Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für Fitness, Gesundheit und Ernährung
Frauengesundheit Alle Themen
Diagnose und Behandlung

Intimbereich riecht unangenehm? Das könnte der Grund sein

Bakterielle Vaginose kann zu unangenehmen Geruch führen
Bei „bakterieller Vaginose“ denkt man intuitiv an Ansteckung oder Pilz. Tatsächlich ist es eine gestörte Balance des vaginalen Mikrobioms, zu der oft schon kleine Veränderungen führen können. Foto: Getty Images
Artikel teilen
Anna Echtermeyer
Redakteurin

30. März 2026, 21:00 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Eine bakterielle Vaginose ist vor allem ein Ungleichgewicht der Scheidenflora. Erste Hinweise können ein veränderter Geruch und ungewöhnlicher Ausfluss sein. Tückisch ist, dass die Beschwerden manchmal von selbst wieder nachlassen, aber häufig erneut auftreten. Umso wichtiger ist es, nicht nur die akuten Symptome zu behandeln, sondern das empfindliche Gleichgewicht langfristig zu stabilisieren. Die Gynäkologin Heidi Gösslinghoff erklärt, wie dies gelingen kann, woran man die Störung im Scheidenmilieu überhaupt erkennt und wie es dazu kommt.

Was ist eine bakterielle Vaginose?

„Eine bakterielle Vaginose ist keine Infektion im eigentlichen Sinne“, erklärt Dr. med. Heidi Gösslinghoff im Gespräch mit FITBOOK. Vielmehr handele es sich um eine Verschiebung des vaginalen Mikrobioms. Normalerweise gibt es viele Laktobazillen, die die Scheide schützen und das saure Milieu aufrechterhalten. Bei der bakteriellen Vaginose sind diese Laktobazillen vermindert und andere Bakterien, zum Beispiel Gardnerella vaginalis, sind dann dominant.

Woran merke ich, dass es bakterielle Vaginose ist – und nicht einfach „normaler Ausfluss“?

„Das, was den Patientinnen als Erstes auffällt, ist ein unangenehmer Geruch. Besonders nach dem Geschlechtsverkehr oder bei der Periode. Viele beschreiben diesen Geruch als ‚fischartig‘“, erklärt die Gynäkologin. Der Ausfluss sei dann nicht mehr klar bis milchig (normal), sondern „dünnflüssiger und von gräulich-weißlicher Farbe“ – ein Juckreiz sei selten. Hinzu kommt: Ein normaler Ausfluss riecht nicht unangenehm, stellt die Medizinerin klar. Was sich im Laufe des Zyklus verändere, seien lediglich Menge und Viskosität.

Getestet wird auf bakterielle Vaginose in der Gyn-Praxis anhand eines Abstriches, auf den zehnprozentige Kalilauge gegeben wird. Gösslinghoff: „Tritt ein fischiger Geruch auf, ist eine bakterielle Vaginose sehr wahrscheinlich.“

Auch interessant: Wie sich Essgewohnheiten auf die Vagina auswirken können

Was ist der Unterschied zur Pilzinfektion?

„Bei einer Pilzinfektion tritt meist ein starker Juckreiz auf, vergesellschaftet mit einem brennenden Gefühl im Scheidenbereich“, erklärt die Gynäkologin. Häufig sei hier auch eine Rötung zu sehen. Der Ausfluss sei „krümelig, weiß“, erinnere etwa an Hüttenkäse oder Quark.

Im Gegensatz dazu bestehe bei der bakteriellen Vaginose kaum Juckreiz.

Kann eine bakterielle Vaginose von selbst wieder weggehen?

„Ja, es kann von selbst weggehen“, weiß Gösslinghoff. Leider tritt die bakterielle Vaginose jedoch gerne immer wieder auf. Ein einmaliges Abwarten bei Verdacht sei daher okay. Tritt die Vaginose häufiger auf, handele es sich um ein Problem eines verschobenen Scheidenmilieus.

Wie kann ich das bekommen?

Laut der Medizinerin kommt meist nicht nur eine einzige Ursache infrage. „In der Praxis habe ich bakterielle Vaginosen häufiger bei Frauen gesehen, die einen neuen Partner hatten. Dieser hat häufig ein anderes Mikrobiom, an das sich der Körper erst gewöhnen muss“, so die Fachärztin für Gynäkologie.

