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Studie zu Haarausfall

Arthritis-Medikament kann bis zu 80 Prozent der Haare nachwachsen lassen

Forschern zufolge kann ein Medikament gegen Arthritis auch bei Haarausfall helfen.
Forschern zufolge kann ein Medikament gegen Arthritis auch bei Haarausfall helfen. Foto: Getty Images / Milky Way
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Martin Lewicki
Freier Autor

26. August 2026, 20:08 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Viele Menschen leiden unter Haarausfall – insbesondere, wenn dieser im jungen Erwachsenenalter auftritt. Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein. Deshalb gibt es keine einheitliche Therapie. Forscher haben nun herausgefunden, dass ein Medikament gegen Arthritis bei kreisrundem Haarausfall das Nachwachsen der Haare fördert.

In Deutschland sind schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen von kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) betroffen.1 Dabei handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung, deren Ursachen noch weitgehend unerforscht sind. Da den Betroffenen meist kreisförmig die Haare ausfallen, wird die Krankheit umgangssprachlich auch als „kreisrunder Haarausfall” bezeichnet. Die Erkrankung kann bei beiden Geschlechtern und in jedem Alter auftreten, am häufigsten jedoch bei Kindern und jungen Erwachsenen. In einer aktuellen Studie fanden Forscher heraus, dass ein Medikament gegen Arthritis bei Patienten mit Alopecia areata das Nachwachsen der Haare bis zu 80 Prozent fördern kann.2

Was wurde in der Studie untersucht?

Für diese randomisierte klinische Studie rekrutierten die US-Forscher des „Brigham and Women’s Hospital” in Boston 1.399 Teilnehmer. Dabei handelte es sich um 1.281 Erwachsene und 118 Jugendliche mit einer starken Ausprägung von Alopecia areata. 59 Prozent der Teilnehmer waren weiblich, das Alter der Teilnehmer lag zwischen 12 und 64 Jahren. 

Die Studienteilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe erhielt über einen Zeitraum von 24 Wochen eine Dosis von 15 Milligramm Upadacitinib, die andere eine Dosis von 30 Milligramm. Upadacitinib ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der JAK-Inhibitoren (Januskinase-Inhibitoren), der Entzündungen im Körper hemmt. Er blockiert das Enzym Januskinase 1 (JAK1) im Inneren von Zellen und stoppt so die Weiterleitung von Entzündungssignalen. Dadurch wird das Immunsystem beruhigt und die Entzündungen gehen zurück.3 

Der Wirkstoff Upadacitinib wird bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt

Upadacitinib wird normalerweise bei Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und atopischer Dermatitis eingesetzt. „Upadacitinib ist ein einmal täglich oral einzunehmendes Medikament, das auf den JAK/STAT-Signalweg abzielt. Dieser zelluläre Signalweg ist wichtig, da er Entzündungen antreibt“, erklärt der Studienerstautor Arash Mostaghimi in der Studienbeschreibung. Bei der Behandlung von Patienten mit Ekzemen habe man bereits beobachtet, dass sich das Medikament auch positiv auf einen gleichzeitig vorhandenen kreisrunden Haarausfall auswirkt. Deshalb war das Ziel der Studie, dies auch klinisch nachzuweisen.

So effektiv ist das Arthritis-Medikament gegen Haarausfall

Die Auswertung der Studiendaten hat ergeben, dass bei etwa der Hälfte der Probanden (45 Prozent), die die 15-mg-Dosis von Upadacitinib einnahmen, innerhalb von 24 Wochen so viel Haar nachwuchs, dass mindestens 80 Prozent ihrer Kopfhaut bedeckt waren. Dies traf auch auf die Gruppe zu, die eine 30-mg-Dosis des Medikamentes einnahm. In diesem Fall waren es sogar 55 Prozent der Probanden, bei denen bis zu 80 Prozent der Haare nachwuchsen.

Die positiven Ergebnisse gingen über das Kopfhaar hinaus. Auch der Zustand der Augenbrauen und Wimpern hat sich bei den meisten Studienteilnehmern durch die Behandlung mit dem Medikament verbessert. Zudem gaben sie an, sich emotional und sozial besser zu fühlen.

Laut Studienerstautor Mostaghimi belegen diese Ergebnisse sowohl ein schnelles Ansprechen als auch eine hohe Wirksamkeit von Upadacitinib als Medikament gegen kreisrunden Haarausfall.

Auch interessant: Was ist der Unterschied zwischen Arthritis und Arthrose?

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Die Behandlung stärkt auch das Selbstbewusstsein der Patienten

Der Verlust von Haaren wirkt sich bei vielen Menschen negativ auf das Selbstbewusstsein aus. Die vorliegende Studie zeigt, dass eine effektive Behandlung nicht nur für volleres Haar sorgt, sondern den Patienten auch ihr Selbstvertrauen zurückgibt. „Das oberste Ziel der Behandlung von Alopecia areata ist nicht nur eine höhere Haardichte, sondern auch die Wiederherstellung des Selbstvertrauens und der Lebensqualität der Patienten“, erklärt Arash Mostaghimi.

Diese Untersuchung hat auch direkt eine positive Auswirkung für Betroffene. Laut dem Forscher hat die Studie dazu geführt, dass Upadacitinib in Europa bereits für die Behandlung von schwerer Alopecia areata zugelassen wurde. Dies ist erstaunlich, da eine Zulassung in den USA, wo die Studie stattfand, noch aussteht. Doch die Forscher sind zuversichtlich, dass dies auch dort geschehen wird.

Einschränkungen der Studie trotz positiver Ergbnisse

Die Studiendaten fallen bereits sehr positiv aus und spenden Menschen mit Alopecia areata Hoffnung. Es fehlen jedoch noch Langzeitdaten zur Wirksamkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit der Therapie. Deshalb wird die Studie im nächsten Schritt um weitere 28 Wochen verlängert. Dabei wird das Studiendesign verblindet sein. Das bedeutet, dass einige der Probanden unwissentlich auch Placebos erhalten. Nur so lässt sich feststellen, ob das Medikament tatsächlich wirkt. Die Forscher möchten zudem ermitteln, welche Medikament-Dosis optimal gegen Haarausfall geeignet ist und gleichzeitig sicher für eine Langzeiteinnahme ist. 

Bei den bisherigen beobachteten Nebenwirkungen der Therapie traten bei rund fünf Prozent der Patienten vor allem Infektionen der oberen Atemwege, Akne, erhöhte Blutkreatinphosphokinase und grippale Infekte auf. Ob das jedoch direkt mit der Medikamenteneinnahme zusammenhängt, lässt sich nicht sagen.

Quellen

  1. Alopecia Areata Berlin: Über Alopecia areata (aufgerufen am 26.8.2026) ↩︎
  2. Mostaghimi, A., Gooderham, M.J., Lynde, C., et. al. (2026). Upadacitinib for Severe Alopecia Areata in Adults and Adolescents: Two Phase 3 UP-AA Randomized Clinical Trials. JAMA Dermatology. ↩︎
  3. DocCheck Flexicon: Upadacitinib (aufgerufen am 26.8.2026) ↩︎

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