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Neurologische Erkrankung

Ursachen, Symptome und Verlauf von Epilepsie

Bei Epilepsie kommt es infolge einer übermäßigen Aktivität von Nervenzellen im Gehirn zu plötzlich auftretenden Krampfanfällen.
Bei einer Epilepsie kommt es durch eine Überaktivität von Nervenzellen zu plötzlich auftretenden Krampfanfällen Foto: Getty Images/Science Photo Libra
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Julia Freiberger
Ernährungsexpertin

28. April 2026, 16:00 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die eine vorübergehende Funktionsstörung des Gehirns verursacht. Die Folgen nach einem epileptischen Anfall sind bei jedem individuell und hängen auch von dessen Stärke ab. FITBOOK nennt Arten von Epilepsie und beschreibt die Folgen der Anfälle.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist eine chronische Erkrankung des Gehirns, die durch eine anhaltende Neigung zu epileptischen Anfällen gekennzeichnet ist. Dabei kommt es zu plötzlichen, unkontrollierten elektrischen Entladungen von Nervenzellen im Gehirn.

Wie sich ein solcher Anfall äußert, kann sehr unterschiedlich sein: Manche Betroffene verlieren kurzzeitig das Bewusstsein oder wirken abwesend, andere erleiden unkontrollierte Zuckungen einzelner Muskeln oder des gesamten Körpers. In manchen Fällen kommt es zu einem Sturz, Verletzungen oder zum Zungenbiss.

Die Anfälle können mehrfach auftreten und zu Bewegungs-, Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörungen führen. In der Regel dauern sie nicht länger als zwei Minuten und können auch erfolgen, ohne das eine diagnostizierte Epilepsie vorhanden ist. Zwischen den Anfällen haben die Betroffenen keine Beschwerden.

„Gewitter im Gehirn“

Mit der umgangssprachlichen Bezeichnung „Gewitter im Gehirn“ wird ein epileptischer Anfall häufig beschrieben. Gemeint ist damit eine plötzliche, abnorme und übermäßig synchrone elektrische Aktivität von Nervenzellen im Gehirn.

Während die Nervenzellen normalerweise in fein abgestimmten Mustern miteinander kommunizieren, geraten diese Abläufe bei einem Anfall kurzfristig aus dem Gleichgewicht. Je nachdem, welche Hirnregion betroffen ist, können die Symptome unterschiedlich ausfallen – von kurzen Bewusstseinsaussetzern bis hin zu ausgeprägten Krampfanfällen.1

So viele Menschen sind aktuell betroffen

Schätzungen zufolge liegt die Häufigkeit von Epilepsie in Europa bei etwa 3 bis 8 Fällen pro 1000 Menschen, was rund 0,3 bis 0,8 Prozent der Bevölkerung entspricht. In Deutschland sind etwa 500.000 Menschen betroffen.2

Welche Ursachen hat Epilepsie?

Die Erkrankung kann unterschiedliche Ursachen haben. So kann theoretisch jeder Mensch unter bestimmten Voraussetzungen oder Umständen einen epileptischen Anfall bekommen. Auslöser für die Anfälle können unter anderem akute Erkrankungen des Gehirns (wie Tumoren oder ein Schlaganfall), bestimmte Medikamente, Unterzuckerung oder auch Schlafmangel sein. Aber auch Drogen- oder Alkoholentzug können potenzielle Auslöser für einen epileptischen Anfall darstellen. Folgende Unterscheidungen sind möglich:

Nicht provozierter Anfall

Besteht bei dem Betroffenen eine Epilepsie, treten die Anfälle meist unvorhersehbar auf. In diesem Fall spricht man von nicht provozierten Anfällen, da kein unmittelbarer Auslöser erkennbar ist.

Provozierter Anfall

Bei einem sogenannten provozierten Anfall handelt es sich um eine Reaktion des Körpers auf bestimmte auslösende Faktoren, die auch als „Trigger“ bezeichnet werden. In vielen Fällen lassen sich diese Auslöser erkennen und vermeiden.

Wichtig ist zudem: Einzelne provozierte Anfälle sind nicht mit einer Epilepsie gleichzusetzen. Sie können unter bestimmten Umständen auch bei ansonsten gesunden Menschen auftreten und werden dann als „Gelegenheitsanfall“ bezeichnet.3

Mögliche Ursachen für einen epileptischen Anfall:

  • Schlaganfall
  • Sauerstoffmangel
  • Alkohol und Drogen (wie Ecstasy oder Amphetamine)
  • Genetische Veranlagung
  • Bestimmte Medikamente
  • extreme psychische und körperliche Belastung
  • Verletzungen des Gehirns
  • Enzephalitis
  • Stoffwechselerkrankungen

Auch interessant: Angelman-Syndrom – Ursachen, Symptome und Verlauf

Arten von Epilepsie

Aus den Ursachen heraus lassen sich die häufigsten Epilepsietypen bestimmen:

Genetische Epilepsie

Sie wird auch als idophatische Epilepsie bezeichnet und ist bei den Betroffenen genetisch veranlagt. Dabei sind bei diesen Anfällen sogar beide Gehirnhälften betroffen.

