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Medfluencer im FITBOOK-Interview

Doc Felix: »Männer erreicht man über Leistung – nicht über Angst

Felix M. Berndt alias Doc.Felix
Felix M. Berndt alias Doc.Felix möchte Männer für Gesundheitshemen begeistern Foto: Johannes Krahforst
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Melanie Hoffmann
Fitness- und Schlafexpertin

21. April 2026, 20:03 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Warum erreichen klassische Gesundheitstipps viele Männer nicht – und wie schafft man es trotzdem, sie für Themen wie Darmgesundheit, Vorsorge oder sogar Hodenkrebs zu sensibilisieren? Social-Media-Arzt Doc Felix erklärt im FITBOOK-Interview, warum Männer anders angesprochen werden müssen als Frauen, welche Rolle Performance dabei spielt – und wieso ein Moment im Badezimmer Leben retten kann.

Felix M. Berndt, besser bekannt als „Doc Felix“, gehört zu den bekanntesten Medizin-Influencern Deutschlands. Mit Millionen Followern klärt er auf Social Media über Gesundheit auf – und versucht dabei, insbesondere Männer besser zu erreichen. FITBOOK traf den „Medfluencer“ auf der FIBO, der großen Fitnessmesse in Köln, wo er als GilletteLabs-Markenbotschafter über Performance im Alltag und im gesundheitlichen Kontext aufklärte.

Doc Felix auf der FIBO 2026
Doc Felix auf der FIBO 2026 Foto: FITBOOK

„Mir geht es darum, aufzuklären, gerade bei Themen wie Männergesundheit“

FITBOOK: Was bewegt Sie, als „Doc.Felix“ auf Social Media und Veranstaltungen wie der FIBO über gesundheitliche Themen zu sprechen bzw. zu posten?
Doc Felix: „Für mich steht ganz klar der Inhalt im Vordergrund. Ich mache Content, weil ich Themen spannend finde und weil ich möchte, dass Menschen etwas daraus mitnehmen. Natürlich spielt Reichweite eine Rolle, aber in erster Linie geht es mir darum, aufzuklären – gerade bei Themen wie Männergesundheit, die oft noch zu wenig Beachtung bekommen.“

Mittlerweile folgen Ihnen allein auf Instagram über zwei Millionen Menschen – hätten Sie je gedacht, dass Sie mit Ihren Inhalten so genau das treffen, was die Leute sehen und wissen möchten?
„Ich finde es immer noch verrückt, wie sich das entwickelt hat. Auch abseits von Social Media. Als Beispiel: Ich habe mich vor ein paar Jahren auf die FIBO hineingeschmuggelt, weil ich kein Ticket hatte und unbedingt rein wollte. Damals kannte mich niemand. Und heute werde ich von großen Medien angefragt und bin als Athlet mit Partnern wie Gillette vor Ort. Das zeigt einfach, wie viel sich über die Zeit verändern kann.“

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„Man muss Gesundheit für Männer anders verpacken“

Sie versuchen, Männergesundheit mehr in den Fokus zu rücken. Sind Männer für Gesundheitsthemen weniger empfänglich als Frauen?
„Ich glaube, man muss Gesundheit für Männer anders verpacken als für Frauen. Männer erreicht man oft besser über Themen wie Performance, Aussehen und Optimierung als über Angst oder Krankheit. Besonders, wenn man darüber aufklärt, dass gesundheitliche Themen für Hormone allgemein und speziell für Testosteron eine Rolle spielen, horchen sie auf. Viele Männer haben aber auch eine gewisse Hemmschwelle, zum Arzt zu gehen – vor allem bei intimen Themen. Frauen sind da routinierter, gehen zum Beispiel regelmäßig zum Gynäkologen. Ich versuche, Gesundheit in alltägliche Situationen zu integrieren, zum Beispiel beim Kochen oder im Badezimmer. Dort sind die Menschen entspannter und offener für Inhalte.“

Intimrasur, Hodenkrebs und Früherkennung

Eine Alltagssituation ist etwa die Intimrasur beim Mann? Auf dieses Thema gehen Sie ja auch ein …
„Gerade bei Themen wie Intimrasur sehe ich eine Chance, Männer für ihre Gesundheit zu sensibilisieren. Wenn man sich ohnehin mit seinem Körper beschäftigt, fallen Veränderungen eher auf. Etwa solche, die auf Hodenkrebs schließen lassen könnten. Von dieser Erkrankung sind eben auch junge, sportliche Männer betroffen. Hodenkrebs ist ein Krebs, der sehr gut behandelbar ist, wenn man ihn früh erkennt. Hierfür möchte ich sensibilisieren. Ich kenne Fälle, in denen jemand durch ein Video aufgeklärt wurde und auf eine Veränderung aufmerksam geworden ist. Dadurch ist er dann auch rechtzeitig zum Arzt gegangen.“

