Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de

Studie schafft Klarheit

Vollmilch oder fettarme Milch – was ist gesünder für Kinder?

Kinder trinken Milch mit Strohhalm
Laut einer neuen Studie darf es Kindern völlig egal sein, ob sie fettarme Milch oder Vollmilch verzehren Foto: Getty Images

Es ist eine dieser ewigen Streitfragen in Sachen Ernährung: Sind fettarme Milcherzeugnisse oder Vollmilchprodukte gesünder? Zumindest für Kinder hat eine Studie diese Frage endlich geklärt. Doch auch bei Erwachsenen gibt es Hinweise.

Milch und Milchprodukte wie Joghurt und Käse gehören zu den wichtigsten Lebensmitteln auf dem Speiseplan. Allerdings wurmt wohl eine Frage besonders viele Menschen: Sollte man beim Einkauf zu Vollmilchprodukten greifen oder lieber zu fettarmen? Hartnäckig hält sich nämlich das Vorurteil, dass Lebensmittel aus Vollmilch aufgrund des höheren Fettgehalts ungesünder seien und zu Übergewicht führen könnten. Eine australische Studie hat nun endlich Klarheit geschaffen und gibt vor allem für Kinder Entwarnung.1

Kinder zwischen zwei und sechs Jahren untersucht

Wissenschaftler der australischen Edith Cowan University haben untersucht, wie sich der Verzehr von fettarmen Milchprodukten und Vollmilch-Lebensmitteln auf die Gesundheit von Kindern auswirkt. Sie untersuchten 49 Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren über einen Zeitraum von drei Monaten. Die Kinder wurden per Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt: Die eine Gruppe bekam jeden Tag fettarme Milchprodukte zum Essen, die andere Gruppe bekam Vollmilchprodukte zum Verzehr.

Dabei mussten die Eltern nicht selbst die Lebensmittel kaufen, sondern bekamen diese jeden Abend in einer neutralen Verpackung geliefert. So wussten die Probanden beider Gruppen nicht, ob sie fette oder fettarme Milchprodukte verzehrten. Während des Testzeitraums wurden bei jedem Kind die Fettleibigkeit, die Körperzusammensetzung, der Blutdruck sowie die Blutwerte kontrolliert.

Auch interessant: Pasteurisiert, roh, H und ESL – was sind die Unterschiede bei der Milch?

Fette Milchprodukte führen nicht zu Fettleibigkeit

Erstaunlicherweise nahmen Kinder beider Versuchsgruppen im Laufe des Tages in etwa die gleiche Kalorienanzahl zu sich. Denn jene Probanden, die Kalorien bei fettarmen Milchprodukten „einsparten“, aßen dafür mehr von anderen Lebensmitteln und holten sich so die Kalorien wieder rein. Auch die Untersuchung der Körperzusammensetzung, der Blutwerte und aller anderen Parameter ergab am Ende der Studie keine signifikanten Unterschiede.

Somit widerspricht die Studie ganz klar der allgemein verbreiteten Vorstellung, dass fette Milchprodukte bei Kindern zu Fettleibigkeit führen können. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Richtlinien für Ernährung von Kindern überarbeitet werden sollten. Denn es spreche nichts dagegen, dass Kinder jene Milchprodukte essen, die ihnen schmecken, egal ob fettarm oder fettreich. Leider gehen die Autoren in diesem Zusammenhang nicht auf das Thema Zuckergehalt in Milchprodukten ein und geben hier keine Empfehlungen ab.

Auch interessant: Ist H-Milch besser für unsere Gesundheit als Frischmilch?

Auch andere Studien stützen die Ergebnisse

Die Autoren der australischen Studie weisen darauf hin, dass es auch andere Untersuchungen gibt, die keine Belege für den Zusammenhang von fettreichen Milchprodukten und Fettleibigkeit liefern. So ergab eine Auswertung von Daten aus dem Zeitraum 1999 bis 2016 über junge US-Amerikaner, dass übergewichtige Menschen im Alter zwischen zwei und 20 Jahren eher fettarme oder stark fettreduzierte Milch tranken.2 Normalgewichtige Menschen in diesem Altersspektrum tranken hingegen eher Vollmilch.

Selbst bei Erwachsenen hat eine Auswertung von insgesamt 16 Studien zu diesem Thema gezeigt, dass fettreiche Milchprodukte beziehungsweise Milchfett weder zu Übergewicht noch zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.3 Es gab sogar Hinweise darauf, dass der Verzehr von fettreichen Milchprodukten das Risiko für Übergewicht senkt.

Auch interessant: Die Top 5 Ernährungstipps von „Ernährungskompass“-Autor Bas Kast

Fazit

Laut aktueller Studien gibt es keine Beweise dafür, dass der Verzehr von Vollmilchprodukten im Vergleich zu fettarmen Milcherzeugnissen eher zu Übergewicht führt. Es gibt Hinweise dafür, dass die eingesparten Kalorien durch fettarme Milchprodukte im Laufe des Tages beim Verzehr anderer Lebensmittel wieder ausgeglichen werden. Insofern dürfen sowohl Kinder als auch Erwachsene guten Gewissens nicht-fettreduzierte Milchprodukte genießen. Letztere sollten allerdings aus anderen Gründen ihren Milchkonsum im Rahmen halten – warum, das hat FITBOOK in einem anderen Artikel mit Experten diskutiert.

Quellen

  1. Analise Nicholl, Kane E Deering, Kate Evelegh, Philippa Lyons-Wall, David Lawrence, Trevor A Mori, Mario Kratz, Therese A O’Sullivan: Whole-fat dairy products do not adversely affect adiposity or cardiometabolic risk factors in children in the Milky Way Study: a double-blind randomized controlled pilot study, The American Journal of Clinical Nutrition (2021)
  2. White MJ, Armstrong SC, Kay MC, Perrin EM, Skinner A. Associations between milk fat content and obesity, 1999 to 2016. Pediatr Obes. (2020)
  3. Kratz M, Baars T, Guyenet S. The relationship between high-fat dairy consumption and obesity, cardiovascular, and metabolic disease. Eur J Nutr. (2013)