Strukturelle Epilepsie

Die strukturelle Epilepsie ist unter dem Namen symptomatische Epilepsie bekannt. So ist ihre Ursache auf eine Krankheit oder Hirnverletzung zurückzuführen. Für gewöhnlich werden die Anfälle in einem begrenzten Bereich des Gehirns ausgelöst.

Epilepsie mit unbekannter Ursache

Diese Art wird als kryptogene Epilepsie bezeichnet. Hierbei kann keine Ursache für die Anfälle gefunden werden.4

Wie läuft ein epileptischer Anfall ab?

Wenn bei Epilepsie oft von einem „Gewitter im Gehirn“ die Rede ist, lassen sich epileptische Anfälle selbst anschaulich mit „Blitzschlägen“ vergleichen: Sie treten meist plötzlich auf und sind in ihrem genauen Zeitpunkt schwer vorherzusagen. Diese Unvorhersehbarkeit kann für Betroffene sehr belastend sein. Mithilfe eines Anfallskalenders sowie Untersuchungen wie dem EEG (Hirnstromkurve) lässt sich das individuelle Anfallsrisiko jedoch besser einschätzen.

Dauer eines Anfalls

In der Regel dauert ein epileptischer Anfall nur wenige Sekunden bis zu zwei Minuten. Die Person kann in dieser Zeit eingeschränkt oder nicht ansprechbar sein. Kurzzeitige Bewusstseinsaussetzer werden auch als „Absencen“ bezeichnet und können – je nach Form der Epilepsie – mehrfach am Tag auftreten.

Status epilepticus

Sollte es dazu kommen, dass ein epileptischer Anfall länger fünf Minuten anhält, handelt es sich um einen medizinischen Notfall, welcher schnell mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden muss. Man spricht auch von einem „Status epilepticus“.

Diese Arten und Symptome von epileptischen Anfällen gibt es

Krampfanfälle sind ein häufiges Symptom eines epileptischen Anfalls. Sie können sich stark auf die Empfindungen, Bewegungen und das Bewusstsein der betroffenen Person auswirken. Welche Symptome auftreten, hängt davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.

Grundsätzlich wird zwischen zwei Anfallsformen unterschieden: dem fokalen und dem generalisierten Anfall. Beim generalisierten Anfall sind von Beginn an beide Hirnhälften betroffen. Bei einem fokalen Anfall hingegen geht die Störung von einem umschriebenen Bereich in einer Hirnhälfte aus.

Wichtig ist: Ein einzelner Anfall bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Epilepsie vorliegt. Von einer Epilepsie spricht man in der Regel erst bei wiederholten, nicht provozierten Anfällen.

Symptomatik eines fokalen Anfalls

Bei einem fokalen Anfall kann der Betroffene Verhaltensweisen wie Lippenlecken, Schmatzen oder Zappeln nicht mehr kontrollieren. Zudem können Muskelzuckungen, Muskelschwäche oder Verkrampfungen von Gliedmaßen auftreten. Weitere Symptome sind mögliche Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Lichtblitze, die durch die veränderte Aktivität im Gehirn ausgelöst werden.

Auch kann es sein, dass die Person ungewöhnliche Geräusche oder Gerüche wahrnimmt oder Aussetzer in der Sprache oder im Gedächtnis hat. Weiterhin können Betroffene Schweißausbrüche, Speichelfluss, Übelkeit und Herzrasen entwickeln. Häufig ist sich die betroffene Person im Nachhinein nicht bewusst, dass sie einen Anfall hatte.

Symptomatik eines generalisierten Anfalls

Generalisierte Anfälle können sich unterschiedlich äußern: So kann es sich beispielsweise um kurze Momente handeln, in denen die Person „aussetzt“. In diesem Fall spricht man von sogenannten Absencen, also kurzen Bewusstseinsstörungen.

Andere generalisierte Anfälle gehen mit einem plötzlichen Bewusstseinsverlust einher, bei dem die Betroffenen stürzen können. Häufig kommt es dabei zu einer Verkrampfung des gesamten Körpers, gefolgt von rhythmischen Zuckungen der Arme und Beine.

Symptomatik eines tonisch-klonischen Anfalls

Zu den häufigsten Anfallsformen gehört der sogenannte tonisch-klonische Anfall. Dabei kommt es zunächst zu einer plötzlichen Anspannung der Muskulatur, wodurch der Körper steif wird (tonische Phase). Anschließend folgt die klonische Phase, in der es zu rhythmischen Zuckungen durch abwechselndes An- und Entspannen der Muskeln kommt.

