüber hinaus nutzte man zur Beurteilung der frühen Embryonalentwicklung bei Schwangeren standardisierte Ultraschallmessungen. So ermittelte man die Embryolänge und das Dottersackvolumen in etwa der 7., 9. und 11. Schwangerschaftswoche.

So wirkt sich Fast Food auf die Fruchtbarkeit aus

Die Auswertung der Daten ergab, dass der Medianwert für den Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel bei Frauen 22 Prozent der gesamten Nahrungsaufnahme betrug. Bei Männern lag der Wert bei 25,1 Prozent. Ein Indiz dafür, dass Männer sich im Schnitt ungesünder ernährten. Interessanterweise lagen diese Zahlen unter dem nationalen Durchschnitt in den Niederlanden, wie die Forscher bemerken. In einigen Ländern, betrage der Anteil der hochverarbeiteten Lebensmittel etwa 50 bis 60 Prozent der täglichen Kalorien.

Die zweite Erkenntnis: Männer mit einem höheren Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel hatten ein deutlich erhöhtes Risiko, als subfertil eingestuft zu werden. Als Subfertilität bezeichnet man eine eingeschränkte Zeugungs- bzw. Empfängnisfähigkeit über einen bestimmten Zeitraum.

Männer im obersten Quartil der Aufnahme ungesunder Lebensmittel hatten eine um 69 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, als subfertil eingestuft zu werden, im Vergleich zu Männern im untersten Quartil. Diese Zusammenhänge blieben auch bestehen, nachdem die Forscher eine lange Liste möglicher Störfaktoren berücksichtigt hatten. Mit anderen Worten: Je höher der Fast-Food-Verzehr bei Männern, desto stärker war der Zusammenhang mit Unfruchtbarkeit. Bei Frauen hingegen zeigte sich kein klarer Zusammenhang zwischen Fast-Food-Verzehr und Fruchtbarkeit bzw. Eintritt der Schwangerschaft.

Auch interessant: Wann sich Sport positiv auf die Fruchtbarkeit von Frauen auswirkt – und wann negativ

Fast-Food-Verzehr wirkt sich auch die Embryonalentwicklung aus

Allerdings haben die Forscher bei Schwangeren einen anderen Einfluss von ungesunden Lebensmitteln ermittelt. So war ein stärkerer Verzehr an hochverarbeiteten Lebensmitteln mit einer geringeren Embryolänge und einem kleineren Dottersackvolumen um die 7. Schwangerschaftswoche herum verbunden.

Konkret betrug die Verringerung der Embryonenlänge 0,13 Standardabweichungen pro Einheit Anstieg der Aufnahme von verarbeiteten Lebensmitteln. Bei der Verringerung des Dottersackvolumens lag der Rückgang bei 0,14 Standardabweichungen pro Einheit Anstieg. Bei Frauen im obersten Quartil des Fast-Food-Konsums war das Dottersackvolumen in der siebten Woche um 0,41 Standardabweichungen geringer als bei Frauen im untersten Quartil.

​Dagegen war die Ernährung der Männer nicht erkennbar mit Embryolänge oder Dottersack‑Volumen verbunden. Das lässt auf einen unmittelbareren Einfluss der mütterlichen Ernährung im ersten Trimester schließen.

Interessanterweise waren diese Effekte auf das frühe Wachstum vor allem in der 7. Woche deutlich messbar, während sie sich in der 9. und 11. Woche wieder abschwächten. Das deutet darauf hin, dass die Ernährung der Mutter besonders in der allerersten Phase der Organentwicklung eine kritische Rolle spielt.

​Warum beeinflusst Fast Food die Fruchtbarkeit?

Obwohl die Studie keine klare Erklärung für diese Zusammenhänge zwischen Fast Food und Fruchtbarkeit liefert, so haben die verantwortlichen Forscher einige Vermutungen. Laut ihnen enthalten hochverarbeitete Lebensmittel viel Zucker, raffinierte Stärke, ungünstige Fette, Salz und Zusatzstoffe. Gleichzeitig liefern sie aber wenig Mikronährstoffe und Ballaststoffe. Diese Kombination begünstigt Übergewicht, Insulinresistenz und systemische Entzündungen, die die Hormonbalance und Spermatogenese im Körper stören können. Das könne beispielsweise den Testosteron-Spiegel senken und oxidativen Stress in den Hoden verstärken.

Für Spermien sind zum Beispiel ausreichende Mengen an Antioxidantien wie Vitamin C und E, Folat, ungesättigten Fettsäuren und Spurenelemente nötig. Zudem kommen viele Fast-Food-Lebensmittel mit Verpackungen in Berührung, die hormonaktive Chemikalien enthalten. Und diese können nachweislich in die Fortpflanzungsachse eingreifen.

Bei Frauen wiederum hängt die Versorgung des Embryos in der frühen Schwangerschaft zunächst fast ausschließlich vom Dottersack ab. Unzureichende Nährstoffqualität der mütterlichen Ernährung könnte seine Funktion beeinträchtigen und so das frühe Wachstum bremsen.

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Einschränkungen der Studie

Bei dieser Untersuchung handelt es sich um eine prospektive Beobachtungsstudie. Daraus lassen sich keine harten Kausalursachen ableiten, nur Assoziationen. Zudem waren die Teilnehmenden überwiegend gut gebildet und ernährungstechnisch eher gesund. Die Ergebnisse sind daher nicht ohne Weiteres auf andere ungesunde Bevölkerungsgruppen übertragbar. Und natürlich sind die Selbstangaben der Teilnehmer zu ihrer Ernährung fehleranfällig und spiegeln womöglich nur einen Ausschnitt der regelmäßigen Ernährung wider.

