15. Mai 2026, 21:11 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Billy Bob Thornton dippt Weintrauben in Dijon-Senf – nicht aus Exzentrik, sondern aus Not. Im Podcast „Howie Mandel Does Stuff“ sprach der Schauspieler über extreme Ernährungseinschränkungen und eine der weltweit seltensten Blutgruppen. Was dahintersteckt, erklärt Ihnen FITBOOK-Redakteur Michel Winges.
Ketchup-Bagels und Senf-Trauben
Anfang Mai war Billy Bob Thornton zu Gast im Podcast „Howie Mandel Does Stuff“, moderiert von dem US-Entertainer Howie Mandel und dessen Tochter Jackie.1 Gleich zu Beginn dürften die Zuhörer stutzig geworden sein, als Mandel begann, von einer eigenartigen Essenskombination aus dem Hause Thornton zu erzählen. Mandels Sohn und Thorntons Sohn seien befreundet, und eines Tages, als Mandels Sohn zu Besuch war, habe Thornton ihm den liebevoll getauften „Hillbilly-Bagel“ serviert – einen Bagel mit Frischkäse und Ketchup. Als Thornton berichtete, wie es zu solchen Kombinationen kommt, gab er schmunzelnd zu, dass er diese Dinge schlichtweg erfinde, da er „überhaupt nicht kochen kann“. Doch der „Hillbilly-Bagel“ war erst der Anfang: Thornton schob sogleich eine weitere kulinarische Eigenheit hinterher, die sich erst vor Kurzem bei einem Pressetermin ereignet haben soll. Als ein Backstage-Buffet kürzlich nichts Verträgliches für ihn bot, experimentierte Thornton aus der Not heraus: Er dippte Weintrauben in scharfen Dijon-Senf – und war begeistert. „Es war eines der besten Dinge, die ich je gegessen habe. Jetzt ist es für mich zu einer festen Gewohnheit geworden“, so der Schauspieler.
Ist die seltenste Blutgruppe der Welt die Ursache?
Was sich bizarr anhört, und vielleicht auch ist, liegt schlicht daran, dass Thornton keine andere Wahl hat. Im Podcast führte er aus: „Normalerweise haben sie [Backstage] etwas, das ich essen kann, weil meine Ernährung sehr eingeschränkt ist. Ich bin allergisch gegen Weizen und Milchprodukte. Ich habe die Blutgruppe AB negativ, das ist der seltenste Typ der Welt – weniger als ein Prozent der Weltbevölkerung hat das. Es bedeutet, dass man weniger Verdauungsenzyme hat; das ist eines der Dinge, die damit einhergehen. Ich bin einfach mit vielen Allergien aufgewachsen.“
Was Thornton hier beschreibt, muss jedoch etwas eingeordnet werden. Seine Blutgruppe AB negativ ist tatsächlich eine Seltenheit, weniger als ein Prozent der Weltbevölkerung trägt diesen Typ, weswegen sie auch als „Phantom“ unter den Blutgruppen, gilt.2 Seine Allergien gegen Weizen und Milchprodukte sind aber wahrscheinlich vollkommen unabhängig davon. Beides sind weitverbreitete Unverträglichkeiten, die – soweit in der Forschung bekannt – nichts mit der Blutgruppe zu tun haben.
AB‑negativ geht nicht mit einem Enzymmangel einher
Was Thornton hier beschreibt, erinnert an die sogenannte Blutgruppendiät. Eine Theorie, die der amerikanische Naturheilkundler Peter D’Adamo 1996 mit seinem Bestseller Eat Right 4 Your Type populär machte. D’Adamo behauptete darin, die Blutgruppe bestimme, welche Lebensmittel der Körper verträgt und wie effizient er sie verdaut.3 Wissenschaftlich gilt diese Theorie heute jedoch als nicht belegt. Eine systematische Übersichtsarbeit im American Journal of Clinical Nutrition kam 2013 zu dem Schluss, dass es keine belastbaren Belege für einen Zusammenhang zwischen Blutgruppe und Ernährung gibt.4 Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) erklärte, in ihrer Literaturrecherche keine einzige aussagekräftige Studie gefunden zu haben, die einen solchen Zusammenhang nachweist.5 Die Blutgruppe bestimmt bestimmte Merkmale auf roten Blutkörperchen, beeinflusst nach aktuellem Forschungsstand jedoch nicht die Produktion von Verdauungsenzymen.
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Wie schränkt AB negativ Thornton ein?
Blutgruppe AB negativ wird vor allem im Notfall relevant. Als Empfänger kann Thornton bei einer Bluttransfusion ausschließlich Rhesus-negatives Blut erhalten. Das macht die medizinische Versorgung zur logistischen Herausforderung, da Rhesus-negatives Blut grundsätzlich seltener ist. Manche medizinischen Zentren lagern deshalb gefrorenes AB‑negativ‑Blut eigens für solche Fälle. Auf Thorntons Speiseplan, seine Verdauung oder seine Allergien hat die Blutgruppe hingegen keinen nachgewiesenen Einfluss. Was Thornton also tatsächlich einschränkt, sind seine Allergien gegen Weizen und Milchprodukte.