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Teures Superfood aus Neuseeland

Wie gesund ist Manuka-Honig wirklich?

Manuka-Honig
Der dunkle, weniger süß schmeckende Manuka-Honig aus Neuseeland gilt als besonders wirksam gegen BakterienFoto: Getty Images

Manuka-Honig aus Neuseeland gilt als Superfood und überrascht Forscher mit seiner antibaktieriellen Wirkung. Doch der Hype hat auch einige Schattenseiten.

Manuka-Honig ist seit einigen Jahren sehr beliebt. Das Superfood soll das Immunsystem stärken und antibakteriell wirken. Auch einige Stars schwören auf das „braune Gold“, etwa Scarlett Johansson oder Gwyneth Paltrow. Manuka-Honig ist aber auch sehr teuer: Ein Glas davon kostet bis zu 100 Euro.

Für die Maori, Neuseelands Ureinwohner, galt die Manuka-Pflanze (oder auch Südseemyrthe) seit jeher als Allheilmittel, wurde aufgrund der ihr zugeschriebenen wundheilenden und antibakteriellen Wirkung als Balsam verwendet oder gegen Infekte eingesetzt. Den eigentlichen Manuka-Honig kannten die Maori allerdings nicht. Denn erst durch die Einführung der Honigbienen durch Missionare Mitte des 19. Jahrhunderts entstand die heute als Superfood gepriesene Spezialität, die zu stolzen Preisen verkauft wird.

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Das weiß die Wissenschaft über Manuka-Honig

Für die heilsamen Eigenschaften des Manuka-Honigs interessiert sich auch die Wissenschaft. 2006 entdeckten Forscher der Technischen Universität Dresden eine Substanz, der sie die entzündungshemmende Wirkung zuschreiben: ein Zuckerabbauprodukt namens Methylglyoxal (MGO). Methylglyoxal kommt auch im heimischen Honig vor, doch ist die Konzentration im Manuka-Erzeugnis bis zu 100 Mal höher.

Wie gut Manuka-Honig als Keim-Killer funktioniert, fanden US-Wissenschaftler der Universität Portsmouth in einer 2016 veröffentlichten Studie heraus. Hierfür wurden unter anderem Harnwegsinfektionen auslösende Bakterien in ein Plastikschälchen mit verdünntem Honig gegeben und anschließend in eine Art „Brutschrank“ gestellt. Obwohl darin beste Bedingungen für weiteres Bakterienwachstum bestand, reduzierten dich die Keime um bis zu 70 Prozent.

Da es Manuka-Honig ebenso mit multiresistenten Keimen aufnehmen kann, erhofft sich die auf Hochtouren laufende Forschung weitere Erkenntnisse.

Manuka Pflanze
Die Südseemyrthe oder auch Manuka-Pflanze (Leptospermum scoparium) ist in den bergigen Regionen Neuseelands beheimatetFoto: Getty Images

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Das sagt der Ernährungsprofi zu Manuka-Honig

Studien belegen also, dass Manuka-Honig tatsächlich eine anti-entzündliche Wirkung hat. Das steht auch für den Ernährungswissenschaftler und Diplom-Ökotrophologen Prof. Dr. Nicolai Worm außer Frage. Dennoch merkt er bei FITBOOK kritisch an: „Was im Labor als Experiment funktioniert, bedeutet nicht immer, dass dies eins zu eins auf den menschlichen Körper übertragbar ist.“ Und was die gesundheitsfördernden Eigenschaften betrifft: „In unseren Breitengraden wachsen zahlreiche Lebensmittel, die bewiesenermaßen ebenfalls antibakteriell wirken, allen voran die Zwiebel.“

Auch gibt es Studien, dass Pilze oder herkömmliche Küchenkräuter ebenfalls dazu zählen, auch wenn sie Manuka-Honig in puncto Wirksamkeit sicherlich etwas nachstehen. Vielmehr stellt sich für Worm allerdings die Frage, ob es für einen gesunden Menschen überhaupt nötig sei, ein Produkt zu konsumieren, das einmal über den halben Globus geflogen werden musste. „Wir leben in einem Land, in dem weder ernährungstechnisch noch medizinisch irgendein Mangel herrscht.“ Schließlich sei nie ein einziges Lebensmittel für die Gesundheit verantwortlich, sondern bekanntermaßen eine ausgewogene Ernährung, genügend Bewegung und ausreichend Schlaf. Und noch etwas: Einige Krankheiten wie eine Erkältung werden in der Regel von Viren und nicht durch Bakterien verursacht. Manuka-Honig wird demnach bei einem handfesten Husten nicht viel ausrichten können.

Großes Problem bei Manuka-Honig: Etikettenschwindel

Deshalb hat er gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern ein kompliziertes Verfahren entwickelt, das die tatsächliche Reinheit eines Manuka-Honigs identifizieren soll. „Ein Resultat der viel zu großen Nachfrage“, merkt er an.

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Manuka-Honig
Etikettenschwindel hat dafür gesorgt, dass mittlerweile zahlreiche Echtheitszertifikate auf den Manuka-Honig-Gläsern prangenFoto: dpa picture alliance

Krieg der Manuka-Honig-Imker

Doch der Hype um Manuka-Honig hat noch weitaus dramatischere Folgen: Nach Recherchen des britischen „Guardian“ ist unter den Manuka-Imkern in den letzten Jahren ein regelrechter Krieg ausgebrochen. Bienenstöcke werden gestohlen, verwüstet und vergiftet und damit ganze Völker ausgemerzt. Betroffene sprechen in diesem Zusammenhang sogar von einem „Massaker“, laut ihnen habe die maßlose globale Gier nach dem Honig innerhalb kürzester Zeit extrem zerstörerische Auswüchse angenommen.

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Wird Kornblumenhonig das neue Manuka?

Grundsätzlich gilt wie bei jedem Superfood-Hype, dass Verbraucher kritisch bleiben sollte. Das betonen auch die beiden Experten Worm und Speer. Wer in puncto Ökobilanz eine europäische Alternative sucht, sollte auf Kornblumenhonig setzen. So führte Speer zusammen mit anderen Wissenschaftlern eine Studie durch, in der entzündete Hufe von an Dermatitis erkrankten Kühen mit  Kornblumenhonig bestrichen wurden. Wie sich zeigte, heilten die Wunden der mit Honig behandelten Tiere signifikant schneller als die der Kontrollgruppe.

„Der Vorteil ist, dass Kornblumenhonig beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern produziert wird“, so Speer zu FITBOOK. „In dem Fall ist die Wirkung weniger auf das Methylglyoxal zurückzuführen, sondern auf den extrem hohen Gehalt an Wasserstoffperoxid, das einen vergleichbaren Effekt hat.“ Für den Forscher ein Hinweis, dass die Medizin nicht auf den exotischen Manuka-Honig angewiesen sein muss.

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