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Studie zeigt

Diesen Fehler vor dem Blutspenden sollte man vermeiden

Vor dem Blutspenden kein Koffein zu sich nehmen
Koffein wirkt sich auf das Blutspenden aus – sowohl positiv als auch negativ Foto: Getty Images
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10. September 2025, 13:18 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Trinken Sie Kaffee? Dann schätzen Sie wahrscheinlich die durch Koffein ausgelösten Effekte auf Aufmerksamkeit und Wachheit, die umso mehr natürlich mit dem Konsum von Energy-Drinks einhergehen. Ebenso kann Koffein bekanntlich den Blutdruck beeinflussen – und das Blut selbst. Zu diesem Ergebnis, das nicht zuletzt beim Blutspenden relevant ist, kamen Forscher in einer neuen Untersuchung. FITBOOK-Autorin Laura Pomer erklärt die Erkenntnisse.

Studie untersucht Wirkung von Koffein auf Blutspenden

Blutspenden können Leben retten. Und als wäre das nicht bereits Argument genug, ist es auch für den Spender selbst mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden.1 Regelmäßige Blutspenden können das Herz-Kreislauf-System stärken, indem sie unter anderem die Zellerneuerung anregen. Gleichzeitig erhalten Blutspender einen kostenlosen Gesundheitscheck. Denn vor der Blutentnahme wird auf Infektionskrankheiten getestet und wichtige Blutwerte sowie das Blutbild werden überprüft. Und vielleicht sollte diese Untersuchung um die Abfrage des Koffeinkonsums ergänzt werden. Zu dieser Überlegung veranlassen die Ergebnisse einer neuen Studie.2 Diese „deuten darauf hin, dass schon etwas so Alltägliches wie die morgendliche Tasse Kaffee wichtige Auswirkungen auf die Qualität von gelagertem Blut und dessen Wirksamkeit bei Transfusionen haben kann“, erklärt Angelo D’Alessandro, Leiter der Studie, in einer Pressemitteilung.3

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Es handelt sich um die erste großangelegte Studie, die den Einfluss von Koffein auf die Biologie der roten Blutkörperchen untersucht. Konkret stellten die Forscher einen Zusammenhang zwischen einem höheren Koffeinspiegel im Blut und roten Blutkörperchen fest, die während der Lagerung leichter geschädigt werden und nach der Transfusion weniger effektiv sind.

Ablauf der Untersuchung

Die Forscher untersuchten mehr als 13.000 Blutspenden aus der REDS-RBC-Omics-Studie.4 Diese verfolgt das Ziel, das Verständnis von Variationen bei der Lagerungsstabilität und Funktion roter Blutkörperchen (RBCs) zu verbessern. In den Proben bestimmten die Forscher den Koffeingehalt und analysierten dessen Zusammenhang mit verschiedenen Faktoren. Dabei betrachteten sie insbesondere

  • die Stoffwechselprofile der roten Blutkörperchen,
  • deren Stabilität während der Lagerung im Blutbeutel sowie
  • die klinischen Ergebnisse nach einer Transfusion. Hierzu zählt unter anderem ein Anstieg des Hämoglobinwerts bei den Empfängern der Blutspenden, aber auch Hinweise auf eine Hämolyse, also den Zerfall der roten Blutkörperchen.

Teiluntersuchung des kurzfristigen Effekts von Koffein

Um ihre Beobachtungen zu stützen, führten die Wissenschaftler ergänzende Untersuchungen durch. Ein Teil davon bestand in der Betrachtung der kurzfristigen Effekte von Koffein auf den Menschen, genauer gesagt auf sein Blut. Dazu ließen sie acht gesunde Freiwillige jeweils eine Tasse Kaffee trinken und analysierten anschließend deren Blutproben. Dabei interessierte sie speziell die Auswirkung von Koffein auf den Stoffwechsel der roten Blutkörperchen.