Doch es handelt sich nicht um die erste Studie, die den Einfluss ungesunder Ernährung auf die Fruchtbarkeit insbesondere bei Männern zeigt. Eine dänische Studie aus dem Jahr 2025 hat bereits ermittelt, dass stark verarbeitete Lebensmittel bei Männern nicht nur zu einer Gewichtszunahme führen, sondern auch den Hormonhaushalt stören und schädliche Substanzen freisetzen. Das wiederum könne langfristig eine Verschlechterung der Spermienqualität nach sich ziehen. FITBOOK hat darüber bereits in einem früheren Beitrag berichtet.

Experten ordnen die Ergebnisse ein

Neben den Studienergebnissen haben auch Fachärzte die Rolle von Ernährung und Lebensstil bei Fruchtbarkeit eingeordnet – und sehen deutliche Zusammenhänge.

Ernährung und Gewicht als zentrale Faktoren

Die Gynäkologin Dr. Heidi Goesslinghoff bestätigt aus ihrer Praxiserfahrung: „Diese Studien decken sich mit meiner Erfahrung und natürlich auch mit dem, was ich in der Praxis erlebt habe. Ernährung ist ein ganz wichtiger Teil beim unerfüllten Kinderwunsch.“ Übergewicht könne etwa den Zyklus beeinflussen und den Eisprung stören.

Zudem weist sie auf entzündliche Prozesse hin: „Außerdem produziert Fettgewebe proinflammatorische Botenstoffe wie zum Beispiel TNF-α und Interleukine. Diese können zu oxidativem Stress führen und ebenfalls die Eizellreifung und die Implantation (Einnistung) stören.“ Auch bei Männern könne dies negative Effekte haben – etwa auf Beweglichkeit und Erbgut der Spermien.

Bereits moderate Veränderungen zeigen laut Goesslinghoff Wirkung: „Bei Frauen kann eine Gewichtsreduktion von fünf bis zehn Prozent bereits einen deutlichen Effekt auf den Zyklus haben mit einer besseren Aussicht auf eine Schwangerschaft.“

Alter und biologische Grenzen

Ein weiterer Aspekt ist das Alter: „Ein weiterer Faktor, der den Eintritt einer Schwangerschaft deutlich erschwert und die Rate an Fehlgeburten erhöht, ist die Tatsache, dass die meisten Frauen am ersten Kind heute deutlich älter sind als noch vor zehn Jahren.“ Dadurch steige das Risiko für Chromosomenstörungen sowohl bei Eizellen als auch bei Spermien.

Sinkende Spermienqualität seit Jahren beobachtet

Auch der Urologe Christoph Pies sieht die Studienlage durch seine Erfahrung bestätigt: „Unbedingt. Aus der Literatur ist ein Rückgang der Spermienqualität in den letzten Jahrzehnten bekannt und gut dokumentiert.“ Diese Entwicklung lasse sich auch im Praxisalltag nachvollziehen. Gleichzeitig betont er, dass die Ursachen nicht auf einen einzelnen Faktor zurückzuführen sind, sondern aus einem Zusammenspiel verschiedener Einflüsse entstehen.

Ernährung als entscheidender Einflussfaktor

Eine zentrale Rolle spielt dabei laut Pies die Ernährung: „Ja, und zwar über verschiedene Wirkmechanismen.“ Besonders stark verarbeitete Lebensmittel stehen im Fokus, da sie häufig hohe Mengen an Zucker, raffinierten Kohlenhydraten und ungünstigen Fetten enthalten, während gleichzeitig wichtige Nährstoffe fehlen.

Diese Kombination kann Stoffwechselprozesse und den Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen. Gleichzeitig fördern bestimmte Fette Entzündungsprozesse im Körper und können die Struktur von Spermien beeinträchtigen. Fehlen schützende Nährstoffe, steigt zudem die Anfälligkeit für oxidativen Stress, der Zellen zusätzlich schädigt.

Viele weitere Risikofaktoren im Zusammenspiel

Darüber hinaus nennt Pies eine Reihe weiterer Einflussfaktoren: „In unserer heutigen Zeit sind die westlichen Zivilisationsgesellschaften einer Vielzahl potentiell schädigender Einflüsse ausgesetzt.“ Dazu zählen neben der Ernährung auch Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel und Übergewicht.

Hinzu kommen körperliche und äußere Faktoren wie Hormonstörungen, zunehmendes Alter, chronische Entzündungen sowie Umweltbelastungen – etwa durch Chemikalien, Pestizide, Weichmacher, Luftverschmutzung oder Hitze. Auch mögliche Effekte elektromagnetischer Strahlung werden diskutiert, wobei die Studienlage hier nicht eindeutig ist.

Quellen

  1. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung: Risikofaktor Geburtenaufschub - Etwa jede dritte Frau im reproduktiven Alter ist von Schwangerschaftsverlust oder Infertilität betroffen (aufgerufen am 25.3.2026) ↩︎
  2. Lin, C.H.X., Gaillard, R., Mulders, A.G.M.G.J., et. al. (2026). Periconceptional ultra-processed food consumption in women and men, fertility, and early embryonic development. Human Reproduction. ↩︎

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