5. November 2026, 18:33 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Schätzungen zufolge ist jeder vierte Mensch in Deutschland tätowiert.1 Tattoos und Tätowieren sind also längst keine Randerscheinung mehr. Entsprechend wichtig ist es, Zusammenhänge zwischen der permanenten Hautverzierung und möglichen gesundheitlichen Folgen zu verstehen. Häufig steht dabei im Fokus, wie bereits existierende Tattoos sich auf den Körper auswirken können. Doch sollte man im Idealfall schon vor dem Tätowieren ein paar Dinge beachten, wie ein Experte bei FITBOOK verrät.
Wissenschaftler interessieren sich zunehmend für die Wirkung von Tätowierungen auf die Gesundheit ihrer Träger. So gibt es aufgrund von entsprechenden Studien bereits Hinweise dafür, dass Tattoos das Immunsystem beeinflussen können und das Risiko für Hautkrebs und Krebs im Lymphsystem erhöhen könnte.2,3,4 Erste Untersuchungen konnten Korrelationen aufzeigen, aber nicht beweisen, dass die Tattoos die tatsächliche Ursache waren oder zwangsläufig später im Leben zu Krebserkrankungen führen müssen.
Fakt ist aber, dass Tattoos den Blick auf die freie Haut darunter verwehren. Das könnte das Hautkrebs-Screening im Rahmen der Krebsvorsorge erschweren. Wer sich trotz dieses Wissens für Tätowierungen entscheidet, kann aber ein paar Punkte beachten, um die Beeinträchtigung des Screenings zu minimieren.
Wie ein Tätowierer unterstützen kann
Der Wunsch nach einem Tattoo ist gesetzt, das Motiv gewählt, nun geht es im nächsten Schritt unter die Nadel. So weit, so Routine für jeden Tätowierer. Was viele, die sich tätowieren lassen, nicht wissen: Ihr Tätowierer sollte als Experte seines Fachs nicht einfach loslegen, sondern die Körperstelle, die verziert werden soll (bzw. die Haut an der Stelle), genau betrachten. Hautarzt Dr. Timm Golüke erklärt auf Nachfrage von FITBOOK: „Das Wichtigste ist eigentlich, dass die Tätowierer lernen, Pigmente, also pigmentierte Hautveränderungen, einzuschätzen und diese nicht zu übertätowieren.“
In der Praxis bedeutet das, dass der Tätowierer je nach Größe einer Pigmentierung davon abrät, diese mit einem Tattoo zu verdecken, oder aber kleinere Pigmente wie Muttermale innerhalb eines Tattoomotivs ausspart und so sichtbar lässt.
Wie schädlich ist es, sich komplett schwarze Flächen tätowieren zu lassen?
Überraschender Zusammenhang zwischen Tattoos und Hautkrebs
Vor einem Tattoo kann auch der Gang zum Dermatologen ratsam sein
Wer unbedingt ein Tattoo an einer Stelle möchte, an der sich eine größere bräunliche Hautfärbung befindet, sollte sich zunächst das ärztliche Go holen. Gute Tätowierer würden auch im Tattoostudio nicht einfach drauflos tätowieren, sondern zu ebendieser medizinischen Abklärung raten. Wie Golüke erklärt, kann ein Dermatologe dann genau einschätzen, wie wichtig es sei, dass die Hautstelle frei von Tattoos bleibt. In den meisten Fällen sei es aber ratsam, sich einfach eine andere Stelle für das Tattoo auszusuchen: „Man würde in 99 Prozent der Fälle sagen: ‚Nein, bitte lieber aussparen, gescheite Fotodokumentation machen und einmal im Jahr kontrollieren, ob sich das verändert.‘“
Auch interessant: Dr. Emi Arpa: »Diese Hautveränderungen können auf Krankheiten hinweisen
Sind bunte oder schwarze Tattoos hinderlicher beim Hautkrebs-Screening?
Die Art und Farbe des Tattoos spielt laut dem Hautarzt eine untergeordnete Rolle, wenn es um das Hautkrebs-Screening geht. „Grundsätzlich sind ein dunkles Tattoo und ein farbiges Tattoo gleich hinderlich. In beiden Fällen kann ja immer über das Muttermal tätowiert werden, sodass man es beim Screening nicht mehr sieht“, so Golüke.
Also: Beim Tätowieren darauf achten, dass das Tattoo nicht auf eine Stelle kommt, an der es bereits größere Hautveränderungen gibt. Auch Muttermale sollte ein Tätowierer stets aussparen. Auf diese Weise kann man versuchen, das Risiko zu minimieren, dass bösartige Veränderungen bei der Hautkrebsvorsorge unentdeckt bleiben.
Aber auch wenn all das beachtet wird, kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Haut an einer Stelle, die vorher frei von Muttermalen und Verfärbungen war, unter einem Tattoo krebsbedingt verändert – und dieses dann wegen der Tätowierung beim Screening nicht oder erst spät entdeckt wird.
Muttermale in Tattoo-Motiven
„Ich bin selbst stark tätowiert. Ich habe jung angefangen und mir um die Folgen für meine Haut oder Gesundheit lange keine Gedanken gemacht. Auch vom bewussten Aussparen selbst kleinster Hautmale wusste ich lange nichts. Bis ich meinen jetzigen Tätowierer gefunden habe und meinen Arm tätowieren ließ. Fasziniert sah ich ihm dabei zu, wie er mit der Nadel das Kunstwerk zum Leben erweckte. Irgendwann fiel mir auf, dass er bei der Positionierung der Muster meine Haut Millimeter für Millimeter genau erkundete. Und dann beim Stechen die feinen Linien, die Teil des Motivs waren, unterbrach, um selbst (in meinen Augen) Mini-Muttermale nicht zu überstechen.
Fasziniert und neugierig fragte ich ihn nach dem Sinn. Zu meinem Erstaunen erklärte mir genau das, was uns jetzt auch der Hautarzt erläuterte: dass er die Male für mögliche Screenings der Haut freilasse. Und ich dachte, es sei einfach Bestandteil seines künstlerischen Konzepts für meine Tätowierung gewesen. So schnell hatte ich etwas sehr Wichtiges gelernt.“