Aber auch eine Antibiotikatherapie könne ein Auslöser für die Erkrankung sein. Intimsprays oder aggressive Waschlotionen fördern laut Gösslinghoff ebenfalls eine bakterielle Vaginose. Gleiches gelte für eine übertriebene Intimhygiene.

Ein weiterer Punkt seien hormonelle Schwankungen; in seltenen Fällen könne auch eine Spirale mal Auslöser sein. Und: „Häufiger Geschlechtsverkehr kommt als Auslöser ebenfalls infrage“, weiß die Ärztin.

Was kann ich vorbeugend tun?

„Mit der klassischen Therapie werden die Keime bekämpft, die die Vaginose begünstigt haben“, erklärt die Medizinerin. „Und die Laktobazillen leider auch.“ Was fehle, sei die Stärkung des normalen Scheidenmilieus: „Das bedeutet, dass hier mit der Antibiotikatherapie schon der Grundstein für die nächste Verschiebung des Scheidenmilieus gelegt werden kann“, sagt Gösslinghoff.

Wichtig seien deshalb vorbeugende und unterstützende Maßnahmen zur Aufrechterhaltung eines normalen Scheidenmilieus. „Nicht nur Antibiotika nehmen, sondern das Milieu der Scheide gleichzeitig stabilisieren“, beschreibt die Medizinerin den Königsweg der Therapie.

Was heißt das konkret?

  • Keine aggressive Intimpflege,
  • Waschen mit klarem Wasser oder pH-neutralen Produkten im Intimbereich.
  • Bei sehr hartnäckigen Verläufen könne auch Geschlechtsverkehr mit Kondomen Ruhe bringen.

Der wichtigste Punkt ist nach Ansicht der Gynäkologin jedoch, das vaginale Milieu nach der Therapie mit Antibiotika neu aufzubauen. Außerdem gebe es die Möglichkeit, die Vaginalflora zu unterstützen.

Mehr zum Thema

Gibt es Hausmittel, die bei einer bakteriellen Vaginose helfen?

„Diskutiert werden Spülung mit Essigwasser, Teebaumöl oder auch Joghurt“, weiß Gösslinghoff. Allerdings gebe es für diese Maßnahmen keine saubere Evidenz. Manche Maßnahmen, wie die Spülung mit Essigwasser, reizen nach Ansicht der Medizinerin unnötig. Gute Erfolge bei ihren Patientinnen habe sie indes mit Joghurttampons erzielt.

Was ist mit Probiotika?

In einer aktuellen Studie hat sich gezeigt, dass bestimmte Laktobazillen, besonders wenn sie vaginal eingesetzt werden, das Milieu der Scheide stabilisieren und Rückfälle verhindern oder reduzieren können.1 Ist das der neue Weg, eine bakterielle Vaginose zu behandeln? Laut Heidi Gösslinghoff hängt das Ergebnis sehr stark von der Wirkung der einzelnen Bakterienstämme, der Dosierung und der Applikationsform ab. Viele frei erhältliche Präparate seien deshalb nicht mit den in den Studien untersuchten Ansätzen zu vergleichen, weil sie eine andere Zusammensetzung der Bakterien haben.

Dennoch hält sie den Versuch mit vorbeugenden Maßnahmen und einer vaginalen Applikation von Laktobazillen für erfolgsversprechend. „Diese Maßnahmen wirken aber nicht über Nacht, sondern sollten längerfristig beibehalten werden, besonders bei wiederkehrenden Vaginosen“, so die Gynäkologin. Mit längerfristig meint sie nicht zwei Wochen – die Maßnahme sollte „mindestens vier bis acht Wochen“ beibehalten werden.

Auch könne es für die Scheidenflora sinnvoll sein, etwa nach der Periode oder nach Gabe von Antibiotika solche Präparate einzusetzen. Laut Gösslinghoff wirken die Präparate für die Scheidenflora besser, wenn die konservativen Maßnahmen ebenfalls beachtet werden: etwa keine aggressive Intimhygiene sowie luftdurchlässige Slipeinlagen.

Quellen

  1. Kwon D. S., Ravel J., Potloane D. et al. (2026): A phase 1 randomized trial of multi-strain vaginal L. crispatus live biotherapeutic products in people with bacterial vaginosis. Cell Host & Microbe. ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.