6. März 2026, 13:33 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Herzinfarkte betreffen nicht nur ältere Personen. Eine neue Studie belegt, dass sie auch zunehmend bei jüngeren Menschen vorkommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau unter 55 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts stirbt, ist sogar höher als bei Männern. Ein Ergebnis, das das Gesundheitssystem vor neue Herausforderungen stellen könnte.
Noch immer gehen die meisten Menschen davon aus, dass Herzinfarkte und ähnliche Erkrankungen ein „Alte-Leute-Problem“ sind. Dies ist ein Irrtum, worauf unter anderem kürzlich er die KKH aufmerksam machte.1 Ein Forscherteam rund um Dr. Mohan Satish von der Division of Cardiology NewYork–Presbyterian untermauert dies nun mit neuen Erkenntnissen. Die US-Wissenschaftler fanden heraus, dass die Zahl der Todesfälle durch Herzinfarkt bei jüngeren Erwachsenen gestiegen ist – mit besonders bedrohlichen Folgen für Frauen. Die beteiligten Forscher bezeichnen die Ergebnisse als überraschend und besorgniserregend.2
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Forscher alarmiert: Der Herzinfarkt wird „jünger“
Dank medizinischer Fortschritte ist die Sterblichkeitsrate bei Herzinfarkten in den vergangenen Jahrzehnten leicht gesunken. Vor allem bei älteren Männern, so erste Hinweise.3 Allerdings nehmen Herzinfarkte bei jüngeren Menschen offenbar zu. Frauen gelten als besonders gefährdet. So setzt sich die American Heart Association seit 2004 mit der Initiative „Go Red for Women“ für mehr Aufklärung und Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei der weiblichen Bevölkerung ein.4 Die Gründe: Frauen zeigen oft atypische Symptome, was wiederum zu späten Diagnosen und falschen Behandlungen führt. Darum wollte das US-Forscherteam, an dem mehrere Universitäten beteiligt waren, vor allem zwei Aspekte herausfinden: Wie steht es um die Sterblichkeit aufgrund von Herzinfarkt bei Menschen zwischen 18 und 55 Jahren? Und wie groß sind die Geschlechterunterschiede? Die Forscher erhofften sich, durch ihre Studie ein klareres Bild der tatsächlichen Situation zu erhalten.
Fast 1 Million Krankenhausaufenthalte aus zehn Jahren wurden analysiert
Für ihre Studie nahmen die Forscher 945.000 Krankenhausaufenthalte, die sich zwischen 2011 und 2022 ereigneten, unter die Lupe. Bei den Patienten handelte es sich um Personen im Alter von 18 bis 54 Jahren, bei denen erstmals ein Herzinfarkt dokumentiert wurde. Das Durchschnittsalter lag im mittleren bis späten 40er-Bereich. Die Forscher unterschieden die Herzinfarkte in zwei Subtypen: den besonders schweren ST-Hebungsinfarkt (STEMI) und den weniger schwerwiegenden Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI). In die Analyse flossen zudem Parameter wie Begleiterkrankungen, sozioökonomische Faktoren, Komplikationen und insbesondere Geschlechtsunterschiede ein.
Die wichtigsten Ergebnisse
- Insgesamt stieg die Sterblichkeit im Krankenhaus bei Personen unter 55 Jahren mit einem schweren Herzinfarkt (STEMI) um 1,2 Prozent an.
- Bei Frauen war die Wahrscheinlichkeit, im Krankenhaus an einem erstmaligen, schweren Herzinfarkt zu sterben, um 3,1 Prozent höher als bei Männern.
- Bei Frauen wurden zudem seltener medizinische Eingriffe wie Herzkatheter oder Gefäßöffnungen durchgeführt. Diese können jedoch für das Überleben entscheidend sein.
- Die bei jüngeren Menschen beobachtete Sterblichkeit hing oft stärker mit nichttraditionellen Risikofaktoren wie Drogenkonsum oder psychischen Belastungen zusammen. Dies zeigt, dass das Herzinfarktrisiko bei jungen Menschen komplexer ist.
Die unterschiedlichen Anzeichen eines Herzinfarkts bei Frauen und Männern
Kritische Altersschwelle für Herzinfarktrisiko bei Männern
Unterschätzter Herzinfarkt – Frauen besonders gefährdet
Herzinfarkte kommen häufiger vor, als viele denken. Vor allem junge Menschen scheinen das Thema auszublenden. Dabei ist die Sterblichkeitsrate bei ihnen sogar gestiegen, obwohl Therapien besser geworden sind. Bei Frauen werden die Symptome eines Herzinfarkts nach wie vor oft zu spät erkannt. „Um die Behandlung von Herzinfarkten bei Menschen unter 55 Jahren, insbesondere bei Frauen, zu verbessern, müssen Risikopersonen früher betreut werden. Außerdem sollten auch weniger bekannte Risikofaktoren stärker berücksichtigt werden“, erklärt Studienleiter Dr. Mohan Satish in einer Mitteilung der „American Heart Association“5. „Zukünftige Studien müssen untersuchen, wie diese Faktoren das Herzinfarktrisiko beeinflussen und wie sie mit den klassischen Risikofaktoren zusammenhängen.“
Kardiologe Dr. Christopher Schneeweis erklärt, was man zur Vorbeugung von Herzinfarkten tun kann:
Stärken und Schwächen der Studie
Eine wesentliche Stärke ist die sehr große Datenbasis mit fast einer Million untersuchter Fälle sowie der lange Untersuchungszeitraum von über zehn Jahren. Dadurch sind die Ergebnisse statistisch gut abgesichert und es lassen sich Trends erkennen. Eine Schwäche ist jedoch, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, weshalb keine eindeutigen Ursachen nachgewiesen werden können. Außerdem enthalten die verwendeten Krankenhausdaten nur begrenzte Informationen. So sind genauere Angaben zum Lebensstil und zur Entwicklung der Gesundheit jedes Einzelnen nach dem Krankenhausaufenthalt kaum vorhanden.