17. April 2026, 17:09 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Schützt Aspirin vor Demenz? Viele ältere Menschen nehmen das blutverdünnende Medikament ein, um Blutgerinnseln und Schlaganfällen vorzubeugen. Davon soll auch das Gehirn profitieren. Ob das wirklich zutrifft, hat nun eine neue Studie untersucht.
Aspirin genießt seit fast 130 Jahren einen guten Ruf. Es ist kostengünstig, lindert Schmerzen, hilft bei Durchblutungsstörungen und kann in bestimmten Fällen sogar die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft erhöhen.1 Aber auch die ältere Generation soll von dem viel gepriesenen Medikament profitieren. So wirbt der Pharmakonzern Bayer damit, dass niedrig dosiertes Aspirin einer vorübergehenden mangelnden Durchblutung im Gehirn vorbeugen kann.2 Da Demenz auch im Zusammenhang mit geschädigten Blutgefäßen sowie Durchblutungsstörungen im Gehirn steht, könnte Aspirin auch diesbezüglich eine schützende Wirkung haben. Eine relevante Forschungsfrage. So ergab eine Befragung, dass 30 Millionen US-Amerikaner ab 40 Jahren Aspirin zur Gesundheitsprävention einnehmen.3
Gehirne von 600 Personen untersucht
Die Studie ist Teil der großen ASPREE-Hauptstudie mit über 19.000 Probanden aus Australien und den USA. In dieser Studie wurde der Frage nachgegangen, ob niedrig dosiertes Aspirin (100 Milligramm) verschiedenen Erkrankungen wie Krebs oder Herzinfarkt vorbeugen kann. An der aktuell im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichten Demenz-Untersuchung nahmen ca. 600 klinisch gesunde Probanden ab 70 Jahre und älter teil. 4Diese nahmen über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren täglich Aspirin oder ein Placebo ein. Anschließend ermittelten die Forscher mittels MRT und Augenuntersuchungen, wie stark sich ihre Gehirne und ihre Netzhaut in der Zwischenzeit verändert hatten. Dabei nahmen sie insbesondere kleinste Schäden in der weißen Substanz und in den Augengefäßen unter die Lupe.
Senkt Aspirin das Risiko für Demenz? Forscher finden klare Anwort
Die von den Forschern gewählten Bildgebungsverfahren zeigten Veränderungen bei der Placebo- sowie der Aspirin-Gruppe. Die Unterschiede waren jedoch so gering, dass sie ebenso zufällig sein könnten. Das Forscherteam zog daher ein ernüchterndes Fazit: Aspirin verlangsamt weder die Hirnalterung, noch verhindert es kleine Gefäßschäden im Gehirn. Auch auf der Netzhaut zeigten sich keine relevanten Unterschiede. Bezüglich Demenz gibt es daher keinen belastbaren Hinweis auf schützende Effekte durch Aspirin.
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Tägliche Dosis Aspirin kann laut Studie Risiko für Hirnblutung erhöhen
Ursachen sind komplexer
Die Forscher schließen daraus, dass die Zunahme kleinster Hirnschäden im Alter offenbar nicht allein auf Blutgerinnsel zurückzuführen ist. Vermutlich spielen auch Faktoren wie Bluthochdruck, Entzündungsprozesse oder Stoffwechselprobleme eine Rolle. Das sind alles Prozesse, in die Aspirin nicht eingreifen kann.
Warum die Studie trotz des „enttäuschenden“ Ergebnisses wichtig ist
Die lange Beobachtungszeit und die objektiven Messmethoden lassen auf ein solides Ergebnis schließen. Und auch wenn es fast zu schön gewesen wäre, um wahr zu sein, mit Aspirin Demenz verhindern zu können, verdeutlicht die Untersuchung etwas Grundsätzliches: Um das Risiko zu senken, reicht es nicht aus, täglich eine Tablette zu schlucken. Entscheidender ist das Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die sich bekanntlich am besten mit einem gesunden Lebensstil beeinflussen lassen. Und da hat die Forschung längst belegbare Ergebnisse. So gehören Sport, eine ausgewogene Ernährung und eine positiv-achtsame Lebenseinstellung zu den wirkungsvollsten Maßnahmen (FITBOOK berichtete).