Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de
Gesundheitspartner
von FITBOOK

1 Monat vegan – und im Trend

Was steckt hinter dem „Veganuary“-Hype?

Mittagessen im „Veganuary“
Sei vegan und rede drüber! Der erste Monat des Jahres steht unter dem Zeichen des Trends „Veganuary“.Foto: Getty Images

Kein Fisch, keine Eier, keine Milchprodukte und natürlich erst recht kein Fleisch – viele Menschen verzichten im Januar 2021 überzeugt auf tierische Lebensmittel. Das Ganze hat einen Namen: „Veganuary“. FITBOOK hat herausgefunden, woher die Initiative stammt.

Viele Menschen nutzen den ersten Monat eines jeden Jahres zum Detoxen oder für das Umsetzen guter Vorsätze. Einfacher wird es natürlich, wenn möglichst viele mitmachen. Das ist bei der Initiative „Veganuary“ der Fall, die ist nämlich längst zum Trend avanciert. Anhänger verzichten auf tierische Lebensmittel und ernähren sich bis Februar rein pflanzlich.

Woher stammt der „Veganuary“-Hype?

Die Aktion, deren Titel sich aus „vegan“ und „january“ (z. Dt.: Januar) zusammensetzt, wurde in Großbritannien ins Leben gerufen. Viele Teilnehmer begreifen sie als Challenge und posten Bilder ihrer veganen Mahlzeiten in den sozialen Medien. Es haben sich bereits mehr als 500.000 Internetnutzer auf „Veganuary“ registriert, berichtete ein Sprecher der Organisation. Sie alle – darunter auch bekennende Karnivoren – wollen einen Monat lang auf Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier verzichten.

Einer von ihnen ist übrigens Till Lindemann. Der Rammstein-Sänger und Fleischliebhaber zeigt sich seinen Fans auf Instagram beim Verzehr eines veganen Burgers. Zugegeben – eine Markenkooperation. Aber eine mit gutem Zweck.

Instagram Placeholder
An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Fleischverzicht hat viele Vorteile

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums lag der geschätzte Pro-Kopf-Verzehr im Jahr 2019 zwar bei 59,5 Kilogramm pro Einwohner und damit um 2,5 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. „Im Jahr 2013 waren es noch etwa 66 Kilo pro Kopf“, berichtet Barbara Unmüßig vom Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung. Eine echte Fleischwende sei aber längst nicht eingeleitet.

Im „Fleischatlas“ tragen die Stiftung und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) regelmäßig Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel zusammen. Demnach trägt das Konsumentenverhalten in Deutschland wenig dazu bei, dass sich die weltweite Fleischproduktion verlangsamt.

Auch interessant: Woran erkennt man die Herkunft von Fleisch?

320 Millionen Tonnen Fleisch werden weltweit konsumiert

„Der weltweite Fleischkonsum hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt und erreichte 2018 320 Millionen Tonnen“, schreiben die Autoren in ihrem Bericht. Sie begründen diesen Mega-Wert mit der wachsenden Bevölkerungszahl sowie einem steigenden Einkommen vor allem in schnell wachsenden Schwellenländern. „Bis 2028 wird der Fleischkonsum möglicherweise noch einmal um 13 Prozent wachsen.“ Er läge den Berechnungen zufolge dann bei 360 Millionen Tonnen – 40 Millionen mehr als 2018.

Die Auswirkungen lassen sich auch in Deutschland beobachten. Bauern protestieren und bringen heimlich gedrehte Videos der widrigen Arbeitsbedingungen in Schlachtbetrieben an die Öffentlichkeit. Auch Tierquälerei in Unternehmen wird angemahnt.

Fleischersatz boomt

Verbraucher können ihren Teil dazu beitragen, dass sich das ändert. Fleisch sollte generell seltener verzehrt werden – auch der eigenen Gesundheit zuliebe. Wer den Geschmack nicht missen will, der findet auch im deutschen Handel verschiedenste Arten von Fleischersatz-Produkten. Diese bestehen u. a. aus Soja oder Weizenproteinen.

Im Jahr 2019 wurden laut „Fleischatlas“ hierzulande rund 26.600 Tonnen an Fleischersatz-Produkten verkauft – ein Rekordhoch. Das entsprach einem Jahresumsatz von 273 Millionen Euro. Zum Vergleich: Mit Fleisch und Wurst wurden dem Bericht zufolge im selben Zeitraum 40,1 Milliarden Euro umgesetzt.

„Der Markt für Fleischersatzprodukte entwickelt sich so dynamisch wie nie zuvor“, schreiben die Autoren. Längst sei auch die konventionelle Fleischindustrie auf den Trend aufgesprungen. „Der Hersteller Rügenwalder Mühle machte im Juli 2020 erstmals mehr Umsatz mit veganen und vegetarischen Fleischalternativen als mit klassischem Aufschnitt oder Teewurst“, heißt es weiter.

Versagen der Agrarpolitik

„Wir müssen die Mindeststandards an Tierhaltung in Deutschland und Europa deutlich anheben.“ Das fordert Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND. Zudem sieht er ein Vollzugsdefizit bereits bestehender Regelungen. Vielerorts verstoßen Tierhalter und Schlachter nach seinen Angaben schon jetzt gegen geltendes Recht. Kontrolliert werde das zu wenig. „Eine Umsetzung der bestehenden Gesetze würde schon mal helfen, das Elend zu beenden.“

Themen