Im zweiten Schritt arbeiteten die Forscher mit einem Tiermodell. Sie nutzten Mäuse, bei denen der ADORA2b-Rezeptor genetisch ausgeschaltet war. Zur Erklärung: Der ADORA2b-Rezeptor ist ein Eiweiß, das sich auf der Oberfläche roter Blutkörperchen befindet. Im Normalfall reagiert dieses auf den Botenstoff Adenosin, eine körpereigene Substanz, die als „Müdemacher“ wirkt. Er hilft den Zellen, sich vor Stress und Schäden zu schützen. Koffein, das bekanntlich wach hält, kann diesen Rezeptor blockieren. In der Folge funktioniert der beschriebene Schutzmechanismus nicht mehr richtig. Dadurch könnten rote Blutkörperchen empfindlicher werden. Dies ist im Hinblick auf Blutspenden und deren Lagerung natürlich ein wichtiger Aspekt.

In biochemischen Tests im Labor konnten die Forscher zuletzt zeigen, dass Koffein das Enzym Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase (G6PD) direkt hemmt. Wenn dieses Enzym nicht richtig arbeitet, sind die roten Blutkörperchen schlechter vor oxidativem Stress geschützt. Folglich können sie leichter Schaden nehmen.

Ergebnis: Verschlechterte Qualität von Blutspenden durch Koffein

Die Analyse zeigte deutlich, dass Transfusionen mit koffeinhaltigen roten Blutkörperchen bei den Empfängern der Blutspenden weniger wirksam waren. Das Koffein schien dazu geführt zu haben, dass der Hämoglobinspiegel nach der Transfusion nicht wie gewünscht anstieg. Gleichzeitig stellten die Forscher in diesen Fällen deutliche Hinweise auf einen Zerfall der übertragenen roten Blutkörperchen fest. Diese negativen Effekte waren besonders ausgeprägt, wenn sowohl beim Blutspender als auch beim Empfänger genetische Varianten im ADORA2b-Gen vorlagen.

Studienleiter D’Alessandro fasst zusammen, dass es sich um einen einfach veränderbaren Faktor handelt, der die Qualität der Blutlagerung und die Ergebnisse von Transfusionen beeinflussen könnte. Denn Koffein hat eine kurze biologische Halbwertszeit. Somit könnten bereits zeitlich begrenzte Anpassungen der Ernährung rund um die Blutspende seine negativen Auswirkungen abmildern.

Allerdings hat der negative Effekt auch praktische Vorzüge

Man sollte jedoch einräumen, dass die Auswirkungen nicht immer und ausschließlich negativ sind. Wie die Forscher erklären, hat der Konsum von Koffein vor der Blutspende auch günstige Begleiterscheinungen. So kann der Anstieg des Blutdrucks den Prozess beschleunigen, indem er den Blutfluss verstärkt. Dadurch wird auch das Risiko von Ohnmachtsanfällen reduziert. In Italien beispielsweise werden demnach Blutspender sogar dazu ermutigt, zu koffeinhaltigen Getränken zu greifen.

Wie ist es in Deutschland? FITBOOK hat stichprobenartig in verschiedenen Blutspendezentren nachgefragt. Der allgemeine Tenor: Koffein vor der Blutspende gilt nicht als empfehlenswert. Denn ein zu starker Anstieg des Blutdrucks könne sich negativ auf den Kreislauf der Spender auswirken, erklärt eine Ärztin. Außerdem könne der harntreibende Effekt von Koffein ungünstig sein, da er zu einem Flüssigkeitsmangel führen kann. Ein generelles Verbot von Kaffee vor der Blutspende sei jedoch nicht üblich. „Höchstens bei Personen, die bekanntermaßen zu hohem Blutdruck neigen, raten wir ausdrücklich davon ab. Bei einer allgemein gesunden jungen Frau hingegen wäre ein moderater Kaffeekonsum vor der Spende in der Regel unproblematisch“, so die Ärztin.

Interessanter weiterer Aspekt der Erkenntnisse

Auch an anderer Stelle könnten die eigentlich ungünstigen Effekte von Koffein auf das Blut womöglich günstig sein. Genauer gesagt könnten sie erklären, weshalb Koffein die sportliche Leistungsfähigkeit steigert. Denn sowohl die blockierte Aktivierung des ADORA2B-Rezeptors als auch die Hemmung des Enzyms G6PD erhöhen den oxidativen Stress. Dies ist grundsätzlich keine gute Sache, kann jedoch paradoxerweise eine physiologische Anpassung fördern. Ein kontrollierter Anstieg des oxidativen Stresses gilt nämlich als treibende Kraft für positive Trainingseffekte.

