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von FITBOOK

Bei der Expertin nachgefragt

Was macht Senf eigentlich so gesund?

Senf ist gesund
Senf als Lebensmittel und Heilpflanze ist der Menschheit seit Jahrtausenden bekanntFoto: Getty Images

Senf dazu! Die gelbe Würzpaste ist sogar bei Fast-Food-Freunden äußerst beliebt – und vor allem: supergesund. Das bestätigt im Gespräch mit FITBOOK auch eine Ernährungsexpertin. Erfahren Sie hier, was man über den leckeren Scharfmacher wissen sollte.

Es dürfte wohl kaum einen deutschen Haushalt geben, in dem nicht irgendwo eine Tube oder ein Glas Senf rumsteht. Ob Hausmannsköstler, Gesundheitsfanatiker oder Feinschmecker: Senf ist ein Muss! Im Gegensatz zu seinen „besten Freunden“, dem Tomatenketchup und der Mayonnaise, steht Senf nicht im Ruf, voll mit Zucker oder schlechten Fetten beladen zu sein. Im Gegenteil: „Senf ist gesund“, sagt uns Diplom-Ökotrophologin Beke Enderstein. Grund genug, sich mal genauer anzuschauen, was drinsteckt.

Welche Nährstoffe machen Senf so gesund?

„Die Wirkung basiert vor allem auf den darin enthaltenen sogenannten Senfölglykosiden“, erklärt Enderstein. Sie sind für den scharfen Geschmack verantwortlich, töten nachweislich Bakterien, Pilze und Viren ab und wirken zudem antioxidativ und entzündungshemmend. „Besagte Senfölglykoside entwickelte die Senfpflanze eigentlich zum Schutz gegen Schädlinge“, weiß die Expertin weiter. Ein Mechanismus, der offenbar auch dem menschlichen Organismus zugute kommt.

Eine Portion von 15 Gramm fällt mit gerade mal 9 Kalorien kaum ins Gewicht, liefert aber dafür einen kleinen gesunden Extra-Schuss Eisen, Kalzium, Selen und Phosphor.

Senf – eine über 3000 Jahre alte Erfolgsgeschichte

In China und weiteren asiatischen Ländern sowie vermutlich auch in Indien war Senf bereits vor über 3000 Jahren ein beliebtes Gewürz. Vor 2600 Jahren gelangte Senf nach Griechenland, wo es als Heilmittel gegen allerlei Beschwerden angewandt wurde. So galt Senf, als er ein paar hundert Jahre später in der Bibel lobende Erwähnung fand, bereits als alter Hut.

Heute sind mehr als 40 Senfarten bekannt. Dass Senf zudem den Appetit anregt und die Verdauung auf gesunde Weise in Schwung bringt, gehörte hierzulande im Mittelalter ebenfalls zum grundlegenden Heilwissen, das wiederum ein paar Jahrhunderte später der Vollständigkeit halber wissenschaftlich belegt wurde.

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Ist Senf krebshemmend? Das sagt die Wissenschaft

Es gibt tatsächlich Hinweise auf eine krebshemmende Wirkung von Senf, bestätigt Enderstein. Laut einer Studie der Uni Freiburg, kann Senf krebsauslösende Stoffe, auch Karzinogene genannt, quasi ausknipsen – und zwar auch solche, wie sie in gepökeltem, gebratenem Fleisch vorkommen.

Die Studie wurde 2011 unter anderem in der Fachzeitschrift „Klinik Management aktuell“ veröffentlicht. Dafür sollten Proband*innen über einen längeren Zeitraum täglich 20 Gramm Senf verspeisen. Anschließend wurde ihr entnommenes Blut mit krebsauslösenden Karzinogenen versetzt. Die überraschende Beobachtung: Die weißen Blutkörperchen der Senf-Gruppe konnten die potenziell tödlichen Stoffe wesentlich besser bekämpfen als die der senflosen Kontrollgruppe. Und: Je schärfer der Senf, desto besser die Wirkung.

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Es gibt zahlreiche vielversprechende Studien bezüglich Senf und Krebsschutz. Bei den meisten handelt es sich allerdings um Tierversuche. Doch auch wenn obige Untersuchung eine der wenigen ist, die mit menschlichen Zellen arbeitet, ist handelt es sich auch dort nur um ein Reagenzglas-Experiment. Ernährungsexpertin Beke Enderstein: „Bevor eindeutige Empfehlungen ausgesprochen werden können, steht noch viel Forschung aus.“

Senföl – ein wirksames, natürliches Antibiotikum

Die gesunden Senföle finden sich übrigens auch in Meerrettich und Kapuzinerkresse, weiß die Expertin. „Hochdosiert werden diese in pflanzlichen Arzneimitteln zur Therapie von Infektionen der Atemwege und ableitenden Harnwege verwendet.“

Auch seien Senföle eine sinnvolle Alternative für synthetische Antibiotika. So kommt eine Studie aus dem Jahr 2019 zu dem hoffnungsvollen Schluss: Senföle können einen wichtigen Beitrag zur Entschärfung des immer größer werdenden Resistenzproblems leisten. Gerade bei der Behandlung einer Blasenentzündung erweisen diese sich als besonders wirksam.

Welche Senf-Sorte ist die gesündeste?

Enderstein rät ganz klar zur schärfsten Sorte im Regal – sofern Sie keinen besonders empfindlichen Magen haben. In dem Fall könnte der Verzehr von sehr scharfem Senf zur Reizung der Schleimhäute von Magen und Darm führen. Für alle anderen hält die Expertin den französischen Dijon-Senf für die beste Wahl: „Dieser enthält besonders viele Senföle und hat zudem ein feines Aroma. Entsprechend rate ich zu ökologisch produziertem Senf. Es macht wenig Sinn, Schadstoffe wie Pestizide aus der konventionellen Landwirtschaft aufzunehmen, wenn man gesundheitlich profitieren möchte.“

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Und noch ein Profi-Tipp zum Schluss: „Senf kalt essen. Hitze zerstört die gesundheitsfördernden Stoffe zum großen Teil. Um das Aroma und die Senföle zu erhalten, Senf am besten im Kühlschrank aufbewahren und zügig aufbrauchen.“