17. August 2026, 16:51 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Antonio Banderas erlitt 2017 im Alter von 56 Jahren einen schweren Herzinfarkt. Neun Jahre später überrascht er nun mit einem Satz, den man von einem Herzinfarkt-Patienten so nicht erwartet hätte: „Mein Herzinfarkt war das Beste, was mir je im Leben passiert ist.“ Warum die Aussage so auch von einem Mann in Deutschland hätte kommen können, erklärt FITBOOK-Redakteur Michel Winges.
Damals verspürte Banderas in seinem englischen Haus in Surrey heftige Brustschmerzen, wurde daraufhin ins Krankenhaus eingeliefert, und notoperiert. Heute, mit 65 Jahren, hat er nicht nur drei Stents mehr, sondern auch einen Schatz an Weisheit dazugewonnen. Im Interview mit dem Magazin „People“ erzählt er, wie der Herzinfarkt sein Leben und seine Einstellung zum Leben nachhaltig verändert hat: „Es war, als hätte mir jemand eine Brille aufgesetzt, damit ich die Realität sehen konnte, die ich vorher nicht gesehen hatte.“ Man habe zwar immer im Hinterkopf, dass man sterben werde, doch wenn der Tod so nah rücke, werde einem auf unglaublich deutliche Weise bewusst, wie dumm es sei, Zeit mit Dingen zu verschwenden, die im Leben nichts zu suchen hätten, führt er fort. Banderas hat inzwischen das Hollywoodleben gegen seine Heimat Málaga eingetauscht, mit dem Rauchen aufgehört und sagt nun: „Das Einzige, was mich jetzt interessiert, ist das Leben selbst.“
Männergesundheit in Zahlen
Männer in Deutschland werden im Schnitt 78,8 Jahre alt, Frauen dagegen 83,4 Jahre. Woran das liegt, kann vielschichtige Gründe haben. Unter anderem konsumieren Männer auch mehr Alkohol und Tabak als Frauen. Aber auch ein weiteres grundlegendes Problem der Männer ist, dass Männer einfach deutlich seltener zum Arzt gehen, und vor allem Vorsorgeuntersuchungen, wenngleich diese kostenlos sind, nicht ausgiebig genug in Anspruch nehmen. Ein Blick auf die Zahlen zeichnet ein klares Bild:
- Darmkrebsfrüherkennung: Zwischen 2010 und 2022 nutzten nur 22,9 Prozent der Männer, aber 55,5 Prozent der Frauen im Alter von 50 bis 54 Jahren das Angebot eines Stuhltests zur Früherkennung. Bis zum Alter von 55 Jahren hatten sogar über 77 Prozent der Männer noch nie getestet, bei Frauen war es dagegen weniger als die Hälfte mit 44,5 Prozent.1
- Krankheiten verschleppen, bis es „nicht mehr geht“: 63,5 Prozent der Männer gehen mit ihren Krankheiten und Leiden gar nicht erst zum Arzt.2
- Allgemeine Arztbesuche: Eine Krankenkassen-Auswertung zeigt, dass 2021 94,4 Prozent der Frauen einen Arzt aufsuchten, bei Männern sind es 87,2 Prozent.3
- Hautkrebs-Screening: 2022 und 2023 haben lediglich 28 Prozent der rund 47 Millionen Anspruchsberechtigten (ab 35 Jahren) das kostenlose Screening in Anspruch genommen. Bei den 35- bis 39-Jährigen nahmen nur 16,6 Prozent der Männer teil und bei den Frauen 23,3 Prozent.
- Suizidrate: Männer haben in allen Altersgruppen eine dreimal höhere Suizidrate als Frauen.4
Mönche und Nonnen leben gleich lang
Dabei müsste der Unterschied in der Lebenserwartung gar nicht so stark sein. Das lässt zumindest eine 2002 veröffentlichte Studie vermuten. Untersucht wurden mehr als 11.000 Nonnen und Mönche, die zwischen 1910 und 1985 in bayerischen Klöstern lebten. Die Studie ergab: Wenn Frauen und Männer unter vergleichbaren Bedingungen leben, unterscheiden sich ihre Lebenserwartungen kaum. Mönche wurden in der Studie fast genauso alt wie Nonnen.5
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Männer ändern häufig erst dann etwas, wenn es zu spät ist
Antonio Banderas hat seine Sicht auf das Leben erst geändert, als ihn ein einschneidendes Erlebnis durch den Herzinfarkt traf. Genau dieses Muster wird auch bei Männern in Deutschland deutlich. Erst spät im Leben scheinen sie zu begreifen, wie wichtig Vorsorge ist. Das zeigt sich besonders beim Hautkrebs-Screening, wo weiter oben nur die jüngeren Altersgruppen erwähnt wurden. Bei den 80- bis 84-Jährigen liegt die Teilnahmequote der Männer nämlich sogar über jener der Frauen. Das zeigt, dass das Umdenken eben erst in einem Alter einsetzt, in dem viele Krankheiten längst hätten erkannt werden können. Männer benachteiligen sich über Jahrzehnte selbst. Warum viele Männer so ticken, ist ebenfalls vielschichtig. Es können stereotype Rollenbilder sein, in denen Arztbesuche als Zeichen von Schwäche gelten, ebenso wie die Tendenz, Symptome zu bagatellisieren, oder sich selbst als weniger anfällig einzuschätzen.
Auch wenn in diesem Artikel von deutschen Männern die Rede ist, unterstreicht eine österreichische Studie mit 672 Herzinfarkt-Patienten der Medizinischen Universität Innsbruck genau dieses Muster: 57 Prozent der Teilnehmer waren zum Zeitpunkt ihres Infarkts noch aktive Raucher, erst danach hörten 48 Prozent von ihnen auf. Der Herzinfarkt war der Weckruf – Déjà-vu Banderas.6
Die Botschaft ist deshalb klar: Männer sollten ihre Gesundheit nicht erst dann zur Priorität machen, wenn sie bereits ernsthaft gefährdet ist. Regelmäßige Vorsorge kann dazu beitragen, dass ein Weckruf wie jener von Antonio Banderas ausbleibt.