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Fruktose sorgt dafür, dass mehr Fett im Körper gespeichert wird

Flaschen mit Obstsäften
Fruktose in Säften, Softdrinks oder stark verarbeiteten Lebensmitteln ist eine Gefahr für den Stoffwechsel Foto: Getty Images
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Julia Freiberger
Ernährungsexpertin

21. April 2026, 16:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Fruktose gilt oft einfach als Zucker unter vielen – doch genau das könnte ein Irrtum sein. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass sie im Körper offenbar ganz eigene Wege geht und dabei Prozesse beeinflusst, die über die reine Energiezufuhr hinausgehen. Warum das für Gewicht und Stoffwechsel entscheidend sein könnte – und warum ein Apfel trotz Fruktose gesund bleibt, lesen Sie hier.

Fruktose „befiehlt“ dem Körper, Fett zu speichern

Fruktose ist keine bloße Kalorie, sondern ein biochemisches Signal für „Überfluss“. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Fachjournal „Nature Metabolism“ veröffentlichte Übersichtsarbeit, für die Forscher fast 200 wissenschaftliche Quellen (darunter klinische Studien und Meta-Analysen) untersucht haben. Ergebnis: Während Glukose verbrannt wird, „befiehlt“ Fruktose dem Körper, aktiv Fett zu bilden und zu speichern (Triglyzeridsynthese). Sie umgeht dabei wichtige Kontrollmechanismen, die andere Zucker bremsen.1,2

Dabei greift die Fruktose tief in die Energiereserven der Zellen ein: Im Gegensatz zu Glukose führt ihr schneller Abbau zu einer kurzzeitigen Erschöpfung des zellulären Energieträgers ATP. Dieser plötzliche Energiemangel simuliert dem Körper eine Mangelsituation, was wiederum die Fettbildung ankurbelt und gleichzeitig die Harnsäureproduktion steigert – ein bekannter Risikofaktor für Bluthochdruck und Stoffwechselerkrankungen.

Mäusestudie: Längere Darmzotten durch Fruktose saugen mehr Kalorien auf

Wie dieser Signal-Effekt physisch aussieht, zeigte 2021 eine begleitende Studie an Mäusen: Eine fruktosereiche Ernährung sorgte dafür, dass die Darmzotten im Dünndarm um 25 bis 40 Prozent länger wurden. Die vergrößerte Oberfläche des Darms wirkt offenbar wie ein effizienterer Staubsauger für Nährstoffe: Der Körper nimmt mehr Kalorien und Fette aus der Nahrung auf, als er eigentlich benötigt.3

Zwar lassen sich die Ergebnisse der Mäusestudie nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen. Dennoch liefern sie entscheidende mechanistische Erklärungen für Phänomene, die in der begleitenden Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 auch beim Menschen beschrieben werden. Und: Die Forscher betonen, dass die grundlegenden biochemischen Wege, wie der schnelle Abbau von Fruktose in der Leber und die damit verbundene Erschöpfung des zellulären Energiespeichers (ATP), bei allen Säugetieren sehr ähnlich ablaufen.

Was steckt dahinter?

Der Grund für dieses ungewöhnliche Wachstum liegt in einem Stoffwechselprodukt der Fruktose (Fruktose-1-Phosphat). Dieses reichert sich in den Zellen an und blockiert ein wichtiges Enzym (Pyruvatkinase). Die Folge: Die Darmzellen überleben länger als gewöhnlich, wodurch die Zotten wachsen und die Oberfläche zur Kalorienaufnahme drastisch vergrößern.

Aus Sicht der Evolution ist das sinnvoll. Forscher vermuten, dass dieser Mechanismus unseren Vorfahren half, im Herbst – wenn Obst reichlich vorhanden war – schnell Fettreserven für den kargen Winter anzulegen. In unserer heutigen Welt des Überflusses, in der Fruktose durch Softdrinks und hochverarbeitete Lebensmittel das ganze Jahr über verfügbar ist, wird dieser einstige Überlebensvorteil jedoch zur Gefahr für die Stoffwechselgesundheit.

Langfristige Risiken, die über das reine Gewicht hinausgehen

Die Forscher sehen in diesen Effekten – also der gesteigerten Fettbildung, dem veränderten Energiehaushalt der Zellen und dem Umgehen wichtiger Kontrollmechanismen im Stoffwechsel – einen möglichen Beitrag zur Entwicklung des metabolischen Syndroms. Dazu gehören Übergewicht, Insulinresistenz, Bluthochdruck und ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Überdies wird Fruktose mit weiteren Erkrankungen in Verbindung gebracht. Die Arbeit nennt hier mögliche Zusammenhänge mit Krebs und Demenz, die weiter untersucht werden. 2023 hatte eine US-Studie Fruktose als Kern aller Adipositas-Hypothesen identifiziert, FITBOOK berichtete.

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Fazit – Menge und Art der Aufnahme entscheidend

Die Experten betonen jedoch, dass nicht die Fruktose an sich das Problem ist, sondern die Menge und die Art der Aufnahme. Ein Apfel bleibt gesund, da die darin enthaltenen Ballaststoffe die Aufnahme der Fruktose im Körper bremsen. Die eigentliche Gefahr geht von „freien Zuckern“ in flüssiger Form oder in Fertigprodukten aus: Softdrinks, Süßigkeiten, hochverarbeitete Lebensmittel (UPFs). Sie setzen das Stoffwechselsignal zur Fettspeicherung ohne Gegenwehr direkt in Gang.

Tipps von der Ernährungsexpertin

Sophie Brünke
Ernährungsexpertin

„Fruchtzucker versteckt sich auch hinter Begriffen wie Maissirup oder Glukose-Fruktosesirup“

„Fruktose steckt trotz der Bezeichnung Fruchtzucker nicht nur in Obst. Der Zucker wird auch vielen verarbeiteten Lebensmitteln zum Süßen zugesetzt. Ebenso ist Fruktose in weißem Haushaltszucker enthalten. Jedoch keine Panik beim Obstessen: die kleinen Mengen Fruchtzucker sind kein Grund zur Besorgnis, zudem liefern Früchte wichtige Vitamine, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Gespart werden sollte vielmehr bei energiereichen Getränken und Süßigkeiten, die hohe Mengen Fruktose enthalten und somit Adipositas begünstigen. Teilweise versteckt sich der Fruchtzucker auch hinter Begriffen wie Maissirup oder Glukose-Fruktosesirup. Übrigens: Auch die Leber dankt bei einer geringen Fruktosezufuhr. Denn anders als Glukose wird Fruchtzucker in der Leber verstoffwechselt und ist an der Entstehung einer Fettleber beteiligt.“

Quellen

  1. Johnson, RJ., Lanaspa, MA. et al. (2026). Fructose: metabolic signal and modern hazard. Nat Metab. ↩︎
  2. University of Colorado Anschutz. New Report Highlights Fructose as a Key Driver of Metabolic Disease. (aufgerufen am 21.04.2026) ↩︎
  3. Taylor RS, Ramsamooj S, Liang RJ, et al. (2021). Dietary fructose improves intestinal cell survival and nutrient absorption. Nature. ↩︎

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