Während des Anfalls kann es zu einem Bewusstseinsverlust kommen. Betroffene können sich dabei auf die Zunge oder die Wangen beißen oder Urin verlieren, da die Kontrolle über den Körper eingeschränkt ist. Nach dem Anfall sind viele Betroffene erschöpft, benommen oder verwirrt.

Welche Folgen hat ein epileptischer Anfall?

Für gewöhnlich führen epileptische Anfälle nicht zu bleibenden Schäden im Gehirn oder zu geistigen Behinderungen – anders als ein sogenannter Status epilepticus, der, wenn er nicht rechtzeitig behandelt wird, zu bleibenden Hirnschäden und im schlimmsten Fall zum Tod führen kann.5

Die Folgen nach einem Anfall sind bei jedem individuell und hängen auch von dessen Stärke ab. Einige Menschen können sich schnell von einem Anfall erholen und ihre Tätigkeit wieder aufnehmen, als sei nichts gewesen. Wiederum andere haben mit Verwirrtheit, Erschöpfung oder Erinnerungslücken zu Momenten des Anfalls zu kämpfen.

Besonders nach schweren Anfällen kann es sein, dass Betroffene verwirrt sind und Zeit benötigen, um sich zu erholen. In dieser Phase kann es zu Sprachstörungen, Niedergeschlagenheit, Vergesslichkeit oder auch vorübergehenden Lähmungen kommen. Auch die Angst vor weiteren Anfällen kann psychisch belasten und das Risiko für Depressionen erhöhen.6

Hohes Verletzungsrisiko

Ein weiteres Risiko stellt die hohe Verletzungsgefahr dar, die mit den Anfällen einhergeht. Die Betroffenen können sich neben Sturzverletzungen auch Prellungen zuziehen. In einigen Fällen müssen Menschen, die an schweren Anfällen leiden, lernen, ihren Alltag und Lebensstil umzustellen. So ist es ihnen beispielsweise nicht möglich, bestimmte Berufe zu erlernen oder Auto zu fahren. Auch Freizeitaktivitäten sollten immer in Begleitung durchgeführt werden.7

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Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?

Einer Epilepsie-Diagnose gehen eine Anamnese und eine körperliche Untersuchung voraus. Es gibt unterschiedliche Verfahren, die dabei helfen können, die Erkrankung festzustellen. Beispielsweise kann man mithilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG) die Hirnströme messen und Hinweise auf eine erhöhte Anfallsbereitschaft erhalten. Es ist ebenfalls möglich, neurologische Veränderungen im Gehirn zu untersuchen. Dazu werden Verfahren wie die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt.

Eine Blutuntersuchung kann helfen, mögliche Ursachen für einen Krampfanfall oder eine Epilepsie zu erkennen. In einigen Fällen kann auch ein genetischer Test durchgeführt werden, um festzustellen, ob erbliche Ursachen vorliegen.

Behandlungsmöglichkeiten

Wenn es sich um einen ersten Anfall handelt, so ist dieser meistens kurz und hört auch von selbst wieder auf. In solchen Situationen ist es nicht notwendig, mit einer medikamentösen Therapie zu beginnen. Diese greift erst, wenn sich die Anfälle häufen und eine Epilepsie bei dem Betroffenen festgestellt wird. Dann setzt man sogenannte „Antiepileptika“ ein, die die Funktion haben Krampfanfälle im Gehirn zu unterdrücken. In einmaligen Fällen kann eine Operation durchgeführt werden. Das ist jedoch nur möglich, wenn es sich bei dem betroffenen Hirnbereich um einen engen Bereich handelt, der keine lebenswichtigen Funktionen erfüllt.8

Quellen

  1. Gesundheit.GV.AT. Epilepsie: Was ist das? (aufgerufen am 27.04.2026) ↩︎
  2. Deutsche Hirnstiftung. Epilepsie. (aufgerufen am 27.04.2026) ↩︎
  3. NetDoktor. Epileptischer Anfall. (aufgerufen am 27.04.2026) ↩︎
  4. Universitäts Spital Zürich. Epilepsie. (aufgerufen am 27.04.2026) ↩︎
  5. Danish Care Technology. Was ist Status Epilepticus? (aufgerufen am 27.04.2026) ↩︎
  6. Universitätsklinikum Freiburg. Epilepsie & Depressionen. (aufgerufen am 27.04.2026) ↩︎
  7. Mediclin. Epilepsie: Ursachen, Folgen & Behandlung. (aufgerufen am 27.04.2026) ↩︎
  8. Schön Klinik Gruppe. Epileptischer Anfall. (aufgerufen am 27.04.2026) ↩︎

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