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Studie aus Cambridge

Bestimmtes Hormon verursacht womöglich 40 Prozent der Reizdarm-Fälle

Laut einer neuen Studie ist ein natürliches Hormon bei vielen Reizdarm-Betroffenen die Ursache
Laut einer neuen Studie ist ein natürliches Hormon bei vielen Reizdarm-Betroffenen die Ursache Foto: Getty Images
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Martin Lewicki
Freier Autor

13. August 2025, 15:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Millionen von Menschen leiden allein in Deutschland unter dem sogenannten Reizdarmsyndrom. Eine aktuelle Studie zeigt, dass ein bestimmtes Hormon bei bis zu 40 Prozent der Betroffenen den Reizdarm auslöst. Diese Erkenntnis könnte dabei helfen, effektive Behandlungsmethoden gegen die Erkrankung zu entwickeln.

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Hormon INSL5 offenbar für Reizdarm verantwortlich

Forscher aus Cambridge haben in einer Studie mit 108 Probanden herausgefunden, dass ein Hormon namens Insulin-ähnliches Peptid 5 (INSL5) freigesetzt wird, wenn Gallensäure, die bei der Verdauung beteiligt ist, in den Dickdarm gelangt.1 Dies sollte normalerweise nicht passieren. Geschieht es dennoch aufgrund bestimmter Erkrankungen oder Verdauungsstörungen, so wird mehr von dem Hormon INSL5 produziert. Und genau das führt zu durchfallähnlichen Symptomen, die man als Reizdarm bezeichnet. Doch was bedeutet es für die Betroffenen und die Behandlungsmöglichkeiten?

Studie untersuchte 108 Probanden mit Reizdarm-Symptomen

Bereits in einer früheren Studie aus dem Jahr 2022 hat man in Untersuchungen an Mäusen herausgefunden, dass das Insulin-ähnliche Peptid 5 Auslöser für Durchfälle sein kann.2 In der aktuellen Studie wurde dieser Vorgang erstmals an Menschen nachgewiesen und so der Zusammenhang zwischen dem Hormon und der Reizdarm-Erkrankung belegt.

In die Studie wurden 108 Teilnehmer eingeschlossen, die entweder an Gallensäure-bedingtem Durchfall (chologene Diarrhö) oder dem Reizdarmsyndrom litten. Ihre Daten und Proben stammten aus früheren Studien. Auch gesunde Probanden wurden zum Vergleich herangezogen. Dies ermöglichte den Forschern einen Zusammenhang zwischen den beiden Erkrankungen herzustellen und unterschiede mit Gesunden zu identifizieren. So wurden Gemeinsamkeiten, Unterschiede sowie die Auslöser für die Durchfälle ermittelt.

Denn bislang ist chologene Diarrhö schwer zu identifizieren und wird oft als Reizdarm eingestuft. Um die Zusammenhänge genau zu ermitteln, wurden sowohl Blutproben als auch Stuhlgang-Tagebücher der Probanden ausgewertet.

Was die Studie genau herausgefunden hat

Nach Auswertung der Daten haben die Forscher festgestellt, dass der INSL5-Spiegel bei gesunden Probanden niedrig war. Patienten mit Gallensäure-bedingtem Durchfall sowie bei einigen der Reizdarm-Betroffenen waren die Werte erhöht. Dies führte zu einer verringerten Stuhlkonsistenz beziehungsweise Durchfällen. „Wir vermuten, dass INSL5 auf einen Reizstoff im Darm (Gallensäure oder einen anderen Anslöser) hinweisen könnte, der dann zu Durchfall führt“, sagte Chris Bannon, Erstautor der Studie, zu FITBOOK.

Laut den Forschern könnte das Hormon in etwa zwei von fünf Fällen für Reizdarm verantwortlich sein – also bei rund 40 Prozent der Betroffenen. Es klärt wohl auch, warum viele der derzeit verfügbaren Medikamente und Behandlungen bei etlichen Patienten nicht anschlagen – da sie nicht den INSL5-Spiegel senken.

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INSL5 hat eigentlich eine schützende Funktion

Die Forscher betonen, dass das Hormon INSL5 vom Körper auf natürliche Weise produziert wird. Und obwohl es Durchfall verursacht, hat es eigentlich eine schützende Funktion. Es erkennt, dass Gallensäuren in den Dickdarm gelangen, und bewirkt, dass diese ausgespült werden. Der Effekt: Durchfall.

Es ist zwar sehr sinnvoll, dass durch diesen Mechanismus Giftstoffe im Dickdarm erkannt und ausgeschieden werden. Problematisch ist jedoch die Gallensäure als Auslöser. Denn wenn diese regelmäßig in den Dickdarm gelangt, leiden Betroffene eben häufig an auftretenden Reizdarm-Symptomen. Das sind meist Bauch- oder Unterleibsschmerzen, Krämpfe sowie Durchfälle oder auch Verstopfung.

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Neue Behandlungsmethoden könnten Betroffenen helfen

Mit dieser Studie ist der erste Schritt getan, um das Reizdarmsyndrom und dessen Ursachen besser zu verstehen. In weiteren Studien muss man nun untersuchen, welche Therapien geeignet sind, um die Überproduktion des Insulin-ähnlichen Peptids 5 zu reduzieren.

Studienautor Bannon zu FITBOOK: „Aus Tierstudien war bereits vor dieser klinischen Studie bekannt, dass Ondansetron, ein zugelassenes und häufig eingesetztes Medikament gegen Übelkeit, die durch INSL5-Analoga hervorgerufene erhöhte Darmbewegungsgeschwindigkeit blockiert.“ Die jetzige Studie zeige, dass „Patienten mit erhöhtem INSL5-Spiegel ein verbessertes klinisches Ansprechen hinsichtlich ihrer Stuhlform zeigten als Patienten mit niedrigem INSL5-Spiegel“. Um zu bestätigen, ob Ondansetron zur Behandlung von Durchfall bei Patienten mit hohem INSL5-Spiegel eingesetzt werden könne, seien weitere Studien erforderlich, so Bannon zu FITBOOK.

Fazit

Diese Studie zeigt, dass Patienten mit erhöhtem INSL5-Spiegel ein verbessertes klinisches Ansprechen hinsichtlich ihrer Stuhlform zeigten als Patienten mit niedrigem INSL5-Spiegel. Jedoch sind – laut Studienator Bannon – weitere Studien erforderlich, „um den INSL5-Spiegel bei Reizdarmsyndrom- und Durchfall-Patienten zu testen und zu untersuchen“. „Die Einschränkungen unserer Studie liegen darin, dass die Arbeit retrospektiv war. Wir haben Proben aus zuvor durchgeführten Studien gesammelt, um unsere Hypothese zu überprüfen, dass Gallensäure die INSL5-Freisetzung beim Menschen auslöst und ob dies einen Zusammenhang mit den Symptomen von Gallensäuredurchfall und IBS-D aufweist“, ergänzt Bannon auf FITBOOK-Nachfrage.

Quellen

  1. Bannon, C.A., Walters, J.R.F., Wu, T. et al. (2025). Insulin-like peptide 5 is released in response to bile acid in the rectum and is associated with diarrhoea severity in patients with bile acid diarrhoea. BMJ Journals Gut. ↩︎
  2. Koo, A., Pustovit, R.V., Woodward, O.R.M., Lewis, J.E., et al. (2022). Expression of the relaxin family peptide 4 receptor by enterochromaffin cells of the mouse large intestine. Cell and Tissue Research. ↩︎

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