18. Juli 2026, 17:03 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
An Hautkrebs möchte niemand erkranken, keine Frage. Doch Betroffene atmen zumindest auf, wenn die Diagnose „heller“ bzw. „weißer“ Hautkrebs lautet. Diese Form macht weniger Angst als „schwarzer“ Hautkrebs. Zurecht? Eine Studie aus dem Jahr 2024 brachte Überraschendes zutage. Neuere Daten unterstützen ihre Erkenntnisse.
Schwarzer Hautkrebs (das maligne Melanom) gilt als deutlich gefährlicher. Er bildet schneller Metastasen und kann lebensbedrohlich sein. Beim hellen Hautkrebs – in der Fachwelt als nicht-melanozytärer Hautkrebs oder NMSC bezeichnet – können Veränderungen meist vollständig entfernt werden; er streut nur selten.
Hinter diesem Sammelbegriff verbergen sich vor allem das Basalzellkarzinom und das Plattenepithelkarzinom.1,2 Doch wie kann es da sein, dass nicht der schwarze Hautkrebs, sondern die eigentlich „harmlosere“ Krankheitsform die tödlichere ist? Eine Erklärung lieferte ein Team aus französischen und indischen Forschern in einer 2024 veröffentlichten Studie.3
Was wurde untersucht?
Thierry Passeron, Professor am Universitätsklinikum in Nizza, wertete in seiner Studie, die er in Zusammenarbeit mit Experten von „L’Oréal Dermatological Beauty Corporate“ und „La Roche-Posay“ durchführte, Daten der WHO aus, die sich auf das Jahr 2020 bezogen. Ihn interessierten besonders die erfolgten Todesfälle aufgrund von NMSC und schwarzem Hautkrebs.
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Diese Hautkrebsform führte zu mehr Todesfällen
Insgesamt hatte die Weltgesundheitsorganisation für 2020 weltweit rund 1,5 Millionen an Hautkrebs erkrankte Menschen verzeichnet. Davon waren 324.000 Fälle auf maligne Melanome und etwa 1,2 Millionen Fälle auf NMSC zurückzuführen. Der schwarze Hautkrebs trat also seltener auf, führt er als die gefährlichere der beiden Hautkrebsformen aber öfter zum Tod?
„Nein“, lautet die Antwort. „Obwohl NMSC seltener tödlich verläuft als Melanom-Hautkrebs, ist seine Prävalenz auffallend höher. Im Jahr 2020 entfielen 78 Prozent aller Hautkrebsfälle auf NMSC, was zu über 63.700 Todesfällen führte. Im Gegensatz dazu verursachte das Melanom im selben Jahr schätzungsweise 57.000 Todesfälle. Die deutlich höhere Inzidenz von NMSC hat daher zu einer größeren Gesamtauswirkung geführt“, erklärte Passeron in einer Pressemitteilung zur Studie.4 Und die könnte sogar noch größer sein, als die WHO-Daten zeigten. „So alarmierend diese Zahlen auch sind, sie könnten in der Tat unterschätzt werden. NMSC wird in den Krebsregistern häufig untererfasst, was es schwierig macht, die wahre Belastung zu verstehen.“ Unabhängig davon kam die Analyse zu dem Ergebnis, dass auf die eigentlich gefährlichere Krebsform, nämlich den schwarzen Hautkrebs, weniger Todesfälle zurückgehen als auf NMSC.
Auf Anzeichen für Hautkrebs achten
„Immer, wenn sich natürliche Muttermale verändern, oder Hautveränderungen auftreten, die vorher nicht da waren, gilt das als Warnzeichen. Auch bei juckenden, brennenden oder blutenden Muttermalen sollte man alarmiert sein. Wer nicht regelmäßig zum Hautarzt geht, sollte am besten seine Haut selbst untersuchen und im Blick behalten. Dabei hilft die ABCDE-Regel. Dabei sei es wichtig, auch schwer sichtbare Körperpartien und Stellen nicht zu vergessen. Auch die Mundschleimhaut sowie das Augenweiß sollte man sich anschauen, indem man nach oben, unten und zur Seite schaut. Genauso wie den Leisten- und Genitalbereich, und eigentlich sollte man auch zwischen die Pofalte blicken. Mehr verrate ich dazu hier.“
Bevölkerung bestimmter Länder offenbar gefährdeter
Die Studie konnte zudem zeigen, dass Länder, in denen überwiegend Menschen mit hellen Hauttypen leben und deren Bevölkerung älter ist, mehr Hautkrebsfälle zu verzeichnen hatten als andere Länder.
Dazu zählen:
- USA
- Deutschland
- Großbritannien
- Frankreich
- Australien
- Italien
Aber: Auch Länder mit einem hohen Anteil an dunklen Phänotypen verzeichnen Hautkrebsfälle. 2020 waren 11.281 Todesfälle in Afrika auf diese Krebsart zurückzuführen.
Besonders gefährdet, an Hautkrebs zu erkranken, waren generell Personen, die draußen arbeiten, ein Organ transplantiert bekommen hatten, und Menschen, die an der Hauterkrankung Xeroderma pigmentosum (XP) leiden.
Forscher appellieren daran, die Gefahr durch Hautkrebs nicht zu unterschätzen
Ein Grund, warum weißer Hautkrebs im Vergleich zum Melanom mit überraschend vielen Todesfällen einhergeht, könnte sein, dass er deutlich häufiger auftritt. Prof. Passeron betonte jedoch die Notwendigkeit, auch die weniger gefährliche Hautkrebsform nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: „Wir müssen die Botschaft verbreiten, dass nicht nur das Melanom tödlich sein kann, sondern auch NMSC. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Menschen mit melaninreicher Haut ebenfalls gefährdet sind und an Hautkrebs sterben. Wir müssen wirksame Strategien umsetzen, um die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit allen Arten von Hautkrebs zu verringern.“
Was kann man tun, um das Risiko für schwarzen Hautkrebs zu senken?
Sänger Kevin Jonas hat Hautkrebs
Neue Daten zur Entwicklung von Hautkrebs
Die Erkenntnisse aus der Studie von 2024 bleiben weiterhin relevant, denn: Neue Datenauswertungen von 2025 bestätigen, dass die Hautkrebsfälle weltweit zunehmen. Verzeichnete man 1990 noch rund 1,8 Millionen Fälle, waren es 2021 bereits 6,64 Millionen. Dabei treibt besonders weißer Hautkrebs den Anstieg. Basalzellkarzinome (BCC) machten 2021 etwa 67 Prozent aller Hautkrebsfälle aus.5
Eine weitere Studie von 2025 zeigte, dass auch die andere Form von hellem Hautkrebs, Plattenepithelkarzinom, weltweit zur immer größeren Gesundheitsbelastung wird. Eine Analyse von Daten aus 204 Ländern ergab, dass sich die Zahl der Erkrankungen seit 1990 mehr als vervierfacht hat – und besonders ältere Menschen betroffen sind. Auf der Basis der vorliegenden Daten prognostizierten die Forscher einen weiteren deutlichen Anstieg bis zum Jahr 2045.6
Fazit
Die Zahlen zu den Krankheitsfällen sowie die Analyse von Todesfällen zeigen: Hautkrebs sollte immer ernst genommen werden – nicht nur in der aggressivsten Variante. Vorsorge in Form von Sonnenschutz und regelmäßigen Screenings hilft, nicht nur den schwarzen, sondern auch den weißen Hautkrebs frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.