„Der Darm ist ein Muskelschlauch“

Ein großes Gesundheitsthema ist die Darmgesundheit. Wie stehen Männer zu diesem Thema?
„Ich merke, dass sich eher Frauen dafür interessieren. Dabei betrifft es aber ja auch Männer. Ich glaube, dass man die Männer beim Thema Darmgesundheit direkter ansprechen muss. Man darf nicht zu abstrakt werden, sondern muss klar sagen, was sie davon haben: bessere Regeneration, mehr Leistungsfähigkeit, seltener krank werden. Der Darm ist letztlich auch ein Muskelschlauch – und das Thema Muskel ist etwas, womit viele Männer etwas anfangen können.“

Haben Sie ein paar praktische Tipps für einen gesunden Darm?
„Ich versuche immer, nicht in Verzicht zu denken. Die meisten Menschen fragen sich sofort, was sie alles nicht mehr essen dürfen. Ich drehe das um und frage: Was braucht dein Körper eigentlich, um optimal zu funktionieren? Beim Darm sind das zum Beispiel Ballaststoffe, Bewegung und eine Ernährung, die die Darmbakterien unterstützt. Manchen Menschen tut Intervallfasten gut, etwa Betroffenen von Morbus Crohn. Aber auch den täglichen Toilettengang kann man optimieren, indem man die Füße auf einen Hocker stellt und so seinen Winkel verändert.“

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Nicht nur nicht krank werden, sondern leistungsfähiger werden

Wie ist es mit Themen wie Bluthochdruck, die vor allem langfristig Gefahren bergen? Versuchen Sie auch, darüber aufzuklären, und wenn ja, wie?
„Mein Ansatz ist nicht, über Krankheiten zu sprechen, sondern über Gesundheit. Ich möchte diesen Gedanken aufbrechen, dass Gesundheit nur bedeutet, nicht krank zu sein. Es geht darum, sich besser zu fühlen, leistungsfähiger zu sein und das eigene Potenzial auszuschöpfen. Ein Arzt in einer Praxis versucht, jemanden aus dem Minus auf Null zu bringen. Ich versuche, jemanden ins Plus zu bekommen. Mit anderen Worten: Es geht nicht nur darum, nicht krank zu werden, sondern darum, leistungsfähiger zu werden. Ich denke in Richtung Performance: Wie kannst du fitter werden und dich optimieren, statt nur Probleme zu vermeiden? Beim Thema Bluthochdruck etwa würde ich sagen: Bluthochdruck ist ein ‚Silent Killer‘, aber ich verpacke das eher in: Wie kannst du dich insgesamt besser fühlen?“

Geht es auch darum, durch gute Beispiele aufzuklären und zu inspirieren?
„Menschen ändern ihr Verhalten selten wegen eines Arztbesuchs. Oft sind es emotionale Auslöser – eine Trennung, ein Vorbild, ein Film. Deshalb müssen wir sie dort erreichen, wo sie sich aufhalten, zum Beispiel über Social Media, Fitnessevents oder über Marken und Plattformen, die sie ohnehin konsumieren.“

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„Früh anfangen, sich gut um sich selbst zu kümmern“

Frauen sind zunehmend bemüht, sich frühzeitig über die Wechseljahre aufzuklären. Wäre es schlau, wenn sich Männer ähnlich stark Gedanken über das Älterwerden machen würden?
„Bei Männern passieren viele körperliche Veränderungen schleichend. Muskelmasse und Leistungsfähigkeit nehmen über die Jahre ab, aber nicht abrupt, sondern kontinuierlich. Ich finde es schwierig, festzulegen, ab wann man seinen Lebensstil ändern muss, weil das der falsche Ansatz ist. Es gibt keinen Punkt, an dem plötzlich alles kippt. Alles, was du tust, wirkt sich über Jahre hinweg aus – im Positiven wie im Negativen. Deshalb sollte man nicht erst reagieren, wenn Probleme da sind, sondern früh anfangen, sich gut um sich selbst zu kümmern. Man sollte einfach immer etwas tun.“

„Ich habe früher Sport gehasst“

Wenn wir jetzt mal weggehen von Männergesundheit – welche Inhalte funktionieren bei Ihrer gesamten Zielgruppe gut?
„Ich finde es spannend, welche Themen auf Social Media besonders gut funktionieren. Inhalte wie ‚Medizin steckt im Essen‘ gehen extrem viral. Auch die Verbindung zwischen Körper und Geist interessiert viele Menschen sehr. Und was mich überrascht hat: Wenn man die Community direkt fragt, öffnen sich viele und teilen ihre Sorgen öffentlich. Auch persönliche Geschichten funktionieren immer besonders gut. Wenn ich erzähle, wie ich früher war und wie sich mein Weg entwickelt hat, können sich viele Menschen damit identifizieren. Gerade weil ich nicht der Typ war, der schon immer sportlich war. Ich habe früher Sport gehasst.“

Jetzt wirken Sie sportlich. Hat sich das also verändert?
„Ich muss mich bis heute zum Sport motivieren. Gerade Ausdauertraining fällt mir schwer. Dieses Bild vom ‚Runner’s High‘ trifft nicht auf jeden zu. Die meisten kennen eher den inneren Widerstand. Ich auch. Deshalb belohne ich mich bewusst danach – damit mein Körper lernt: Das ist gut für mich.“

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