Jedes Jahr erhalten in Deutschland mehr als eine halbe Million Menschen die Diagnose Krebs. Gleichzeitig sind die Chancen auf Heilung heute deutlich besser als noch vor wenigen Jahrzehnten. Führende Experten aus Medizin, Forschung und Gesundheitspolitik sind überzeugt: Viele Krebstodesfälle könnten künftig verhindert werden – wenn Prävention und Früherkennung stärker in den Mittelpunkt rücken.
Darüber diskutierten renommierte Onkologen, Wissenschaftler und Politiker beim diesjährigen „Vision Zero“-Summit bei BILD am 15. Juni in Berlin. Das Ziel der Initiative: die Zahl der vermeidbaren Krebstodesfälle langfristig auf null zu senken.
Krebsmedizin im Wandel
Die Krebsforschung erlebt derzeit einen rasanten Fortschritt. Personalisierte Therapien, moderne Antikörper-Wirkstoffe, Gentherapien und der Einsatz künstlicher Intelligenz eröffnen neue Möglichkeiten für die Behandlung vieler Tumorerkrankungen. Doch die Experten betonten auch: Medizinische Innovationen allein werden nicht ausreichen. Entscheidend sei, Erkrankungen möglichst früh zu erkennen oder sogar ganz zu verhindern.
„Vision Zero bedeutet nicht die Illusion einer Welt ohne Krebs. Es bedeutet einfach, vermeidbare Krebstodesfälle nicht länger als statistische Normalität einfach hinzunehmen“, erklärte der Onkologe Prof. Christof von Kalle beim Summit. „Null!“, lautete deshalb auch seine Antwort auf die Frage: Wie viele vermeidbare Krebstote dürfen wir akzeptieren?
40 Prozent der Krebsfälle gelten als vermeidbar. Vorbeugen fängt beim Lebensstil an – als Risikofaktoren gelten u. a. der Konsum von Tabak und Alkohol, eine ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel. Ein weiterer wichtiger Baustein: Vorsorge. Deshalb war ein weiterer Schwerpunkt des Summits die Bedeutung von Vorsorgeuntersuchungen. Viele Krebsarten lassen sich heute in frühen Stadien erkennen – oft noch bevor Beschwerden auftreten. Besonders bei Darmkrebs zeigen Studien, dass Früherkennung die Überlebenschancen deutlich verbessern kann. Experten zufolge könnten dadurch jedes Jahr 7000 Lebensjahre gewonnen werden.
Der diesjährige „Vision Zero“-Award ging an das Projekt „Prävention beginnt in der Schule“ der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung (ÄGGF).
Im Mittelpunkt steht die Aufklärung über Humane Papillomviren (HPV). Die Viren zählen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen weltweit und können später verschiedene Krebsarten auslösen, darunter Gebärmutterhalskrebs. Fachleute sehen in der HPV-Impfung eine der wirksamsten Maßnahmen zur Krebsprävention. Dennoch gibt es in Deutschland weiterhin Nachholbedarf bei den Impfquoten. So gibt es trotz effektiver Impfungen noch 10.500 HPV-bedingte Krebserkrankungen in Deutschland.
Die Teilnehmer der Veranstaltung waren sich einig: Die Chancen im Kampf gegen Krebs waren selten größer als heute. Moderne Therapien, digitale Technologien und künstliche Intelligenz könnten die Behandlung in den kommenden Jahren grundlegend verändern.
Gleichzeitig bleibt Prävention der wichtigste Hebel. Wer auf einen gesunden Lebensstil achtet, Vorsorgeangebote wahrnimmt und empfohlene Impfungen nutzt, kann sein persönliches Krebsrisiko bereits heute deutlich senken.
Fazit
Die Vision einer Welt ohne vermeidbare Krebstodesfälle mag ambitioniert erscheinen. Doch Experten sind überzeugt, dass Prävention, Früherkennung und medizinische Innovationen zusammen das Potenzial haben, die Krebsmedizin nachhaltig zu verändern.
Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen.
Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den
Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit
Tracking und Cookies entscheiden.
Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige
Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an
datenschutz@axelspringer.de.