Auch interessant: Bewirkt Kaffee vor dem Sport eine Leistungssteigerung?

Zusammenfassend würde nicht jeder beim Konsum von Koffein vor einer Blutspende nicht unbedingt von einem groben Fehler sprechen. Da Koffein den Blutdruck und die Gefäßspannung der Spender vorübergehend erhöht, verbessert es die Durchblutung und erleichtert somit die Blutentnahme. Dieser Vorteil muss jedoch den harntreibenden Eigenschaften von Koffein gegenübergestellt werden. Diese können eine Dehydrierung begünstigen, die wiederum ein bekannter Risikofaktor für Komplikationen bei Blutspenden ist und zu einem schlechteren Blutfluss während der Entnahme führen kann.

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Studienautor zur möglichen Bedeutung der Ergebnisse

Die Ergebnisse sind für die Praxis insgesamt potenziell relevant. Sie legen nahe, dass die Qualität von Spenderblut neben der Blutgruppe auch von Lebensstilfaktoren sowie genetischen Unterschieden abhängt. Dieses Wissen könnte genutzt werden, um Blutspenden und Transfusionen zu personalisieren. Dadurch ließen sich die Haltbarkeit und Wirksamkeit der Blutkonserven erhöhen.

„Basierend auf unseren (…) Daten wäre es ein kostengünstiger Schritt, Spender zu bitten, zwölf Stunden vor der Spende auf Koffein zu verzichten“, erklärt Studienleiter Angelo D’Alessandro auf FITBOOK-Nachfrage. Dies dürfte die Qualität der gelagerten roten Blutkörperchen und die Effektivität der Transfusion verbessern. Die Empfehlung stehe im Einklang mit der typischen Halbwertszeit von Koffein im Körper. Diese beträgt rund fünf Stunden, was bedeutet, dass ein 12-Stunden-Fenster in der Regel ausreichen müsste, um mehr als zwei Halbwertszeiten bei den meisten Menschen abzudecken.

Feste Laborgrenzwerte, ab denen Koffeinkonzentrationen eindeutig als problematisch gelten, gibt es laut D’Alessandro derzeit nicht. Sein Team geht jedoch davon aus, dass ab etwa 50 μM die Effekte biologisch relevant werden. Diese Konzentration entspricht in etwa dem Koffeinspiegel, den ein durchschnittlicher Erwachsener nach dem Genuss von ein bis zwei Standardtassen Kaffee amerikanischer Größe erreicht. Das wären rund 240 Milliliter, beziehungsweise 95 bis 150 Milligramm Koffein.

Einschränkungen

Bislang ist der Zusammenhang zwischen Koffein und Beeinträchtigungen bei Blutspenden nur korrelativ. Auch andere Faktoren (z. B. die Ernährung, die Einnahme von Medikamenten und weitere Lebensstilgewohnheiten) könnten die Ergebnisse beeinflusst haben. Weiterhin sind Unterschiede zwischen Espresso, Filterkaffee oder Energy-Drinks nicht zu beurteilen, da weder die Menge noch der Zeitpunkt des Koffeinkonsums dokumentiert sind. Die ergänzenden Experimente liefern mit nur acht Probanden zwar erste Hinweise, für allgemeingültige Aussagen ist die Stichprobengröße aber wesentlich zu klein. Auch bleibt die Frage offen, inwieweit Ergebnisse aus genetisch veränderten Mäusen tatsächlich auf den Menschen übertragbar sind.

Quellen

  1. DRK Blutspendedienst: Ist Blut spenden gesund? (aufgerufen am 10.9.2025) ↩︎
  2. Dzieciatkowska, M., Hay, A., Issaian, A. et al. (2025). Caffeine impairs red blood cell storage quality by dual inhibition of ADORA2b signaling and G6PD activity. Haematologica ↩︎
  3. University of Colorado: Study Reveals Caffeine May Undermine Blood Transfusion Effectiveness (aufgerufen am 10.9.2025) ↩︎
  4. Endres-Dighe, M., Guo, Y., Kanias, T. et al. (2019). Blood, sweat, and tears: Red Blood Cell-Omics study objectives, design, and recruitment activities. Transfusion. ↩︎

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