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Kann das wirklich sein?

„Low Carb“ soll das Leben verkürzen

Paar beim Snacken
Besser Fleisch als Kohlenhydrate – so lautete bisher die Empfehlung für Ernährungsbewusste. Eine aktuelle Studie rückt nun Carbs in ein positiveres Licht. Oder wird sie bloß falsch interpretiert…?
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Einer amerikanischen Studie zufolge soll es die Lebenserwartung verringern, wenn man sich zu kohlenhydratarm ernährt. Darüber berichten aktuell verschiedene Medien. Auf der anderen Seite stehen Wissenschaftler, die „Low Carb“ empfehlen – und die aktuellen Schlagzeilen entsprechend kritisch sehen. Einer von ihnen findet im Gespräch mit FITBOOK klare Worte.

Bei eiweiß- und fettreichen Speisen tüchtig zulangen, Kohlenhydrate dafür in Maßen genießen. Diese Art, seine Ernährung zu gestalten, wird immer beliebter – nicht zuletzt bei jenen, die schnell ihr Wunschgewicht erreichen wollen (Stichwort „ketogene Ernährung“). Umso mehr sorgt eine kürzlich in der US-Fachzeitschrift „The Lancet Public Health“ veröffentlichte Untersuchung für Verwirrung.

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Pärchen in der Küche

„Low Carb“ soll beim Abnehmen helfen und ein insgesamt verbessertes Körpergefühl bescheren. Fleisch – und vergleichbar Eiweißreiches – stand daher bei Ernährungsbewussten hoch im Kurs. Aktuelle Forschungsergebnisse könnten sie verunsichern.
Foto: Getty Images

Leben „Low-Carb“-Esser echt kürzer?

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Unter anderem das Gesundheitsportal „Heilpraxis“ berichtet über die epidemiologische Studie, die gemeinsam von verschiedenen Fakultäten aus den USA und Südamerika durchgeführt wurde. Ihr Ergebnis, angeblich: Wer Kohlenhydrate vom Ernährungsplan streicht, lebt im Schnitt kürzer.

Bei den Studienteilnehmern, die etwa die Hälfte ihres Energiebedarfs mit Kohlenhydraten deckten, wurde ein minimal geringeres Sterberisiko festgestellt als bei denen, die an den anderen Extremen lagen: die also sehr wenige oder sehr viele „Carbs“ zu sich nahmen. Der Untersuchung zufolge lebten Ü-50-Jährige, deren Ernährung zu 50 bis 55 Prozent aus Kohlenhydraten bestand, durchschnittlich noch weitere 33 Jahre. Damit hätten sie die anderen Probanden um ein bis vier Jahre überlebt.

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Spaghetti mit Tomatensauce

Nudeln bestehen zu rund 70 Prozent aus Kohlenhydraten. Bei Low-Carb-Essern standen sie lange auf der Verboten-Liste.
Foto: Getty Images

Studie: Proteine nicht unbedingt (gleich) schlecht

In jeweils zweijährigen Zeitspannen in den 1980er- und 1990er-Jahren hatten die rund 15.400 Teilnehmer in Fragebögen beantwortet, welche Lebensmittel sie häufig und in welchen Mengen konsumierten. Anhand der Angaben schätzten die Forscher, wie sich Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße in deren Ernährung aufteilten. Getreide, Teigwaren wie Brot und Nudeln, Kartoffeln und Reis machten sie dabei als Hauptquelle für Kohlenhydrate aus; aber auch stärkereiches Gemüse, Frucht- und Industriezucker spielten eine Rolle.

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Kichererbsensalat

Verschiedene Hülsenfrüchte enthalten pflanzliches Eiweiß. Bei Kichererbsen sind es beispielsweise 19 Prozent.
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Experte sieht Studie sehr kritisch

FITBOOK sprach mit dem Münchener Diplom-Ökotrophologen Prof. Nicolai Worm. Er hat sich uns gegenüber – und auch in Büchern, beispielsweise „Die Flexi-Diät: Abnehmen mit mediterranem Low Carb“ (Riva Verlag) – schon häufig als Befürworter einer Low-Carb-Ernährung geäußert. Die aktuelle Diskussion ändert nichts an seinem Standpunkt.

Der Ernährungswissenschaftler berichtet von Veröffentlichungen durch Gesundheitsjournalisten, in denen vor allem die berichtenden Medien kritisiert werden. Tatsächlich thematisiere der Fachbeitrag im „Lancet Public Health“ nämlich Nahrungskohlenhydrate UND das Sterblichkeitsrisiko, wobei an sechs Stellen von einer „Verbindung“ gesprochen werde – und kein einziges Mal von einem kausalen Zusammenhang.

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Studien generell reflektiert betrachten!

Studien, die auf Angaben zu (angeblichen!) Ernährungsgewohnheiten basieren, sollten immer kritisch beurteilt werden. Schließlich sind Menschen – allen voran Diäthaltende – hinsichtlich dessen, was sie essen, nicht immer ganz ehrlich. Zudem können Schlussfolgerungen nicht unabhängig von der generellen Lebensführung gezogen werden. Mit anderen Worten: Ob und wie sehr sich häufiger/seltener Fleischkonsum auf das Sterblichkeitsrisiko auswirkt, lässt sich nicht sagen, zumindest nicht unabhängig von anderen Faktoren wie etwa Rauchen oder Bewegungsmangel.