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Prof. David Khayat

Top-Onkologe zu FITBOOK: »Es gibt keine universelle Anti-Krebs-Diät

Welche Rolle spielt Ernährung beim Krebsrisiko? Ein Onkologe erklärt Mythen und spannende Entwicklungen der Forschung.
Welche Rolle spielt Ernährung beim Krebsrisiko? Onkologe Prof. David Khayat erklärt Mythen und spannende Entwicklungen der Forschung. Foto: FITBOOK/Getty Images
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Julia Freiberger
Ernährungsexpertin

13. Juli 2026, 4:14 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Rund 500.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr neu an Krebs. Immer wieder hört man von universellen Wunder-Diäten, die Krebs verhindern sollen. „Ein Irrtum“, sagt der renommierte französische Onkologe Prof. David Khayat zu FITBOOK. Jeder Mensch verarbeite Nahrung anders. Laut Khayat sind etwa 40 Prozent der Krebserkrankungen vermeidbar – durch kleine, realistische und nachhaltige Schritte.

»Im Bereich Krebs gibt es viele Mythen

FITBOOK: Es gibt viele Mythen rund um Krebs. Welche halten sich besonders hartnäckig?
Prof. Dr. David Khayat: „Im Bereich Krebs gibt es viele Mythen. Einer davon ist die Vorstellung, Krebs sei eine Art Strafe – entweder von Gott oder für eine Art vermeintlich falschen Verhaltens. Ein weiterer weitverbreiteter Irrtum ist die Annahme, es gebe eine universelle Anti-Krebs-Diät. Das ist nicht richtig. Wir sind alle unterschiedlich. Jeder Mensch hat ein anderes Genom und damit auch unterschiedliche Enzyme. Deshalb verarbeiten wir Nahrung auf unterschiedliche Weise. Manche Menschen können problemlos Milchprodukte konsumieren, andere sind intolerant oder reagieren empfindlich auf Laktose. Ähnliches gilt für Gewürze und viele andere Lebensmittel. Hinzu kommt, dass wir nie nur einen einzelnen Nährstoff zu uns nehmen. Wir essen immer Kombinationen von Lebensmitteln, etwa Karotten zusammen mit Fleisch. Über das Zusammenspiel der verschiedenen Nährstoffe wissen wir noch längst nicht alles. Der beste Rat für Menschen, die ihr Krebsrisiko durch Ernährung senken möchten, lautet daher: ausgewogen essen, alles in Maßen genießen, saisonale Produkte bevorzugen und auf eine große Vielfalt in der Ernährung achten. Die Orientierung an den Jahreszeiten hat die Menschheit über ihre gesamte Geschichte hinweg begleitet und wesentlich zu ihrem Überleben beigetragen.“

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»Rund 40 Prozent aller Krebserkrankungen könnten durch Veränderungen bestimmter Lebensstilfaktoren verhindert werden

Immer mehr Menschen überwachen ihre Gesundheit mit Smartwatches und anderen Wearables. Lenkt diese Selbstüberwachung möglicherweise von wichtigen Maßnahmen zur Krebsprävention ab?
„Ich denke, das ist tatsächlich der Fall. Viele Menschen verlieren den Blick für die wirklich wichtigen Maßnahmen zur Krebsfrüherkennung und Prävention, weil sie sich zu sehr auf die Daten ihrer Geräte konzentrieren. Das erzeugt häufig erheblichen Druck und kann Angst auslösen. Dieser zusätzliche Stress kann seinerseits gesundheitsschädlich sein. Dabei könnten rund 40 Prozent aller Krebserkrankungen durch Veränderungen bestimmter Lebensstilfaktoren verhindert werden! Allerdings stoßen Empfehlungen häufig auf Widerstand, sobald sie ausschließlich aus Verboten oder weitestgehend restriktiven Aufforderungen bestehen. Deshalb sollten wir stärker auf kleine, realistische und nachhaltige Schritte setzen. Es geht darum, schädliche Gewohnheiten zu begrenzen und positive Gewohnheiten zu fördern – nicht darum, alles, was zum bisherigen Leben gehört, vollständig zu verbannen.“

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»Mit jedem Tag verstehen wir besser, wie wichtig Mikrobiome für unsere Gesundheit sind

Welche Trends in der Gesundheits- und Langlebigkeitsforschung halten Sie derzeit für besonders bedeutend?
„Ich würde vor allem zwei Entwicklungen nennen. Die erste ist die Biologie des Alterns, einschließlich der Frage, welche Rolle Nahrungsergänzungsmittel dabei spielen können. Die zweite ist das wachsende Verständnis für die Bedeutung des Mikrobioms. Die verschiedenen Mikrobiome unseres Körpers – etwa im Mund, in der Lunge oder im Darm – werden intensiv erforscht. Mit jedem Tag verstehen wir besser, wie wichtig sie für unsere Gesundheit sind.“

Welche Entwicklung im Bereich Langlebigkeit begeistert Sie persönlich am meisten?
Am meisten fasziniert mich die Forschung im Bereich der Neuro-Psycho-Immunologie. Dabei geht es um die Zusammenhänge zwischen unseren Gedanken, unseren Gefühlen und den biologischen Mechanismen, die Gesundheit, Widerstandsfähigkeit und letztlich das Überleben beeinflussen.“

»Das Leben ist eine kostbare Reise! Nutzen wir dieses Geschenk jeden Tag

Wenn Sie auf Ihr Leben und Ihre Karriere zurückblicken: Würden Sie etwas anders machen?
„Nein. Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich denselben Weg wählen. Ich habe mein Leben an den meisten Tagen genossen. Wenn es eine Lehre gibt, die ich aus all den Tausenden von Patientinnen und Patienten ziehen kann, die ich in den 45 Jahren meiner Tätigkeit als Onkologe verloren habe, dann lautet sie: Genießt euer Leben. Das Leben ist eine kostbare Reise. Wenn wir das Glück haben, bei relativ guter Gesundheit zu sein, sollten wir dieses Geschenk jeden Tag nutzen. Wir sollten die schönen Momente bewusst erleben, sie mit den Menschen teilen, die wir lieben, und unser Leben mit Begeisterung, Engagement und Motivation gestalten. Dann können wir morgens aufwachen und uns auf einen weiteren Tag in diesem wunderbaren Leben freuen.“

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