31. Dezember 2025, 8:48 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Haustiere können unser Leben bereichern. Vor allem Hunde gelten als der beste Freund des Menschen und werden oft wie ein Familienmitglied geschätzt. In dem Fall liegt es nahe, dass Hunde auch die mentale Gesundheit ihrer Frauchen und Herrchen positiv beeinflussen. Eine Studie konnte dies nun mit messbaren Daten bestätigen. Jugendliche, die mit Hunden aufwuchsen, waren mental gesünder, als ihre Altersgenossen ohne Hundekontakt – das Erstaunliche: Offenbar spielt die menschliche Mundflora dabei eine wichtige Rolle.
Hunde können den Schlaf ihrer Besitzer fördern, auf das Darmmikrobiom einwirken – und die Mundflora verändern? Hinweise dafür lieferte eine Studie von einem interdisziplinären Team rund um Eiji Miyauchi und Takefumi Kikusui an der Azabu University (Japan), die den Effekt von Hunden auf die mentale Gesundheit Jugendlicher untersucht hat.1
Datenauswertung und Tierexperiment
Für ihre Studie nutzten die Forscher Daten aus dem Tokyo Teen Cohort (TTC), einer bevölkerungsbasierten Langzeitstudie. Sie hatte 343 Jugendliche (13 Jahre alt), davon 96 mit Hund im Haushalt, untersucht. Ein Jahr später waren ihre psychischen Merkmale anhand des Child Behavior Checklist (CBCL) erfasst worden. Zudem wurde ihre Mundflora analysiert und mittels 16S-rRNA-Sequenzierung charakterisiert.
Um den Einfluss der Mikrobiota auf das Sozialverhalten zu prüfen, führte man zusätzlich ein Experiment an Mäusen durch. Der Speichel von sechs Jugendlichen (je drei mit und ohne Hund) wurde aufbereitet und in keimfreie Mäuse transplantiert. Dann folgten verschiedene Verhaltensanalysen, die an Mäusen durchgeführt wurden. Untersucht wurden mögliche Veränderungen des Sozialverhaltens, der Angstreaktionen und depressiver Tendenzen.
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Zusammenhang zwischen Hunden, Psyche und Mundflora
Die Forscher kamen zu der Erkenntnis, dass jugendliche Hundebesitzer weniger mentale und soziale Probleme aufwiesen. So waren ihre Werte bei sozialen Problemen, Rückzugsverhalten, aggressivem Verhalten und weiteren Auffälligkeiten signifikant niedriger. Auch ihre Mundflora unterschied sich von Testpersonen ohne Hundekontakt. In ihrer Mundflora war das Bakteriengenus Streptococcus stärker vertreten.
Spannend ist, dass es einen Zusammenhang zwischen diesen Bakterien und mentaler Gesundheit zu geben schien. Mehrere sogenannte ASVs (Amplicon Sequence Variants) aus dieser Gattung korrelierten negativ mit problematischem Verhalten – d. h., sie traten bei psychisch gesünderen Jugendlichen häufiger auf.
Auch das Tierexperiment lieferte Hinweise für einen solchen Zusammenhang. So zeigten Mäuse, die diese Bakterien erhielten, in Verhaltenstests – wie dem Annähern an eingeschlossene Artgenossen – deutlich gesteigerte soziale Aktivitäten. Besonders auffällig: Streptococcus-ASVs ließen sich in zwei Gruppen einteilen. Gruppe A war mit erhöhter Sozialität assoziiert, Gruppe B mit geringerer. Bei Mäusen, die das Mikrobiom von Hundebesitzern erhalten hatten, war die Gruppe A deutlich häufiger vertreten. Die Korrelationen zwischen Anwesenheit von Bakterien und positivem Verhalten traten sowohl bei den Menschen als auch bei den Mäusen auf, was auf eine funktionelle Verbindung hinweist.
Bedeutung der Studie
Der Kontakt mit Hunden übt einen Effekt auf das Sozialverhalten aus. Dies konnte die Studie klar aufzeigen. Mehr noch: Dieser Zusammenhang scheint zumindest teilweise mit der Mikrobenzusammensetzung im Mund zusammenzuhängen. Dass diese Verbindungen nicht nur aus der Auswertung menschlicher Daten hervorgingen, sondern auch in einem Mausmodell mit transplantierter humaner Mikrobiota auftraten, verstärkt die Aussagekraft der Studienerkenntnisse.
Weitere Forschung ist nötig, um kausale Zusammenhänge zu belegen und zu erklären, wie genau die Veränderungen in der Mundflora durch Hundekontakt geschehen und mithilfe welcher Mechanismen sie auf das menschliche Sozialverhalten und die mentale Gesundheit einwirken.