29. Juni 2026, 20:02 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Cardio gilt für viele Frauen noch immer als der Schlüssel zum Wunschkörper. Gleichzeitig halten sich hartnäckig Mythen wie die Angst vor „zu vielen Muskeln“, das Training mit möglichst leichten Gewichten oder die Vorstellung, möglichst wenig essen zu müssen. Fitness-Coach, Influencerin und Autorin Jessica Bock räumt im FITBOOK-Interview mit diesen Irrtümern auf und erklärt, warum Krafttraining, Ernährung und Regeneration langfristig den Unterschied machen.
Warum Cardio allein oft nicht zum Wunschkörper führt
FITBOOK: Viele Frauen glauben, wer schlank werden will, sollte vor allem Cardio machen. Warum greift diese Vorstellung zu kurz?
Jessica Bock: „Weil Abnehmen und Körperformung zwei unterschiedliche Dinge sind. Cardio kann dabei helfen, Kalorien zu verbrennen und die Herz-Kreislauf-Gesundheit zu verbessern. Daran gibt es keinen Zweifel. Aber wenn Frauen langfristig ihre Körperzusammensetzung verändern möchten, spielt Krafttraining eine entscheidende Rolle. Muskeln erhöhen den Energieverbrauch des Körpers – auch in Ruhe –, sind essentiell für unsere Gesundheit und sorgen oft für die Definition, die viele mit dem Begriff ‚straff‘ verbinden. Viele Frauen sind überrascht, wenn sie verstehen, dass die Zahl auf der Waage nicht automatisch etwas über die Körperform aussagt. Genau deshalb ist Muskelaufbau für Frauen aus meiner Sicht ein so wichtiger Baustein für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden.“
Ernährung: Weniger essen ist nicht immer die Lösung
Welche Rolle spielt die Ernährung beim Muskelaufbau – und welche Irrtümer begegnen dir dabei besonders häufig?
„Ernährung spielt eine zentrale Rolle. Training setzt den Reiz, aber die Anpassung findet nur statt, wenn der Körper ausreichend Pause, Energie und Nährstoffe bekommt. Der häufigste Irrtum ist wahrscheinlich die Vorstellung, dass Frauen möglichst wenig essen sollten, um Fortschritte zu machen. Viele trainieren regelmäßig, möchten Muskeln aufbauen und befinden sich gleichzeitig dauerhaft in einem sehr starken Kaloriendefizit. Das passt oft nicht zusammen. Ein weiterer Mythos ist, dass Muskelaufbau nur mit extrem hohen Proteinmengen funktioniert. Eiweiß ist wichtig, aber genauso sind es auch Kohlenhydrate und Fette. „Eine Hyperfixierung auf Protein ist nicht die Lösung.“
„Frauen werden nicht aus Versehen muskulös“
Welcher Fitness-Mythos hält Frauen am häufigsten vom Krafttraining ab?
„Ganz klar die Angst, durch Krafttraining ‚zu muskulös‘ zu werden. Das höre ich seit Jahren immer wieder. Dabei ist die Realität genau das Gegenteil. Krafttraining kann Frauen dabei helfen, stärker, gesünder und selbstbewusster zu werden. Frauen werden nicht aus Versehen muskulös – genauso wenig wie man aus Versehen einen Marathon läuft.“
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Der Irrtum vom „straffen“ Körper
Viele Frauen trainieren mit leichten Gewichten und vielen Wiederholungen, um „straff“ statt muskulös zu werden. Was sagst du dazu?
„Das ist einer der hartnäckigsten Fitness-Mythen überhaupt. ‚straff‘ ist aus physiologischer Sicht kein Trainingsziel. Straff wirkt ein Körper dann, wenn ausreichend Muskulatur vorhanden ist und der Körperfettanteil dazu passt. Deshalb sollten Frauen keine Angst davor haben, auch mit herausfordernden Gewichten zu trainieren. Wer stärker werden möchte, muss dem Körper auch einen Grund geben, stärker zu werden.“
Mehr Muskeln, weniger Fett – und trotzdem kein Gewichtsverlust?
Warum bedeutet ein gleichbleibendes Gewicht nicht automatisch fehlende Fortschritte?
„Weil die Waage nur einen kleinen Teil der Geschichte erzählt. Gerade zu Beginn eines Krafttrainingsprogramms kann es sein, dass Muskulatur aufgebaut wird, während gleichzeitig Körperfett reduziert wird. Die Waage misst Gewicht. Sie misst keine Gesundheit, keine Fitness und kein Selbstvertrauen.“
Warum der Vergleich auf Social Media krank machen kann
Welchen Einfluss haben soziale Medien auf die Gesundheit von Frauen?
„Ich glaube, der Vergleich mit anderen ist heute einer der größten Stressfaktoren für viele Frauen. Wir sehen täglich Menschen, die scheinbar perfekt trainieren, perfekt essen und immer motiviert sind. Dabei vergessen wir oft, dass wir nur einen kleinen Ausschnitt ihres Lebens sehen. Fitness bedeutet für mich heute nicht mehr, einem bestimmten Ideal hinterherzulaufen. Fitness bedeutet, einen Körper aufzubauen, der stark, gesund und belastbar ist.“
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Muskelaufbau kennt keine Altersgrenze
Viele Frauen glauben, dass Muskelaufbau ab 30 oder 40 kaum noch möglich ist. Was ist Mythos und was ist Realität?
„Natürlich verändert sich unser Körper mit zunehmendem Alter. Aber die Vorstellung, dass Muskelaufbau ab 30 oder 40 kaum noch möglich ist, ist schlicht falsch. Tatsächlich zeigen Studien, dass Menschen auch im höheren Alter noch Muskulatur aufbauen und ihre Leistungsfähigkeit deutlich verbessern können. Ich glaube sogar, dass Krafttraining mit zunehmendem Alter immer wichtiger wird.“
„Wahre Disziplin bedeutet manchmal, bewusst weniger zu machen“
Was war der größte Fitness-Mythos, an den du selbst geglaubt hast?
„Definitiv die Vorstellung, dass mehr immer besser ist. Gesundheit entsteht nicht dadurch, dass wir unseren Körper ständig unter Druck setzen. Sie entsteht durch die richtige Balance aus Training, Ernährung, Schlaf und Regeneration. Früher dachte ich, Disziplin bedeutet, immer noch mehr zu machen. Heute weiß ich: Wahre Disziplin bedeutet manchmal, bewusst weniger zu machen.“