3. November 2026, 14:14 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Haben Patienten im Krankenhaus bessere Überlebenschancen, wenn sie von einer Ärztin statt von einem Arzt behandelt werden? Eine große kanadische Studie liefert Hinweise darauf. Demnach war die Behandlung durch Ärztinnen mit einer niedrigeren Sterblichkeit und etwas weniger erneuten Krankenhausaufnahmen verbunden. Doch bedeutet das, dass Frauen die besseren Ärzte sind? So einfach ist es nicht.
Für die im Fachjournal „JAMA Network Open“ veröffentlichte Untersuchung werteten Forscher die Daten von 958.150 erwachsenen Patienten aus.1 Sie waren zwischen 2008 und 2022 in der kanadischen Provinz Ontario wegen einer von sieben akuten Erkrankungen im Krankenhaus behandelt worden. Dazu gehörten unter anderem Herzinfarkt, Lungenentzündung, Schlaganfall und Herzschwäche.
Weniger Todesfälle nach Behandlung durch Ärztinnen
Die Forscher untersuchten, wie häufig Patienten innerhalb von 30 Tagen nach dem Krankenhausaufenthalt starben oder erneut in eine Klinik aufgenommen wurden. Dabei zeigte sich ein Unterschied zwischen den Patientengruppen: Die statistisch angepasste Sterblichkeit innerhalb von 30 Tagen lag bei 12,3 Prozent, wenn eine Ärztin hauptsächlich für die Behandlung verantwortlich war. Bei Patienten, die hauptsächlich von einem Arzt behandelt wurden, lag sie bei 13,7 Prozent.
Das entspricht einem Unterschied von 1,4 Prozentpunkten. Auch bei erneuten Krankenhausaufnahmen gab es einen kleinen Unterschied: Bei den von Ärztinnen betreuten Patienten lag die Rate bei 18,6 Prozent, bei den von Ärzten betreuten Patienten bei 18,9 Prozent.
Die Forscher berücksichtigten bei ihrem Vergleich verschiedene Einflussfaktoren, darunter Merkmale der Patienten, der behandelnden Ärzte und der Krankenhäuser. So wollten sie vermeiden, dass sich Unterschiede etwa durch den Gesundheitszustand der Patienten erklären lassen. Dennoch können bei einer solchen Untersuchung weitere, nicht erfasste Faktoren eine Rolle spielen.
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Was steckt hinter den Unterschieden?
Eine mögliche Erklärung könnten Unterschiede in der medizinischen Versorgung sein. Die Studie selbst kann allerdings nicht klären, welche konkreten Verhaltensweisen oder Abläufe für die beobachteten Ergebnisse verantwortlich sind. Die Autoren betonen, dass weitere Untersuchungen nötig sind, um mögliche Unterschiede in der Behandlung besser zu verstehen.2
Ein weiterer wichtiger Punkt: Krankenhauspatienten werden häufig nicht während ihres gesamten Aufenthalts von derselben Person betreut. Deshalb untersuchten die Forscher zusätzlich, wie viele Tage Patienten von einer Ärztin behandelt wurden. Auch hier zeigte sich ein Zusammenhang: Je höher der Anteil der Krankenhaustage unter Betreuung einer Ärztin war, desto niedriger waren die statistisch geschätzten Risiken für Tod und erneute Aufnahme innerhalb von 30 Tagen.
Sind Frauen also die besseren Ärzte?
Prof. Dr. Kleinschnitz ordnet die Ergebnisse vorsichtig ein: „In dieser kanadischen Studie zeigte sich, dass die stationäre Behandlung durch eine Ärztin für die Patienten mit einer geringeren Sterblichkeit und einer geringeren Wahrscheinlichkeit, wieder in ein Krankenhaus aufgenommen zu werden, assoziiert war. Frühere Studien hatten das schon für chirurgische Operationen gezeigt. Sind Frauen also die besseren Ärzte? Diese Kausalität kann man aufgrund des Designs der Studie nicht ableiten, aber die Daten zeigen, dass es wichtig ist, geschlechtsspezifische Einflüsse auf das ärztliche Behandlungsergebnis weiter zu untersuchen.“
Damit spricht die Untersuchung nicht dafür, dass Ärztinnen grundsätzlich besser behandeln als Ärzte. Sie zeigt vielmehr einen statistischen Zusammenhang, dessen Ursachen noch genauer untersucht werden müssen. Zudem lassen sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf ambulante Arztbesuche oder andere Gesundheitssysteme übertragen.